"Collien Fernandes ist kein Einzelfall":Schutz von Frauen im Netz: Lang stellt Zehn-Punkte-Plan vor
Mit einem Zehn-Punkte-Plan wollen Vertreterinnen aus Politik, Gesellschaft und Rechtswesen Frauen vor sexualisierter, digitaler Gewalt schützen. Ihre Forderungen im Überblick.
Mehrere tausend Menschen haben am Sonntag in Berlin gegen sexualisierte digitale Gewalt demonstriert.
23.03.2026 | 2:53 minDie Grünen-Politikerin Ricarda Lang hat gemeinsam mit anderen prominenten Frauen einen Forderungskatalog gegen sexualisierte digitale Gewalt aufgestellt. Kern ist, die Erstellung und Verbreitung sogenannter sexualisierter Deepfakes unter Strafe zu stellen und sogenannte Nudify-Apps zu verbieten, mit denen solche gefälschten Sexbilder erstellt werden können.
Zudem sollten Internetplattformen verpflichtet werden, sexualisierte Deepfakes schnell zu entfernen, heißt es weiter. Betroffene sollten klare Rechtsansprüche auf Löschung, Auskunft und Identifizierung der Täter bekommen. Zuerst hatte der "Spiegel" darüber berichtet.
Mit der Autorin Düzen Tekkal und der Aktivistin Kristina Lunz hat Grünen-Politikerin Lang einen Zehn-Punkte-Katalog aufgestellt. Dazu verlangen sie kurzfristig ein Treffen mit der Bundesregierung.
Die Forderungen des Zehn-Punkte-Plans im Überblick:
Es soll gesetzlich verboten werden, nicht-einvernehmliche und sexualisierte Deepfake-Inhalte zu erstellen oder zu verbreiten. Entsprechende Apps sollen aus App-Stores entfernt werden.
Ein neues Gesetz soll digitale Gewalttaten umfassend erfassen und Lücken in der Strafverfolgung schließen.
Gefordert wird eine gesetzliche Festschreibung, dass jede sexuelle Handlung ohne ausdrückliche Einwilligung strafbar ist.
Verpflichtende bundesweite Gesamtstrategie mit zentraler Koordinierungsstelle, klaren Zielen und dauerhafter Finanzierung mit dem Ziel der Stärkung von Opferrechten.
Gerichte und Strafverfolgungsbehörden sollen spezialisierte Strukturen und Monitoring-Systeme etablieren, um Fälle effizienter zu bearbeiten.
Plattformbetreiber sollen zu schneller Entfernung sexualisierter Inhalte verpflichtet werden - und bestraft werden können, wenn sie untätig bleiben.
Der Straftatbestand "Femizid" soll Einzug ins Strafgesetzbuch finden, der geschlechtsspezifische Tötungen von Frauen ausdrücklich erfasst und als solche sanktioniert.
Vollständige und wirksame Umsetzung der Istanbul-Konvention sowie der Empfehlungen internationaler Kontrollgremien.
Es sollen eigenständige Straftatbestände für unerlaubte Erstellung und Verbreitung voyeuristischer Aufnahmen eingeführt werden.
Die Verantwortlichen hinter dem Zehn-Punkte-Plan fordern die Bundesregierung zu einem kurzfristigen Treffen zur Besprechung und Umsetzung dieses Forderungskatalogs auf.
Der aktuelle Fall um Collien Fernandes lenkt Aufmerksamkeit auf digitale Gewalt. Das deutsche Strafrecht schütze Betroffene nicht ausreichend, sagt ZDF-Rechtsexpertin Sarah Tacke.
20.03.2026 | 2:54 minLang: "Fernandes ist kein Einzelfall"
"Soziale Medien und neue Technologien wie KI bieten zudem neue Möglichkeiten, um Frauen im Netz bloßzustellen und zu unterdrücken", sagte Mit-Initiatorin Lang der Deutschen Presse-Agentur. Diese Welle des Frauenhasses sei zu lange relativiert und ignoriert worden.
Der Fall von Collien Fernandes ist kein Einzelfall.
Ricarda Lang, Grünen-Politikerin
Nicht nur Prominente seien betroffen, sondern etwa auch Frauen nach einer Scheidung bis hin zu Schülerinnen, deren Bilder auf dem Pausenhof herumgereicht würden, warnte Lang. "Wir wollen, dass Deutschland von einem Täterparadies zu einem Land wird, in dem Frauen in ihrer Würde und ihrer Freiheit geschützt sind."
Theresia Crone spricht offen über ihren Fall digitaler Gewalt. Sie fühle sich bis heute allein gelassen, erklärt sie bei ZDFheute live.
20.03.2026 | 10:00 minOpferanwältin: Mehr Investitionen in Prävention notwendig
Die Gesellschaft müsse sich fragen, was schief laufe, wenn sich die Betroffenen der Gewalt schämen würden, aber nicht der Täter, warnt Asha Hedayati im ZDF-Interview. Sie ist Rechtsanwältin für Familienrecht und erinnert an die berühmten Worte der Französin Gisèle Pelicot: Die Scham müsse die Seite wechseln.
Geschlechtsspezifische Gewalt ist kein Phänomen einer sozial benachteiligten Gruppe, die irgendwie an den Rand gedrängt werden kann. Sie ist mitten in dieser Gesellschaft.
Asha Hedayati, Rechtsanwältin für Familienrecht und Autorin
Gesetze seien notwendig - aber nur eine Reaktion auf bereits verübte Gewalt. In Deutschland, bemängelt Hedayati, würden gerade im "frauenpolitischen Bereich und im Gewaltschutzbereich" Mittel gekürzt.
Wir müssen in effektive Präventionsmaßnahmen investieren, und zwar in welche, die da ansetzen, wo die Gewalt noch gar nicht begonnen hat.
Asha Hedayati, Rechtsanwältin für Familienrecht und Autorin
Andere EU-Länder seien da schon deutlich weiter. In der Gewaltschutzthematik sei Spanien Vorreiter und investiere seit Jahrzehnten viel mehr in Prävention, Bildungsarbeit und in eine "effektivere Justiz" - im Vergleich zu Deutschland.
Die Bundesregierung wolle jetzt einen Straftatbestand gegen digitale Gewalt, so ZDF-Redakteurin Greipl. Worauf es dabei ankommt.
20.03.2026 | 8:07 minSolidarität mit Collien Fernandes
Am Sonntag hatten Tausende in Berlin an einer Demonstration mit dem Titel "Gegen sexualisierte digitale Gewalt - Solidarität mit allen Opfern" teilgenommen. Die Kundgebung am Brandenburger Tor fand nach Angaben der Veranstalter wegen der aktuellen Diskussion in Solidarität mit Collien Fernandes statt.
Die Moderatorin und Schauspielerin erhebt schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Partner, den Schauspieler Christian Ulmen, über die zuerst der "Spiegel" berichtet hatte.
Ulmens Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an, bei der es sich "in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung" handle. Zudem würden "unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet".
Solidarität mit Collien Fernandes:Tausende demonstrieren gegen sexualisierte Gewalt im Netz
mit Video2:53In ZDF-Doku suchte sie 2024 nach Tätern:Fernandes zu Deepfake-Pornos: "Man wird zum Objekt"
von Nils Metzgermit Video43:33Vorwürfe von Collien Fernandes:Fall Ulmen: Hubig will besser vor digitaler Gewalt schützen
mit Video2:20- Interview
Memoiren nach Vergewaltigungsprozess:Gisèle Pelicot: "Diese Geschichte gehört nicht mir allein"
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