Filmförderung für Deutschland:Investitionspakt: Bessere Filme, teurere Streaming-Abos?
von Dennis Berger
Die Bundesregierung plant, mit einer Investitionsabgabe für Streamingdienste den deutschen "Filmbooster" zu zünden. Was das für Zuschauer und Abonnenten bedeuten könnte.
Um den Filmstandort Deutschland zu stärken, plant die Bundesregierung eine Investitionspflicht für Netflix und Co. ZDF-Wirtschaftsexpertin Valerie Haller erklärt die Details.
05.02.2026 | 1:31 minDie deutsche Produktion des Klassikers "Im Westen nichts Neues" war bei der Oscar-Verleihung 2023 in neun Kategorien nominiert. Darunter zum ersten Mal überhaupt in der deutschen Filmgeschichte als "Bester Film". Vier Oscars gewann er schließlich, und wurde damit zum internationalen Vorzeigeerfolg für die deutsche Filmindustrie. Der Film entstand aber größtenteils in Tschechien, nicht in Deutschland.
Filmbooster für Deutschland geplant
Das hat offenbar die Politik zum Nachdenken gebracht. Nun will die Bundesregierung mit dem "Filmbooster"-Gesetz den Filmstandort Deutschland stärken: "Mit Investitionspakt und Filmbooster schaffen wir endlich verlässliche, international konkurrenzfähige Rahmenbedingungen", erklärt Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Ziel ist es, mehr Filme und Serien in Deutschland zu produzieren - und das mit Erfolg.
Die Berlinale bleibt ein Filmfestival - doch auch musikalische Größen betreten den roten Teppich. Popstar Charlie XCX und Judas Priests Rob Halford präsentieren ihre filmischen Projekte.
16.02.2026 | 1:54 minZur Finanzierung des "Filmboosters" stellt der Bund jährlich 250 Millionen Euro bereit. Gleichzeitig sollen Streamingdienste und TV-Sender mindestens acht Prozent ihres Jahresumsatzes in deutsche Film- und Serienproduktionen investieren. Die Politik will mitbestimmen, wohin das Geld fließt - etwa in Filme auf Deutsch. Wer mehr als zwölf Prozent investiert, muss weniger Vorgaben erfüllen. Frankreich und andere Länder haben eine ähnliche Abgabe bereits eingeführt.
Streaming-Abgaben im europäischen Vergleich
Um den heimischen Filmmarkt zu schützen, verpflichten viele europäische Staaten Streaming-Anbieter und TV-Sender dazu, einen Teil ihrer lokalen Umsätze wieder in nationale Produktionen zu investieren.
Frankreich (20 bis 25 Prozent): Der europäische Spitzenreiter verpflichtet Plattformen wie Netflix oder Disney+ durch das sogenannte SMAD-Dekret zu Rekord-Investitionen. Davon sind 85 Prozent für französischsprachige Werke reserviert, um die Landessprache und lokale Produzenten gezielt zu schützen.
Italien (17 bis 20 Prozent): Rom setzt auf eine stufenweise Erhöhung der Investitionspflichten. Basierend auf dem TUSMA-Gesetz müssen große Player sowie der staatliche Rundfunk RAI mittlerweile bis zu einem Fünftel ihrer Einnahmen für italienische Produktionen aufwenden.
Spanien (5 Prozent): Das spanische Mediengesetz schreibt vor, dass fünf Prozent der Einnahmen in europäische Werke fließen müssen. Ein Großteil davon ist für unabhängige Produzenten reserviert, wobei Unterquoten zudem die Förderung regionaler Sprachen wie Katalanisch oder Baskisch sichern.
Dänemark (5 Prozent): Kopenhagen nutzt ein zweistufiges Anreizmodell. Zu einer Basisabgabe von zwei Prozent kommt eine Zusatzabgabe von drei Prozent hinzu, falls ein Anbieter nicht ohnehin bereits direkt in dänische Inhalte investiert.
Schweiz (4 Prozent): Seit Anfang 2024 greift die sogenannte „Lex Netflix“. Nach einer Volksabstimmung müssen Streamingdienste nun vier Prozent ihres Schweizer Bruttoumsatzes in das nationale Filmschaffen investieren oder eine entsprechende Ersatzabgabe leisten.
Polen (1,5 Prozent): Als eines der ersten Länder führte Polen eine Streaming-Abgabe ein. Die Abgabe fließt direkt an das Polnische Filminstitut (PISF), um neue lokale Filmprojekte zu finanzieren.
