AfD will mehr Abschiebungen:Fachkräftemangel: Wer hält Sachsen-Anhalt am Laufen?
von Andreas Weise
Sachsen-Anhalt schrumpft: Zu wenig Geburten, viele Ältere, die in Rente gehen. Viele Stellen können nicht besetzt werden. Die AfD will mehr abschieben - verschlimmert das die Lage?
Der Fachkräftemangel im Krankenhaus und in der Pflege ist in Deutschland akut.
Quelle: dpaVisite in der geriatrischen Abteilung des Harzklinikums in Quedlinburg. Um die betagten Patienten kümmern sich vier Ärzte aus drei Nationen. Zwei kommen aus Serbien, einer aus Syrien und einer aus Indien.
Seit 1. August ist Aleksandar Zivic Chef der Klinik für Innere Medizin und Geriatrie. 2014 kam er aus Serbien nach Deutschland, machte hier seinen Facharzt.
Wir haben ein gutes Entwicklungspotenzial. Aber ich habe auch ein gutes ärztliches Team, sehr motiviert und fachlich hochgeschätzt, gefunden. Ich freue mich, dass ich hier bin, und werden wir sehen, wie sich das weiterentwickelt.
Dr. Aleksandar Zivic, Leiter Innere Medizin und Geriatrie Harzklinikum Quedlinburg
Klinikleitung: Schwierige Personalsuche
Derzeit sind es noch 35 Betten in der Geriatrie, 60 sollen es perspektivisch werden. Und da stößt die Klinikleitung schon auf ihr größtes Problem.
In knapp zwei Wochen wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Wie blicken Handwerk und Landwirtschaft auf die Situation?
20.08.2026 | 1:58 min"Bei uns ist es so, dass wir die größten Sorgen im ärztlichen Dienst haben, die Stellen mit den hohen Strukturanforderungen zu besetzen", sagt Matthias Voth, Geschäftsführer des Harzklinikums.
Deswegen heißt es bei uns, jeder dritte bis jeder vierte ärztliche Kollege kommt aus dem Ausland. Das ist der einzige Weg, wie wir das lösen können aktuell.
Dr. Matthias Voth, Geschäftsführer Harzklinikum
In der Pflege geht ohne Fachkräfte aus dem Ausland nichts mehr. Jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland hat einen ausländischen Pass. Die Zentralstelle in Osnabrück hilft, Bürokratie zu beschleunigen.
03.02.2026 | 2:35 minSachsen-Anhalts Problem mit der Demografie
Der Ärztemangel ist ein Teil eines großen Problems des Landes Sachsen-Anhalt - des Fachkräftemangels. 2025 wurden zwischen Altmark und Unstrut gerade mal 12.000 Kinder geboren - so wenig wie noch nie.
"Wir wissen, dass wir im letzten Jahr in Sachsen-Anhalt nur ein Drittel der Kinder von 1990 geboren haben", sagt Markus Behrens von der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit. "Also wir haben deutlich mehr Ältere und wenig Jüngere und das wird dazu führen, dass sich der Fachkräftemangel tatsächlich verschärft."
Deswegen ist es für uns wichtig, dass wir durch das Thema Zuwanderung die Lücke schließen, um die Unternehmen in die Lage zu versetzen, auf entsprechende Fachkräfte zurückzugreifen.
Markus Behrens, Geschäftsführung Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit
Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Die AfD rechnet sich gar Chancen auf die absolute Mehrheit aus. Wie ist die Stimmung im Land vor der Landtagswahl?
16.08.2026 | 1:42 minWahlkampfthema Zuwanderung: AfD wirbt mit Abschiebungen
Doch genau das macht vielen Unternehmen derzeit Sorgen. Im Landtagswahlkampf versucht vor allem die AfD damit zu punkten, dass "Illegale" abgeschoben werden sollen. Aber kommen in einem solchen Klima auch die, die gebraucht werden?
Wenn man allgemein ein ausländerfeindliches Klima schafft, dann betrifft das eben alle. Auch den Arzt vielleicht, den ausländischen, den man gerne hätte, der kommt dann eben auch nicht mehr oder fühlt sich nicht mehr wohl.
Reint E. Gropp, Präsident Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle
"Das sieht man sehr schön in Amerika", ergänzt Gropp: "Wo eben die ICE-Agenten rumlaufen und eigentlich ja nur die illegalen Kriminellen finden sollen, aber am Ende ein Klima schaffen, in dem sich alle Ausländer nicht mehr wohlfühlen."
Ob und wie sich das Klima nach der Landtagswahl verändern wird, ist derzeit nicht einschätzbar. Doch das Thema treibt viele im Land um.
Was die Parteien für die Wirtschaft vorschlagen
- Ansiedlung neuer Industrieunternehmen und internationaler Investoren
- Stärkung von Mittelstand und Handwerk
- Weniger Bürokratie und schnellere Genehmigungen
- Senkung von Steuern und Abgaben
- Starke Priorisierung deutscher Fachkräfte und Rückkehrprogramme für ausgewanderte Deutsche, deutliche Begrenzung der Arbeitsmigration
- Niedrigere Energiepreise als zentraler Standortfaktor
- Höhere öffentliche Investitionen in Wirtschaft und Infrastruktur
- Höhere Löhne und stärkere Arbeitnehmerrechte
- Mehr öffentliche Kontrolle wichtiger Bereiche der Daseinsvorsorge
- Schaffung gut bezahlter Arbeitsplätze
- Stärkung tarifgebundener Unternehmen
- Förderung von Innovation und Forschung
- Deutlicher Bürokratieabbau
- Digitalisierung von Verwaltung und Wirtschaft
- Förderung privater Investitionen
- Ausbau erneuerbarer Energien
- Förderung klimaneutraler Industrie
- Unterstützung nachhaltiger Landwirtschaft
- Niedrigere Energiekosten, die Abschaffung der CO2-Abgabe sowie eine Senkung von Energiesteuern
- Gasleitung Nord Stream sowie die Ölpipeline Druschba wieder für russische Energieimporte zu nutzen
- Industrie- und Chemiestandorte sichern
In ihrem Wahlprogramm für Sachsen-Anhalt kündigt die AfD eine "Abschiebe- und Remigrationsoffensive" an. Viele Migranten machen sich Sorgen um ihre Zukunft im Bundesland.
11.07.2026 | 5:07 minRekrutierung neu gedacht
Auf der anderen Seite ist Zuwanderung - ob sie nun funktioniert oder nicht - keine alleinige Lösung für den Fachkräftemangel in Sachsen-Anhalt. Es müssen neue Wege gegangen werden.
Bianca Fosticz ist seit einem Jahr Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Post und Energie in Magdeburg. Rund 3.000 Wohnungen sind zu verwalten und instand zu halten. Gerade im Baubereich fehlen Fachkräfte. Anzeigen in Zeitungen oder Personalvermittler helfen da nicht weiter.
Sie stellt fest, es funktioniere am besten immer dann, wenn es persönlich wird.
Wenn wir also tatsächlich über unsere eigene Internetseite vom Arbeitnehmer, von der Fachkraft aufgefunden werden oder wenn wir über Social Media eine persönliche Ansprache machen. Da waren wir auch schon sehr erfolgreich.
Bianca Fosticz, Vorstand Wohnungsgenossenschaft "Post Und Energie" Magdeburg
Ein Bauleiter und eine Werksstudentin konnten so vor kurzem für die Genossenschaft gewonnen werden.
Andreas Weise arbeitet im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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