Kulturstaatsminister Weimer: Scharfe Kritik in Bundestags-Debatte

Analyse

Bundestag debattiert Weimers Politik:Der Kulturstaatsminister hört die Kritik. Und schweigt.

von Henriette de Maizière und Andrea Maurer

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Wolfram Weimer ist inzwischen die wohl umstrittenste Personalie im Kabinett Merz. Im Bundestag wurde der Kulturstaatsminister nun scharf angegriffen, er selbst äußerte sich nicht.

Wolfram Weimer (Parteilos), Staatsminister für Kultur und Medien, bei der Sitzung des Deutschen Bundestages am 20.03.2026.

Sehen Sie die Aktuelle Stunde im Bundestag hier in voller Länge.

20.03.2026 | 75:05 min

Wolfram Weimer sitzt schon auf der Regierungsbank, lange bevor die Debatte beginnt. Er hätte in dieser aktuellen Stunde das Wort ergreifen können, im Bundestag, Parlament und Öffentlichkeit seine Position in der so genannten Buchhandlungspreis-Affäre erklären können. Tut er aber nicht.

Stattdessen hört er eine Stunde zu, wie die Union ihn verteidigt, wie die Linken seinen Rücktritt fordern, die Grünen ihm ein falsches Amtsverständnis vorwerfen, die AfD noch weitere Buchhandlungen auf mutmaßlichen Linksextremismus überprüfen lassen will.

Und wie ein Abgeordneter der SPD die vielleicht weitreichendste Kritik äußert: Selbst die "Anfangsverdachtsmomente", die Weimer dazu gebracht hätten, drei Buchhandlungen beim Bundesinnenministerium verfassungsrechtlich prüfen zu lassen, wolle der nicht öffentlich machen.

Wolfram Weimer (parteilos), Staatsminister für Kultur und Medien, spricht im Gewandhaus in Leipzig.

Beim Festakt zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse gab es in dieser Woche Buhrufe gegen Kulturstaatsminister Weimer.

19.03.2026 | 0:54 min

Deutliche Worte aus den Reihen der SPD

Überhaupt ist die Rede des SPD-Abgeordneten Holger Mann sehr deutlich, dafür dass sie aus den Reihen des Koalitionspartners kommt. "Wir reden hier von drei beliebten Buchhandlungen", betont Mann, alle seien bereits ausgezeichnet worden.

Und diese Buchhandlungen sollen sich jetzt zur Bedrohung für die verfassungsmäßige Ordnung entwickelt haben? Unbemerkt von Kundinnen, Passanten, Öffentlichkeit und Justiz? Wirklich?

Holger Mann, SPD

Mann zieht auch indirekt in Zweifel, dass das Bundesministerium für Kultur und Medien anlasslos gefragt habe:

Nach Auskunft vom BKM (Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, Anm. der Redaktion) fragt man drei von 118 Nominierten ab und… krass, gleich drei von drei Treffern versenkt. Was für eine Quote.

Holger Mann, SPD

Davon könne selbst das Bundesinnenministerium "nur träumen", sagt der SPD-Abgeordnete und ergänzt: "Zufall? Wohl kaum."

Teilnehmer einer Kundgebung des Leipziger Aktionsbündnis "„Leipzig nimmt Platz“" protestieren vor Beginn des Festakts zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse vor dem Gewandhaus in Leipzig. Die Demonstration richtet sich gegen die jüngsten Entscheidungen des Kulturstaatsministers Weimer. Hintergrund ist Weimers Entscheidung, drei linke Buchläden von der Nominierungsliste für den Deutschen Buchhandlungspreises zu streichen.

Im Kulturausschuss hat Weimer den Ausschluss dreier linker Buchläden mit Hinweisen des Verfassungsschutzes begründet. Opposition und Kulturszene sprechen von Einschüchterung.

18.03.2026 | 2:48 min

Rücktrittsforderung von den Linken

Auch die Linke, die die Aktuelle Stunde als Oppositionspartei beantragt hat, wirft Wolfram Weimer vor, er habe bislang keinerlei Belege für seine Behauptung geliefert, die drei von ihm vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossenen Buchhandlungen seien 'politische Extremisten'.

