Dobrindts Offensive gegen Schattenkrieg:Neues Drohnenzentrum: Gamechanger oder Doppelstruktur?
von Mathis Feldhoff
Der Vorfall auf dem Flughafen Leipzig offenbart, welche Schwächen die deutsche Drohnenabwehr noch hat. Innenminister Dobrindt eröffnet ein neues Forschungszentrum - und mahnt.
Die Bundesregierung hat heute in Sachsen-Anhalt ein neues Forschungszentrum eröffnet.
18.08.2026 | 1:37 minDie Worte des Bundesinnenministers können kaum alarmierender klingen. "Die hybriden Angriffe, sie sollen uns politisch und gesellschaftlich bezwingen. Das ist die Idee an dieser Stelle: hybride Bedrohungen als Erosionstreiber des Staatsvertrauens", so Alexander Dobrindt am Dienstagmorgen auf dem Flughafen Magdeburg-Cochstedt.
Seit heute betreibt dort sein Ministerium gemeinsam mit dem Forschungsministerium und dem Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ein neues Innovationszentrum zur Drohnenabwehr.
Am Flughafen Magdeburg-Cochstedt wird ein Forschungszentrum zur Drohnenabwehr eröffnet.
18.08.2026 | 0:22 minDer Drohnenvorfall auf dem Leipziger Flughafen, bei dem vor zwei Wochen eine Sprengstoffattacke auf ukrainische Transportmaschinen nur knapp gescheitert war, hat in den Berliner Ministerien hektische Betriebsamkeit ausgelöst. "Wir setzen etwas dagegen", so Dobrindt. "Wir haben noch mal sehr deutlich vor Augen geführt bekommen, welche perfide Idee eigentlich dahintersteht."
Das, was wir heute erleben, ist der Schattenkrieg des 21. Jahrhunderts.
Alexander Dobrindt (CSU), Bundesinnenminister
Nach dem jüngsten Vorfall mit einer Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig will Bundesinnenminister Dobrindt die deutsche Drohnenabwehr massiv ausbauen.
13.08.2026 | 1:28 minEin ständiger Wettbewerb zwischen Gut und Böse
Bis zu zehn Millionen Euro sollen in den nächsten Jahren in die Drohnen-Detektions- und Abwehrforschung fließen. 40 neue, hochqualifizierte Arbeitsplätze sollen entstehen. Cochstedt soll, so Minister Dobrindt, zu einem "zentralen Baustein der Sicherheitsarchitektur" werden.
Ein hehres Ziel, das der für die öffentliche Sicherheit zuständige Minister da postuliert. Dobrindt ist sich sehr bewusst, dass es einen ständigen Wettbewerb gibt. Zwischen denjenigen, die Drohnen für Attacken einsetzen, und denjenigen, die sie abwehren wollen - zwischen Gut und Böse. Und dass die Abwehr bisher hinterherhinkt.
Diese Lücke will er nun schließen - soweit das möglich ist. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär, in deren Geschäftsbereich die DLR fällt, ergänzt: "Wir müssen alle gemeinsam anpacken, die Bundesregierung, zusammen mit den Ländern, Wissenschaft, Wirtschaft sowie Sicherheitsbehörden und öffentlicher Verwaltung."
"Wir brauchen jetzt schnell viele Systeme", warnt Expertin Ulrike Franke. Doch 42 Luftsicherheitsbehörden und unklare Zuständigkeiten erschweren eine wirksame Drohnenabwehr.
18.08.2026 | 2:02 minAbwehr: Mehr Nebeneinander als Miteinander
Was theoretisch nach einem gemeinsamen Ansatz klingt, ist in der Praxis oft noch ziemlich holperig. Oft sind es parallele Strukturen, statt gemeinsamer Initiativen. So haben die beiden großen Player in der Sicherheitsarchitektur, das Verteidigungsministerium sowie das Innenministerium, mit dem heutigen Tag zwei Forschungsstandorte, in denen Drohnenforschung ganz oben steht.
Das Ministerium von Boris Pistorius hatte schon im Februar ein eigenes Entwicklungszentrum im bayerischen Erding eröffnet. Es gibt, so scheint es, nicht nur einen Wettbewerb zwischen Gut und Böse, sondern auch einen zwischen verschiedenen Bundesministerien.
"Es fehlt noch eine gemeinsame, komplett integrierte Drohnenabwehrstrategie", sagt Andy Grote, SPD, Vorsitzender der Innenministerkonferenz.
18.08.2026 | 5:45 minExperte: Sachen erforscht, für die es schon Lösungen gibt
Für Kenner der Szene ein langbekannter Missstand. Kevin Heneka, der mit seiner Firma Hensec seit Jahren erfolgreich Drohnen-Detektion, also Überwachung und Identifizierung von Drohnen, an großen Industriestandorten etwa der Chemieindustrie, installiert, ist das Problem nicht die Forschung.
Es sei die Kommunikation unter den verschiedenen Beteiligten aus den Sicherheitsbehörden und der Wirtschaft, die mangelhaft ist. "Die Kompetenz ist definitiv da in Deutschland.", so Heneka. Aber:
Die Kommunikation der einzelnen Betreiber und Institutionen untereinander ist absolut verbesserungsbedürftig.
Kevin Heneka, Hensec
"Zum Teil werden Sachen erforscht, für die es schon fertige Lösungen seit Jahren gibt, die einfach nicht bekannt sind." Die rechte und die linke Hand wüssten oft nicht voneinander, so der Hensec-Geschäftsführer. Organisatorische Strukturen, die diese Kommunikation herstellen könnten, gibt es bisher nicht.
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