Merz' Regierungserklärung:Krisen als europäische Chance
von Dorthe Ferber
Das Verhältnis zu den USA, der Krieg gegen Iran: Bundeskanzler Merz sieht in seiner Regierungserklärung zum Europäischen Rat auch Chancen in den internationalen Krisen.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) geht in seiner Regierungserklärung unter anderem auf den Iran-Krieg ein. Sehen Sie seine Rede hier in voller Länge.
18.03.2026 | 30:36 minBevor Friedrich Merz nach Brüssel aufbricht, geht der Kanzler an diesem Nachmittag ans Rednerpult im Bundestag. Seine Botschaft: Mehr europäisches Selbstbewusstsein in einer Welt der großen Mächte.
Ein vereintes Europa sei "die einzige Garantie und die wichtigste Garantie, die wir für unsere Zukunft haben". Die Europäer müssten geschlossen und zielstrebig handeln.
Merz verweist auf europäisches Machtpotenzial - in einer Zeit, in der die USA nicht mehr als verlässlicher europäischer Partner gelten. Europa hat 450 Millionen Einwohner, 100 Millionen mehr als die USA, sagt Merz.
Wir wollen uns nicht länger unter Wert verkaufen.
Friedrich Merz, CDU
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hält eine Regierungserklärung zum EU-Gipfel. Ein Thema: Der Iran-Krieg. Sehen Sie hier auch die anschließende Debatte im Bundestag.
18.03.2026 | 86:58 minSkepsis gegenüber Trumps Iran-Kurs
Skeptisch äußert sich Merz zum Krieg der USA gegen Iran. Zwar betont der Kanzler, dass man die transatlantische Partnerschaft brauche und der Krieg nicht zu einer Belastung werden solle, aber:
Wir hätten abgeraten, diesen Weg so zu gehen, wie er gegenwärtig gegangen ist.
Friedrich Merz, CDU
Allerdings habe Washington "uns nicht zu Rate gezogen und die europäische Hilfe nicht für notwendig erklärt". Merz ist deutlich kritischer als bei seinem Besuch in Washington vor gut zwei Wochen.
Hatte der Kanzler da noch gesagt, er wolle die USA in dieser Frage nicht belehren, so betont Merz jetzt, dass es bis heute kein überzeugendes Konzept gebe, wie diese Operation gelingen könne. Er habe "unverändert viele Fragen zu diesen Krieg".
Bundeskanzler Friedrich Merz übt in seiner Regierungserklärung deutliche Kritik an dem Angriff der USA auf den Iran und betont die Bedeutung eines vereinten Europas.
18.03.2026 | 1:59 minStreitpunkt: Straße von Hormus
Eine Abfuhr erteilt der Kanzler dem amerikanischen Präsidenten bei der Forderung, die strategisch wichtige Meerenge von Hormus zu sichern. "Wir dürfen und wir werden uns auch nicht scheuen, unseren Partnern ehrlich zu sagen, wo wir Dinge anders sehen und wo wir andere Interessen haben", so Merz.
Das muss eine solche Partnerschaft aushalten, sonst ist es keine Partnerschaft.
Friedrich Merz, CDU
Solange der Krieg andauere, werde sich Deutschland nicht daran beteiligen, in der Straße von Hormus etwa mit militärischen Mitteln freie Schifffahrt zu gewährleisten. Wenn nicht mehr gekämpft werde, könne sich das allerdings ändern:
Wir werden eingreifen, wo wir es aus nationaler Kompetenz heraus können und Handlungsspielräume sehen.
Friedrich Merz, CDU
Nico Lange, Sicherheitsexperte der Münchner Sicherheitskonferenz, hält eine mögliche Einmischung Deutschlands in den Iran-Konflikt für "richtig und geostrategisch wichtig".
18.03.2026 | 6:18 minEU: Merz gegen Überregulierung
Immer wieder kommt Merz auf die "Handlungsspielräume" zu sprechen. Er ruft die EU zu Wirtschaftsreformen auf. Bestehende Gesetze müssten vereinfacht, Überregulierung zurückgefahren werden.
Merz will eine strategische Unabhängigkeit Europas auch durch mehr Freiräume bei der Anwendung von Künstlicher Intelligenz und mehr Impulse für Wachstum.
"Deutschlands Sicherheit wird weder am Hindukusch verteidigt noch an der Straße von Hormus", sagt AfD-Fraktionschef Tino Chrupalla während der Debatte im Bundestag.
18.03.2026 | 6:40 minOpposition greift Merz scharf an
Kein Wort verliert Merz über einen Handlungsspielraum seiner eigenen Regierung: das 500 Milliarden schwere Infrastruktur-Sondervermögen, das der Bundestag genau vor einem Jahr verabschiedet hatte.
Die Opposition hingegen schon. AfD-Fraktionschef Tino Chrupalla kritisiert, die "Sonderschulden" belasteten Kinder und Enkel. Erst am Dienstag hatten zwei Wirtschaftsinstitute bemängelt, dass ein Großteil der Mittel zweckentfremdet und damit Haushaltslöcher gestopft würden.
Die Grünen hatten vor einem Jahr mit für das Sondervermögen Infrastruktur gestimmt. Jetzt ist Fraktionschefin Katharina Dröge verärgert, dass Merz "die große Chance seiner Kanzlerschaft" nicht genutzt habe:
Sie haben diese Chance verzockt.
Katharina Dröge, Grüne
Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge antwortet auf die Regierungserklärung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).
18.03.2026 | 9:17 minMehr aus dem Bundestag
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