Der linke Fraktionschef Sören Pellmann kritisiert Weimer dafür, auch das Bundestagsplenum nicht für weitere Erklärungen oder Selbstkritik zu nutzen. Seine Rede schließt er mit den Worten:

Herr Weimer, nehmen Sie Ihren Hut, treten Sie zurück. Liebe Bundesregierung, tut er’s nicht: Entlassen Sie ihn.

Sören Pellmann, Die Linke

Die Union verteidigt Weimer

Die Unions-Abgeordneten wiederum springen dem parteilosen Kulturstaatsminister zur Seite. "Wenn es um Steuergelder geht, geht es nicht um Zensur", sagt Michael Friese (CSU), und weiter: "Kein Preis für Extremisten." Auch die Abgeordnete Ottilie Klein (CDU) verteidigt Weimer:

Es muss doch Konsens sein in diesem Haus, dass der Staat alles tun muss, um zu verhindern, dass mit Steuergeldern Extremismus unterstützt wird.

Ottilie Klein, CDU

Das gelte für "Linksextremismus, Rechtsextremismus und Islamismus gleichermaßen", betont Klein.

Buchhandlungspreis 2026 abgesagt

Nach Streit um die Streichung von drei nominierten Buchläden hatte Kulturstaatsminister Weimer die Preisverleihung des Buchhandlungspreises abgesagt.

10.03.2026 | 1:49 min

Die AfD will Buchhandlungen gar nicht mehr fördern

Die AfD wiederum treibt die Debatte noch weiter und stellt die Frage, warum Buchhandlungen überhaupt mit Steuermitteln gefördert werden sollten. Die Partei jedenfalls findet den Ausschluss der drei Buchhandlungen berechtigt, ihr Abgeordneter Götz Frömming fragt:

Warum sollte der Beauftragte für Kultur und Medien Buchhandlungen mit Steuergeldern prämieren, an deren Fassade die Parole 'Deutschland verrecke bitte' oder 'Heimat ist Aufruf zum Mord' geschrieben steht?

Götz Frömming, AfD

Ginge es nach der AfD, müssten noch mehr Buchhandlungen überprüft werden.

Personalie Weimer eng mit dem Kanzler verbunden

Die Grünen wollen die Personalie Wolfram Weimer eng mit dem Kanzler verbunden sehen, der ihn schon lange kennt und ihn ins Amt gebracht hat:

Was sagt es eigentlich über die Personalentscheidung eines Kanzlers aus, wenn ein Kulturstaatsminister, den er benannt hat, binnen kürzester Zeit jegliches Vertrauen aus der Kulturszene verspielt hat?

Misbah Khan, B'90/ Die Grünen

Auch nach den Führungsqualitäten des Kanzlers müsse man fragen, sagt Misbah Khan (Grüne).

Zu erkennen ist Weimer wie er in die Kamera schaut

Bereits im November stand Weimer als damaliger Anteilseigner der Weimer-Media-Group wegen möglicher Interessenkonflikte in der Kritik. Weimer trennte sich in der Folge von seinen Anteilen.

23.11.2025 | 4:06 min

Kritik auch vom Deutschen Kulturrat

Das sieht auch der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates Olaf Zimmermann so, den ZDFheute auf der Buchmesse in Leipzig erreicht:

Er ist nicht einfach so Kulturstaatsminister geworden, das ist eine Entscheidung des Kanzlers gewesen. Es ist eine Antwort auf eine angeblich linke Kulturlandschaft.

Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates

Zimmermann hat die Aktuelle Stunde im Fernsehen verfolgt. Auch er bedauert gegenüber ZDFheute, dass Weimer nicht die Gelegenheit ergriffen hat, selbst Stellung zu beziehen: "Er hätte erklären müssen, was den nicht ausgezeichneten Buchhandlungen eigentlich konkret vorgeworfen wird", so Zimmermann.

Dass der Preis und die Bundeskulturförderung jetzt als Ganzes in Frage gestellt werden, ist der schwerwiegende Kollateralschaden der von Kulturstaatsminister Weimer zu verantwortenden Krise.

Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates

Henriette de Maizière und Andrea Maurer berichten aus dem ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin.

Über dieses Thema berichtete phoenix vor ort am 20.03.2026 ab 13:35 Uhr.

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