AfD-Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt?:Wagenknecht "will damit die Schlagzeilen bestimmen"
von Dominik Rzepka
Könnte Sahra Wagenknecht einem AfD-Ministerpräsidenten zur Macht verhelfen? Hinter der Schlagzeile steckt der Kampf um Aufmerksamkeit. Sie selbst weist den PR-Vorwurf zurück.
Einen Monat vor der Landtagswahl befinden sich SPD, FDP, Grüne und BSW im Existenzkampf. Ihr Ergebnis ist entscheidend für die künftigen Machtverhältnisse in Sachsen-Anhalt.
10.08.2026 | 3:00 minEines ist Sahra Wagenknecht gelungen: Knapp vier Wochen vor der möglicherweise historischen Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bestimmt sie zumindest kurzfristig die Schlagzeilen.
Sollte das BSW in den Magdeburger Landtag einziehen, könnte sich ihre Partei im dritten und möglicherweise entscheidenden Wahlgang enthalten, sagt Wagenknecht ZDFheute. Das könnte den Weg freimachen für Ulrich Siegmund als Nachfolger von Ministerpräsident Sven Schulze (CDU).
Der erste AfD-Regierungschef in Deutschland? Von Wagenknechts Gnaden?
Am 6. September wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Die AfD führt in Umfragen. CDU-Ministerpräsident Schulze holt sich im Wahlkampf Unterstützung von Schauspieler Dieter Hallervorden.
07.08.2026 | 2:12 minEs geht um mediale Aufmerksamkeit
Es ist Wagenknechts Markenkern und Selbstverständnis, Zünglein an der Waage zu sein, sagt ZDF-Korrespondentin Andrea Maurer, die Wagenknecht schon lange begleitet. "Es geht und ging Wagenknecht nie ums Regieren selbst als vielmehr darum, das Regieren der anderen zu stören", sagt sie.
Darin liegt eine destruktive Kraft, die sich durch ihre gesamte politische Karriere zieht.
Andrea Maurer, ZDF-Korrespondentin
Nachdem das BSW den Einzug in den Bundestag knapp verpasst hat und sich eigentlich eher in Auflösung befindet, hat es jetzt in Sachsen-Anhalt ein kurzes Momentum, in dem Wagenknecht mediale Aufmerksamkeit bekommt, so Maurer. Nicht für ihr politisches Programm, sondern für einen möglicherweise historischen Tabubruch.
Aus dem Archiv: Der erste Teil der ZDF-Doku "Inside Bündnis Wagenknecht".
09.10.2024 | 35:29 minWagenknecht weist PR-Vorwurf zurück
Politikwissenschaftlerin Andrea Römmele sagt, Wagenknecht sei populistisch. Es gehe ihr vor allem um sich selbst und sie wolle eine Machtoption aufzeigen:
Hinter dem Vorstoß steckt viel PR, denn sie will damit die Schlagzeilen bestimmen.
Andrea Römmele, Hertie School
Wagenknecht selbst weist diesen Vorwurf zurück. Es gehe nicht um PR, sagt sie ZDFheute. Schließlich seien die Zahlen eindeutig. Die AfD habe am Ende bei Wahlen immer etwas schwächer abgeschnitten als in den Umfragen.
Wenn wir einziehen, ist Schulze weg und danach sehr wahrscheinlich auch Friedrich Merz.
Sahra Wagenknecht, BSW-Gründerin
Christiane Hübscher und Andrea Maurer haben Sahra Wagenknecht und ihre neue Partei für ihre 5-teilige Doku-Serie "Inside Bündnis Wagenknecht" über ein Jahr begleitet.
28.09.2024 | 12:42 minBSW kämpft mit der Fünf-Prozent-Hürde
Fakt ist: Das BSW kämpft ums Überleben. Noch ist nicht ausgemacht, ob die Partei in Sachsen-Anhalt die Fünf-Prozent-Hürde schafft. Und so ist durchaus denkbar, dass Wagenknecht mit ihrem Vorstoß auch auf AfD-Wähler zielt, die strategisch wählen.
Denn ob es für eine AfD-Alleinregierung reicht, ist unklar. Zieht aber das BSW in den Landtag ein und enthalten sich ihre Abgeordneten im dritten Wahlgang, könnte der AfD-Kandidat Ministerpräsident werden.
Am Schluss könnten wenige hundert, vielleicht tausend Stimmen dafür den Ausschlag geben.
Andrea Römmele, Hertie School
Laut dem Oberverwaltungsgericht des Landes Sachsen-Anhalt könnten Mitglieder der AfD ihre waffenrechtliche Erlaubnis verlieren.
11.08.2026 | 1:54 minWas Wagenknecht mit der AfD verbindet
Laut Andrea Maurer hat Wagenknecht erkennbar keine Berührungsängste mit der AfD. "Sie erkennt in der Partei die politischen Außenseiter, als die sie sich auch selbst sieht", sagt sie. Wagenknecht gefalle, dass die AfD Mehrheits- und Machtverhältnisse erschüttere.
Radikalität und Populismus gehören auch bei Sahra Wagenknecht zum Programm.
Andrea Maurer, ZDF-Korrespondentin
Deshalb erstaune es auch nicht, dass Wagenknecht lieber einem AfD-Ministerpräsidenten zur Macht verhelfen würde als einem Ministerpräsidenten der CDU. Maurers Fazit:
Die Zerstörung oder Spaltung der CDU, die der AfD als Ziel unterstellt wird, scheint auch ihr als Ziel nicht fremd.
Andrea Maurer, ZDF-Korrespondentin
Wagenknechts Strategie setzt auf AfD-Wähler
Bei ihrem Werben um AfD-Wähler geht Wagenknecht nun mit einer Doppel-Strategie vor, analysiert Maurer:
- Das Versprechen, einem AfD-Ministerpräsidenten zur Macht zu verhelfen und
- Das Versprechen, die AfD am Ende quasi zur Macht zu zwingen.
Wagenknecht spricht davon, dass "die AfD offenbar inzwischen selbst Angst vor einer Entzauberung im Falle einer Regierungsübernahme" bekomme: "Dass Siegmund neuerdings gar nicht mehr mit relativer Mehrheit Ministerpräsident werden will, heißt für die Wähler: Wer Siegmund wählt, kann mit CDU-Schulze aufwachen", sagt sie ZDFheute.
Wagenknechts Wahlkampfstrategie setzt also voll auf die Wähler in Sachsen-Anhalt, die einen Regierungswechsel hin zur AfD wollen.
Vor Landtagswahl in Sachsen-Anhalt:Wagenknecht: BSW könnte AfD-Ministerpräsidenten ermöglichen
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