In ZDF-Doku suchte sie 2024 nach Tätern:Fernandes zu Deepfake-Pornos: "Man wird zum Objekt"
von Nils Metzger
Die Schauspielerin Collien Fernandes geht gegen Deepfake-Pornos von sich vor. Eine ZDF-Dokumentation begleitete Fernandes 2024 bei der Suche nach den Tätern.
Wer steckt hinter Deepfake Pornos? Collien Fernandes macht sich auf die Spur nach den Tätern.
11.12.2024 | 43:33 minSeit zwei Jahrzehnten steht die Schauspielerin Collien Fernandes in der Öffentlichkeit. Und genauso lange hat sie mit sexualisierenden Darstellungen von sich und digitalem Missbrauch zu kämpfen. "Es gab da einen ganz konkreten Clip. Da habe ich mir quasi erzählen lassen, was darin passiert und das allein hat mich schon in die Träume verfolgt", sagte Fernandes damals.
Es fing an mit gefälschten Nacktfoto-Montagen. Doch neue Technologien geben Tätern seit einigen Jahren ganz neue Werkzeuge in die Hand: mit Künstlicher Intelligenz erstellte Deepfake-Pornos.
In einer ZDF-Dokumentation erzählte Fernandes 2024, wie sie das nicht mehr hinnehmen wollte. Sie machte sich auf die Suche nach den Urhebern und fand am Ende sogar einen Mann, der ihre Nacktbilder zugeschickt bekommen hatte.
Die Spur zeigt, wer mit Deepfake-Pornos Geld verdient und warum Plattformen und Gesetze Betroffene kaum schützen.
11.12.2024 | 28:28 minEinblicke in die Deepfake-Industrie
Die Recherche stößt auf eine regelrechte Deepfake-Industrie - samt Arbeitsteilung. Es gibt die Porno-Portale, über die Aufnahmen verbreitet werden und Seiten, wo man solche Aufnahmen ohne Wissen der Betroffenen erstellen kann. Und die Online-Foren, in denen sich die Macher solcher Pornografie austauschen und vernetzen.
Es ist ein doppeltes Verbrechen: Die Identitäten und Bilder der Frauen werden gestohlen und bearbeitet. Damit werden sie dann digital missbraucht. "Allein zu wissen, was da passiert, das war so mit einem gewissen Ekel verbunden, weil die eigene Sexualität so entfremdet wird. Da passieren Dinge, die man definitiv nicht machen würde", erzählte Fernandes.
Es hat mit Unfreiwilligkeit zu tun. Man wird zum Objekt. Ich glaub’ viele, die auch sowas erstellen, die machen sich gar keine Idee davon, wie das für diejenigen ist, die da abgebildet werden.
Collien Fernandes
Opfer müssen oft selbst nach den Tätern suchen
Im Rahmen der Recherche traf Fernandes weitere Betroffene und nutzte eine szeneübliche Software, zu sehen, wie die Täter arbeiten. "Ich fake mich selbst. Irgendwie absurd."
Die Technik entwickelt sich weiter und stetig kommt neue Software auf den Markt. Die Aufklärung solcher Fälle von Identitätsdiebstahl ist schwierig. Betroffene müssen sich oft selbst durch Berge an Missbrauchsdarstellungen wühlen oder Hinweise in obskuren Onlineforen sammeln.
"Wir haben dann auf Instagram geguckt: wer folgt wem", erzählte in der ZDF-Dokumentation eine Betroffene, wie sie der Person auf die Schliche gekommen ist, die die versteckt Fotos von ihr aufgenommen hat. "Er musste 500 Euro an den Weißen Ring bezahlen und das wars", schilderte sie das Ergebnis des Verfahrens.
Mit Künstlicher Intelligenz lassen sich immer leichter sogenannte Deepfakes erstellen – also täuschend echte Videos, von real existierenden Personen. Das birgt große Gefahren.
11.10.2025 | 1:33 minMedienanwalt Schertz: "Schutz der Betroffenen verstärken"
"Das, was wir jetzt machen könnten, nämlich versuchen, die Täter zu ermitteln, läuft zu 90 Prozent ins Leere", erklärte der Medienanwalt Christian Schertz in der ZDF-Dokumentation. An die Plattformen komme man faktisch nicht ran, sie säßen im Ausland. Häufig habe man gar keine Adresse für zivilrechtliche Maßnahmen.
Wir müssen das Recht ändern, um den Schutz der Betroffenen zu verstärken.
Christian Schertz, Medienanwalt, 2024
In der aktuellen Berichterstattung um den Fall Fernandes vertritt Schertz als Anwalt Fernandes' Ex-Mann Christian Ulmen. 2024 sagte Schertz dem ZDF: "Ich sehe auch die Gefahr, dass die Täter vielleicht (…) sich irgendwann befugt glauben, noch mehr zu tun. Auf Worte folgen Taten und auf gefakte Bilder können auch Taten folgen."
Durch künstliche Intelligenz werden aus harmlosen Fotos pornografische Inhalte entwickelt. Gegen die sogenannten "Deepfake-Pornos" gibt es noch keine direkte gesetzliche Handhabe.
22.11.2025 | 1:38 minPorno-Ersteller berichtete, dass er Fernandes-Nacktbilder zugeschickt bekam
Collien Fernandes konnte während der Dreharbeiten zur Dokumentation einer Person auf die Schliche kommen, die im Netz Fake-Pornos von ihr verbreitete. "Ich rufe den Mann an. Im Telefonat bestätigt er mir, dass er Nacktbilder von mir erhalten hat", berichtete Fernandes.
"Ich wurde jetzt von so vielen Männern darüber informiert, was mit meinem Namen passiert. Es werden anzügliche Geschichten verschickt, es werden Sex-Videos verschickt, es werden Nacktfotos verschickt und es wird Geld verlangt", erzähle sie dem ZDF.
Und ich möchte nicht mehr, dass all das in meinem Namen passiert.
Collien Fernandes
Nach wochenlanger Suche im Netz, Chats mit Deepfake-Urhebern und anderen Opfern war die Konsequenz für Fernandes 2024 klar: Sie erstattete Anzeige - gegen unbekannt.
Mehr zu Collien Fernandes und zu digitaler Gewalt
Vorwürfe von Collien Fernandes:Fall Ulmen: Hubig will besser vor digitaler Gewalt schützen
mit Video1:04Deepfakes, Doxxing, Cyberstalking:Was ist digitale Gewalt und was kann man dagegen tun?
mit Video0:33Sexualisierte Deepfakes:Was Opfer KI-manipulierter pornografischer Bilder tun können
von Charlotte Greiplmit Video2:54