Quellen: SMAD-Dekret, TUSMA, Ley 13/2022, dänisches Medienabkommen, Schweizer Filmgesetz, PISF
Filmförderung in der Kritik
Die Vision: deutsche Filme, die mit Hollywood und Südkorea mit seiner ebenfalls sehr erfolgreichen Filmindustrie konkurrieren können. Aber: Braucht es wirklich mehr Geld, um den deutschen Film zu pushen? Eine der erfolgreichsten deutschen Produktionen ist "Das Leben der Anderen" von Florian Henckel von Donnersmarck. Das Drama um einen Stasi-Agenten gewann 2007 den Oscar als bester fremdsprachiger Film. Dabei entstand der Film als Studentenprojekt - mit kleinem Budget und niedrigen Gagen.
Thorsten Hennig-Thurau, Marketing- und Medienexperte der Uni Münster, sieht den Investitionspakt kritisch. Zwar könnten deutsche Produzenten profitieren, doch ob das auch für die Filme gilt, bleibe fraglich.
Unsere Analysen, gemeinsam mit den Kollegen aus Hamburg, geben keinen Hinweis darauf, dass staatliche Filmförderung Filme besser macht.
Thorsten Hennig-Thurau, Medienwissenschaftler Uni Münster
Die 76. Berlinale hat begonnen, das publikumsstärkste Filmfestival der Welt. Es tummeln sich Stars aus aller Welt in der Hauptstadt - und auch ein Drama aus Deutschland feierte Premiere.
16.02.2026 | 1:30 minSeine Forschung lege nahe, dass die Förderung oft nicht die Filme unterstützt, die das größte Erfolgspotenzial haben. Statt mehr Geld fordert Hennig-Thurau eine grundlegende Reform der Filmförderung - zugunsten der Branche und junger Talente. Er kritisiert den hohen Verwaltungsaufwand und die unklaren Vergabekriterien.
Die Filmförderung ist in erster Linie ganz viel deutsche Verwaltungsarbeit.
Thorsten Hennig-Thurau, Medienwissenschaftler Uni Münster
Es fehle der Filmförderung an klaren und messbaren Kriterien sowohl für die systematische Ermittlung von kommerziell erfolgversprechenden Produktionen als auch von großer Filmkunst, erläutert Hennig-Thurau.
Bei den Internationalen Filmfestspielen dürfen Kinofans und Stars sich auf Filmhighlights und Überraschungen freuen.
11.02.2026 | 2:36 minSteigen die Streamingpreise durch Filmabgabe für Streaming-Anbieter?
Der Verband der privaten Medien warnt vor höheren Kosten für Streamingdienste, die sich in steigenden Abo-Preisen niederschlagen könnten. Hennig-Thurau widerspricht:
Mir ist kein Land bekannt, in dem eine Preiserhöhung eines Streamers direkt auf eine Investitionsverpflichtung zurückzuführen ist.
Thorsten Hennig-Thurau, Medienwissenschaftler Uni Münster
Streamingdienste wie Netflix kalkulierten ihre Preise nicht nach Kosten, sondern nach der Zahlungsbereitschaft der Kunden, erklärt der Medienwissenschaftler.
In Berlin dreht sich gerade alles um Filme und ihre Stars. Im Wettbewerb sind auch drei ZDF-Koproduktionen, darunter "Rose" mit Sandra Hüller in der Hauptrolle.
15.02.2026 | 1:33 minUnklare Umsätze von Streamingdiensten in Deutschland
Analysten von Flixpatrol schätzen, dass Netflix in Deutschland 16 Millionen Kunden hat. Die Einnahmen dürften im Milliardenbereich liegen. Doch Netflix veröffentlicht keine Zahlen zu Abonnenten oder Umsätzen in Deutschland.
Wie viel Geld die Investitionsabgabe tatsächlich einbringt und wie die Beträge überprüft werden, bleibt unklar. Man werde sicher versuchen, die eigenen Produktionsleistungen in Deutschland großzurechnen, sagt Hennig-Thurau. "Ob und wie viel tatsächlich zusätzlich produziert wird, ist offen."
Der jüngste Oscar-Gewinner "Im Westen nichts Neues" wurde mit 20 Millionen Dollar von Netflix finanziert - ohne Unterstützung der deutschen Filmförderung.
Viele deutsche Synchronsprecher boykottieren Netflix wegen einer KI-Klausel in neuen Verträgen. ZDFheute live erklärt, worum es im Streit geht – und was auf dem Spiel steht.
08.02.2026 | 9:00 minDie Details der neuen Regelung sind noch unklar, und das Gesetz muss erst verabschiedet werden. Zudem produzieren Streamingdienste und TV-Sender bereits deutsche Filme und Serien, um ihre lokalen Kunden zu binden. Decken diese Budgets nicht längst die geforderten acht Prozent? Wie es mit dem deutschen Film weitergeht, bleibt spannend.
Dennis Berger ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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