Umgang mit Nahost-Konflikt auf Festival:Tricia Tuttle bleibt Berlinale-Chefin
Berlinale-Chefin Tricia Tuttle bleibt im Amt - allerdings unter neuen Vorgaben. Hintergrund ist eine Debatte um den Umgang mit dem Nahost-Konflikt auf dem Filmfestival.
Tagelang wurde über die Zukunft von Tricia Tuttle diskutiert. Jetzt steht fest, dass sie Berlinale-Chefin bleibt.
Quelle: ImagoTricia Tuttle bleibt Chefin der Berlinale, muss aber Vorgaben akzeptieren. Geplant sind ein "beratendes Forum" sowie die Ausarbeitung eines Verhaltenskodexes für alle Kulturveranstaltungen des Bundes, wie Kulturstaatsminister Wolfram Weimer nach einer Krisensitzung im Kanzleramt mitteilte. Es handele sich um "Empfehlungen" zur Stärkung des Festivals, um es langfristig weiterzuentwickeln und seine gesellschaftliche Akzeptanz sowie die wirtschaftliche Stabilität abzusichern.
Weimer: Tricia Tuttle macht weiter
Die gute Nachricht des heutigen Tages sei, dass man sich mit Tricia Tuttle und mit dem zuständigen Aufsichtsrat der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH (KBB) einig geworden sei, sagte Weimer im Kulturausschuss des Bundestags. "Es gibt die Entscheidung, dass Frau Tuttle weitermacht." Er sei nun guter Hoffnung, dass die Turbulenzen der vergangenen Wochen rund um die Berlinale aufhören und geheilt werden könnten.
Hunderte Filmschaffende hatten sich in einem offenen Brief hinter Berlinale-Intendantin Tuttle gestellt. Sie warnten vor Eingriffen in Freiheit und Unabhängigkeit des Filmfestivals.
26.02.2026 | 0:41 minKritik wegen Umgang mit Nahost-Konflikt auf der Berlinale
Während des Filmfestivals hatte es mehrfach Debatten über den Umgang mit dem Nahost-Konflikt gegeben. So hatte etwa der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib der Bundesregierung auf der Bühne bei der Abschlussgala vorgeworfen, Partner "des Völkermords im Gazastreifen" zu sein. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) verließ daraufhin den Saal und ließ mitteilen, die Aussagen seien nicht akzeptabel.
Israel bestreitet den Völkermord-Vorwurf ebenso wie die Bundesregierung. Weimer und andere verurteilten die Äußerungen des Regisseurs. Tagelang wurde über eine Ablösung oder einen Rückzug Tuttles spekuliert, bis sich die US-Amerikanerin öffentlich festlegte: Sie wolle weitermachen, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Sie hat einen Vertrag bis 2029. Tuttle pochte allerdings auch auf "Unabhängigkeit in der Programmgestaltung und der institutionellen Leitung".
Die internationalen Filmfestspiele in Berlin gingen Mitte Februar zu Ende. Zum Abschluss der 76. Berlinale erhielt "Gelbe Briefe" den Goldenen Bären für den besten Film.
21.02.2026 | 2:31 minSolidarität aus der Kunstszene mit Tuttle
Berichte über Tuttles mögliche Ablösung hatten wütende Reaktionen in der Kulturszene und eine Solidarisierung mit der Intendantin ausgelöst. Zuletzt stärkten laut Medienberichten führende Festival-Direktoren in einer gemeinsamen Erklärung Tuttle den Rücken. "Als Leiter und Verantwortliche von Filmfestivals unterstützen wir Tricia Tuttles Wunsch, weiterhin als Festivaldirektorin der Berlinale tätig zu sein - in vollem Vertrauen und mit institutioneller Unabhängigkeit", heißt es demnach in dem Schreiben, das unter anderem von Thierry Frémaux, Generaldirektor des Filmfestivals von Cannes, unterzeichnet wurde.
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