Kulturstaatsminister Weimer in Kritik:Streit eskaliert: Vergabe des Buchhandlungspreises abgesagt
Nach dem Ausschluss linker Buchläden sagt Kulturstaatsminister Weimer die Verleihung des Buchhandlungspreises ab. Schriftsteller kritisieren, die Meinungsfreiheit nehme Schaden.
Nach Streit um die Streichung von drei nominierten Buchläden sagt Kulturstaatsminister Weimer die Preisverleihung ab. Er hält eine angemessene Würdigung der Gewinner nicht für möglich.
10.03.2026 | 1:49 minKulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) lässt die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises auf der Leipziger Buchmesse absagen. Hintergrund für die Entscheidung sei eine Debatte um die Streichung von drei Juryvorschlägen, teilte ein Sprecher des Beauftragten für Kultur und Medien (BKM) mit. Weimers Entscheidung, drei linke Buchläden von der Liste für den Buchhandlungspreis zu streichen, hatte für massive Kritik gesorgt.
Die Debatte drohe, den eigentlichen Sinn der Verleihung - die Ehrung unabhängiger Buchhandlungen - zu überlagern:
Eine angemessene Würdigung der Preisträgerinnen und Preisträger scheint in einem solchen Kontext kaum noch möglich.
Sprecher des Kulturstaatsministers
Ursprünglich hätte die Verleihung am 19. März im Rahmen der Leipziger Buchmesse stattfinden sollen. Nun würden die ausgewählten Buchhandlungen ihre Urkunden und das Preisgeld auf direktem Wege erhalten, so der Sprecher. Die Hauptpreise sollen in gesonderter Form bekanntgegeben werden.
Regelmäßig ist Cherno Jobatey mit Politikern im Gespräch, um sie in ihrem privaten Umfeld zu zeigen. Dieses Mal ist der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Wolfram Weimer zu Gast.
17.02.2026 | 4:32 minSchriftstellern sehen Meinungsfreiheit bedroht
Zuvor hatte Weimer drei Geschäften aus Berlin, Bremen und Göttingen die Teilnahme wegen Extremismusverdachts verwehrt, was teils auf Kritik gestoßen ist. Im Raum steht der Vorwurf, der Ausschluss der drei Buchhandlungen durch Weimer könnte unter Rückgriff auf ein regierungsinternes Verfahren erfolgt sein, das staatliche Finanzierung mutmaßlich extremistischer Vereinigungen und Veranstaltungen möglichst verhindern soll. Es sieht entsprechende Anfragen von Ministerien beim Bundesverfassungsschutz vor.
Die Schriftstellervereinigung PEN Deutschland erklärte angesichts des Falls, dass Meinungsfreiheit und -vielfalt auch die Freiheit der Buchhändler umfasse.
Wehret den Anfängen - ansonsten werden wir im Handumdrehen "amerikanische" Zustände haben.
Matthias Politycki, Präsident der Schriftstellervereinigung PEN
Vor der Leipziger Buchmesse stellt Peter Twiehaus zwei Autoren vor: Lukas Rietzschel mit „Sanditz“ und Nadine Schneider mit „Das gute Leben“. Letzteres greift das Fokusthema der Messe auf – die Donau – und rückt ihre Bedeutung in den Mittelpunkt.
18.03.2026 | 3:19 minDer Börsenverein des Deutschen Buchhandels forderte anschließend von Weimer und der Bundesregierung eine Offenlegung der Gründe. "Die Kunst- und Meinungsfreiheit sind für die Arbeit der Buchhandlungen und unsere gesamte Gesellschaft von größter Bedeutung", erklärte der Börsenverein.
Weimer verteidigt Streichung linker Buchläden
Weimer selbst verteidigte die Streichung der drei linken Buchläden von der Nominierungsliste des Buchhandlungspreises in den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Mit Blick auf das sogenannte Haber-Verfahren sagte er: "Das Verfahren ist in den vergangenen Jahren hunderte Male von verschiedenen Ministerien des Bundes angewandt worden, übrigens auch von meiner Amtsvorgängerin."
Weimers Vorgängerin war die Grünen-Politikerin Claudia Roth, während deren Amtszeit es um den Verdacht eines rechtsextremen Verlages gegangen sei. "Im Falle des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien ist das Haber-Verfahren natürlich ein seltener Vorgang und wird in Zukunft der absolute Ausnahmefall bleiben", sagte Weimer.
Mit dem Haber-Verfahren ist eine 2004 verfügte und später nach Emily Haber - einer Staatssekretärin im Bundesinnenministerium - benannte Überprüfung staatlich geförderter Projekte durch den Verfassungsschutz gemeint.
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