Leipziger Buchmesse beginnt im Schatten politischer Debatten

Festakt in Leipzig:Buhrufe für Weimer bei Buchmesse-Eröffnung

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Schwacher Buchmarkt, abgesagte Preisverleihung und Streit um Kulturpolitik: Die Leipziger Buchmesse startet in schwierigen Zeiten. Zum Festakt gab es Buhrufe für Wolfram Weimer.

Teilnehmer einer Kundgebung des Leipziger Aktionsbündnis "„Leipzig nimmt Platz“" protestieren vor Beginn des Festakts zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse vor dem Gewandhaus in Leipzig. Die Demonstration richtet sich gegen die jüngsten Entscheidungen des Kulturstaatsministers Weimer. Hintergrund ist Weimers Entscheidung, drei linke Buchläden von der Nominierungsliste für den Deutschen Buchhandlungspreises zu streichen.

Weimer verteidigt im Kulturausschuss den Ausschluss dreier linker Buchläden mit Hinweisen des Verfassungsschutzes. Opposition und Kulturszene sprechen von Einschüchterung.

18.03.2026 | 2:48 min

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer ist beim Festakt zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse von Teilen des Publikums ausgebuht worden. Seine Rede im Gewandhaus in Leipzig wurde zudem immer wieder von Zwischenrufen unterbrochen. Die Kritik an Weimer richtet sich vor allem gegen seine Entscheidung, drei linke Buchläden wegen "verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse" von der Nominierungsliste für den Deutschen Buchhandelspreis zu streichen.

Weimer verteidigt Vorgehen: "Leidenschaftlich" für Meinungsfreiheit gekämpft

Weimer verteidigte sein Vorgehen beim Buchhandelspreis:

Ich selber habe für die Meinungsfreiheit als Journalist und Verleger mein halbes Leben lang leidenschaftlich gekämpft. Immer wieder und gerade gegen den übergriffigen Staat.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer

"Die Kategorie der Freiheit und die Kategorie der Förderung aber sind zwei ganz unterschiedliche Dinge. Damit es ganz klar ist", sagte Weimer.

Wenn es um eine aktive Förderung mit Steuergeld gehe, habe der Staat eine Sorgfaltspflicht. "Wenn der Verfassungsschutz Erkenntnisse hat, wonach gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung verstoßen wird, muss der Staat dann fördern?", fragte Weimer. "Mein Staat sollte alle Extremisten gleichermaßen ablehnen: Rechte, Linke, Islamisten." Weimer schlug vor, den Buchhandelspreis mit dem Börsenverein und anderen Partnern weiterzuentwickeln.

Zu erkennen ist Weimer wie er in die Kamera schaut

Zuletzt stand Weimer auch als Anteilseigner der Weimer-Media-Group in der Kritik.

23.11.2025 | 4:06 min

Leipziger Buchmesse im Schatten von Buchhandelspreis-Debatte

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hatte sich bereits vor dem Festakt erneut kritisch zu den Vorgängen um den Preis geäußert.

"Mit großer Sorge beobachten wir auch die aktuellen kulturpolitischen Entwicklungen", sagte Hauptgeschäftsführer Peter Kraus vom Cleff - und schickte mehrere "Frühjahrswünsche" hinterher: Die 1912 in Leipzig gegründete Deutsche Nationalbibliothek möge ihren dringend nötigen fünften Erweiterungsbau bekommen und alle 118 von der Jury ausgewählten Buchhandlungen sollten den Buchhandelspreis erhalten, "sei es nach einem Gerichtsverfahren oder durch Einsicht".

Buchhandlungspreis 2026 abgesagt

Nach Streit um die Streichung von drei nominierten Buchläden sagt Kulturstaatsminister Weimer die Preisverleihung ab. Er hält eine angemessene Würdigung der Gewinner nicht für möglich.

10.03.2026 | 1:49 min

Anbau der Nationalbibliothek vorerst auf Eis

Vorige Woche hatte die Nationalbibliothek mitgeteilt, dass Weimer ihrem lange geplanten Anbau eine Absage erteilt habe. Am Mittwoch erklärte der Kulturstaatsminister nun, es handele sich lediglich um ein "Moratorium". Es bedeute nicht, dass der Erweiterungsbau gestrichen sei.

Weimer wird im Rahmen der Buchmesse unter anderem am Donnerstagabend in der Nationalbibliothek an einer Podiumsdiskussion zur Meinungsfreiheit teilnehmen. Es sind Proteste angekündigt.

Schwächelnder Buchmarkt beschäftigt die Branche

Die Leipziger Buchmesse steht in diesem Jahr aber nicht nur unter dem Eindruck erhitzter kulturpolitischer Debatten, sondern auch eines schwächelnden Buchmarktes. 2025 war der Buchhandelsumsatz um 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken.

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Vor der Leipziger Buchmesse stellt Peter Twiehaus zwei Autoren vor: Lukas Rietzschel mit "Sanditz" und Nadine Schneider mit "Das gute Leben". Letzteres greift das Fokusthema der Messe auf - die Donau - und rückt ihre Bedeutung in den Mittelpunkt.

18.03.2026 | 3:19 min

"Auch im aktuellen Jahr 2026 erreichen die Umsätze noch nicht das Vorjahresniveau", sagte Kraus vom Cleff vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Das Konsumklima sei sehr schlecht.

Stabile Ausstellerzahlen bei der Buchmesse

Die Leipziger Buchmesse selbst zeigt sich in den bewegten Zeiten robust. Messe-Geschäftsführer Martin Buhl-Wagner sagte, es seien in diesem Jahr 2.044 Aussteller in Leipzig dabei. 2025 waren es 2.040 Aussteller. Sie kommen aus 54 Ländern. Die Ausstellungsfläche sei leicht ausgeweitet worden.

Wachsende Fläche, stabile Ausstellerzahlen - das ist keine Selbstverständlichkeit in einem Markt, der unter Druck steht.

Martin Buhl-Wagner, Messe-Geschäftsführer

Die nach Frankfurt zweitgrößte Buchmesse öffnet von Donnerstag bis Sonntag ihre Pforten für die Besucherinnen und Besucher. Die Veranstalter rechnen mit rund 300.000 Gästen auf der Messe und dem dazugehörigen Lesefestival "Leipzig liest".

Statt eines Gastlandes hat die Messe in diesem Jahr ein sogenanntes Fokusthema ausgewählt: Der Donauraum wird Thema in zahlreichen Buchvorstellungen und Diskussionsrunden sein.

Quelle: dpa
Über dieses Thema berichteten verschiedene Sendungen, unter anderem das heute journal am 18.03.2026 ab 21:45 Uhr.

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