Kanzler-Befragung im Bundestag:Merz: "Explodierende Gewalt" - auch von Zuwanderern
Zum ersten Mal in diesem Jahr hat sich der Kanzler bei der Regierungsbefragung den Fragen der Abgeordneten gestellt. Dabei ging es auch um Gewaltkriminalität - und Zuwanderung.
Im Bundestag stellte sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) den Fragen der Abgeordneten.
25.03.2026 | 71:50 minBundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat einen Zusammenhang zwischen der Zuwanderung von Menschen aus dem Ausland und der steigenden Gewaltkriminalität in Deutschland hergestellt. "Wir haben eine explodierende Gewalt in unserer Gesellschaft, und zwar im analogen wie im digitalen Raum", sagte Merz in der Regierungsbefragung im Bundestag.
Und dann müssen wir auch ansprechen, dass ein beachtlicher Teil dieser Gewalt aus den Gruppen der Zuwanderer in die Bundesrepublik Deutschland kommt.
Friedrich Merz, Bundeskanzler
Dieser Hinweis gehöre "zur Vollständigkeit des Bildes dazu", betonte der Kanzler. Damit wolle er "das Problem keinesfalls relativieren", sagte Merz begleitet von empörten Zwischenrufen aus dem Plenum. Merz' Äußerungen erfolgten in Erwiderung der Frage einer Abgeordneten nach den Vorhaben der Regierung gegen digitale Gewalt.
Mehrere tausend Menschen haben vor wenigen Tagen in Berlin gegen sexualisierte digitale Gewalt demonstriert. Am Brandenburger Tor forderten sie mehr Schutz für Betroffene und strengere Gesetze.
23.03.2026 | 2:53 minMerz erwartet Kabinettsbeschluss zu IP-Adressen
Den Vorwurf, dass er sich selbst zum Thema digitale Gewalt nicht äußere, wies Merz zurück. Er wolle "festhalten, dass nicht nur die Frauen in diesem Land über dieses Thema diskutieren und sprechen, sondern auch viele Männer - und ich gehöre dazu".
Merz verwies auf Gesetzesvorhaben seiner Regierung in diesem Bereich. So habe das Kabinett bereits eine Regelung zur elektronischen Aufenthaltsüberwachung, der sogenannten elektronischen Fußfessel, auf den Weg gebracht. Zudem sei ein Gesetz zur Speicherung von IP-Adressen in Vorbereitung, um die Strafverfolgung von Kriminellen im digitalen Raum zu erleichtern.
Auswirkungen des Iran-Kriegs: Merz offen für weitere Maßnahmen
Mit Blick auf die Auswirkungen des Iran-Kriegs stellte der Kanzler bei der Regierungsbefragung außerdem weitere Maßnahmen gegen steigende Energie- und Spritpreise in Aussicht.
Der Krieg im Iran belastet auch die Landwirtschaft, auch bei uns. Ein Großteil des globalen Handels mit dringend benötigtem Dünger geht durch die Straße von Hormus – diese bleibt weiter gesperrt.
24.03.2026 | 1:31 minEin erstes Paket, das unter anderem Regelungen zur Preisfestsetzung an Tankstellen umfasst, könne noch in dieser Woche in Bundestag und Bundesrat beschlossen werden, sagte Merz. Dieses werde jedoch "nicht ausreichen, um die Preise so zu dämpfen, dass sie wieder verträglich werden für die Verbraucherinnen und Verbraucher".
Und deswegen sind durchaus weitere Maßnahmen denkbar.
Friedrich Merz, Bundeskanzler
Eine Übergewinnsteuer zur Abschöpfung von Konzerngewinnen sieht Merz jedoch skeptisch. "Wir können nicht jede Preisentwicklung durch steuerliche Maßnahmen oder durch Maßnahmen aus dem Bundeshaushalt heraus ausgleichen."
Der Krieg in Nahost hat deutliche Auswirkungen auf die Energie- und Treibstoffpreise in Europa. Wie gehen Italien, Österreich und Großbritannien damit um?
23.03.2026 | 3:26 minKanzler verteidigt Verwendung des Sondervermögens
Zugleich verteidigte der Kanzler die Verwendung des milliardenschweren Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaneutralität. Kritik von Wirtschaftsforschungsinstituten wies er zurück. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln und dem Münchner Ifo-Institut werden große Teile der Mittel zweckentfremdet.
Er lese diese Berichte, sagte Merz, zeigte sich aber gelassen mit Blick auf mögliche Klagen.
Merz verteidigt Streichung von Mitteln für Demokratieförderung
Mögliche Kürzungen bei der Förderung bestimmter zivilgesellschaftlicher Organisationen durch den Bund begrüßte der Kanzler. "Ja, wir überprüfen diese Programme, und sie werden jetzt wirklich konzentriert auf diejenigen, die sich für unsere Demokratie, für unser Land einsetzen", sagte Merz. Gefragt worden war er besonders nach dem umstrittenen Umbau des Programms "Demokratie leben".
Unter Kulturstaatsminister Weimer geriet die Kulturszene zuletzt in Aufruhr.
18.03.2026 | 2:48 minMerz antwortete, er sei Familienministerin Karin Prien (CDU) "außerordentlich dankbar" für die vorgeschlagene Konzentration. Und an die Linken-Abgeordnete Mandy Eißing gewandt, die die Frage gestellt hatte:
Dass dabei die eine oder andere Organisation, die Ihnen nahesteht, vielleicht nicht mehr ganz so bedacht wird wie in früheren Jahren, ja, ist ein erwünschtes Ergebnis.
Friedrich Merz, Bundeskanzler
Das 2015 gestartete Bundesprogramm "Demokratie leben" verfolgt das Ziel, zivilgesellschaftliches Engagement zu stärken und für ein vielfältiges und demokratisches Miteinander zu sorgen. Teil des Auftrags ist auch die Arbeit gegen Radikalisierung und Polarisierung in der Gesellschaft. Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) hatte am Wochenende angekündigt, sie wolle "Demokratie leben" neu aufstellen, um eine höhere Effizienz beim Einsatz der Fördersumme von derzeit 191 Millionen Euro im Jahr zu erreichen.
Mehr zu Friedrich Merz
- Analyse
Wahl in Rheinland-Pfalz:Dieses SPD-Debakel könnte Merz Probleme machen
von Johannes Lieber - Analyse
Bundestag debattiert Weimers Politik:Der Kulturstaatsminister hört die Kritik. Und schweigt.
von Henriette de Maizière und Andrea Maurermit Video75:05 Blockade des Ukraine-Kredits:Merz wirft Orban Illoyalität vor - Konsequenzen angekündigt
mit Video0:25- Analyse