Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern:Kampf um die Unentschlossenen: Finale im Nordosten
von Bernd Mosebach
Auf den letzten Metern kämpfen die Parteien in Mecklenburg-Vorpommern um die unentschlossenen Wähler, alle geben sich siegesgewiss. Die AfD beschwört das Ende des Kanzlers herauf.
In Mecklenburg-Vorpommern zeichnet sich vor der Landtagswahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und AfD ab. Shakuntala Banerjee berichtet über die Ausgangslage und mögliche Folgen für den Bund.
19.09.2026 | 0:59 minDraußen demonstrieren rund 1.000 Menschen lautstark gegen die AfD, drinnen geben sich die Parteispitze und 850 Anhänger siegesgewiss. Die Rechtspopulisten haben zum Wahlkampfabschluss in das "Haus der Bildung und Kultur" in Neubrandenburg eingeladen.
Wie ein Pop-Star wird "Uli" gefeiert. Ulrich Siegmund steht in Mecklenburg-Vorpommern zwar gar nicht zur Wahl, soll aber letzten Schwung in den Wahlkampf bringen: "Wir holen unser Land gemeinsam zurück." Erstmals bestehe die Chance, so der AfD-Wahlgewinner von Sachsen-Anhalt, die CDU aus einem Landtag zu werfen.
Weidel: "Am Sonntag werden wir Geschichte schreiben"
Der Bundesvorsitzende Tino Chrupalla ergänzt, die CDU brauche niemand. Und die Co-Vorsitzende Alice Weidel setzt noch einen drauf: Friedrich Merz werde bereits in der kommenden Woche seine letzte Rede als Kanzler halten. "Am Sonntag werden wir Geschichte schreiben", sagt Weidel.
Der AfD-Kandidat für das Ministerpräsidentenamt in Mecklenburg-Vorpommern, Leif-Erik Holm, zeigt sich dankbar für die Unterstützung. "Das hat ja in Sachsen-Anhalt auch diesen Effekt gegeben, dass bisherige Nichtwähler dann tatsächlich noch zur Wahl gegangen sind, weil sie etwas ändern wollen."
Rund ein Fünftel der Wahlberechtigten unentschieden
In der Tat waren laut ZDF-Politbarometer wenige Tage vor der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern noch 21 Prozent der Wahlberechtigten unentschieden.
Gerade im Endspurt kämpfen alle Parteien darum, die Unentschiedenen für sich zu gewinnen. Besonders die von der AfD frontal angegriffene CDU ist auf diese Stimmen angewiesen. Denn mit aktuell 6 Prozent im Politbarometer scheint ein Wiedereinzug in den Landtag ungewiss.
Vor der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern: Neue Zahlen vom ZDF-Politbarometer zeigen die politische Stimmung im Land.
17.09.2026 | 1:04 minSpitzenkandidat Daniel Peters verzichtete auf die Unterstützung durch Berliner CDU-Prominenz. Als Hauptverantwortlichen für den Frust über die Bundesregierung sieht er allerdings nicht den Kanzler, sondern "die Sozialdemokratie, die in besonderer Weise vieles, was auch schon vereinbart war, leider infrage stellt".
Schwesig holt sich vier SPD-Ministerpräsidenten zur Unterstützung
Die Sozialdemokraten wiederum haben sich den Leuchtturm von Warnemünde als Kulisse für ihren Wahlkampfabschluss ausgesucht. Spitzenkandidatin Manuela Schwesig, die seit neun Jahren als Ministerpräsidentin regiert, verzichtet ebenfalls auf Berliner Wahlkampfhelfer. Sie hat sich dafür gleich vier befreundete SPD-Regierungschefs auf die Bühne geholt: Anke Rehlinger, Dietmar Woidke, Peter Tschentscher und Olaf Lies.
Im Politbarometer liegt sie mit ihrer SPD mit 37 Prozent knapp vor der AfD (36 Prozent). Ergebnis einer bemerkenswerten Aufholjagd, die sie in den letzten Monaten absolviert hat. Doch Schwesig weiß:
Die neue Umfrage ist Motivation, aber sie ist noch kein Wahlergebnis. Die Lage bleibt ernst, es ist ein offenes Rennen und wir kämpfen wirklich um jede Stimme.
Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin
Das "offene Rennen" ist für Schwesig vor allem der Zweikampf mit den Rechtspopulisten. Mit ihrer "Die Frau gegen Blau"-Kampagne hat sie das in den letzten beiden Wochen noch einmal demonstriert. Die AfD habe immer noch eine realistische Chance, "an die Macht zu kommen", sagt sie - "im Zweifel mit ihren Freunden vom BSW, und auch in der CDU diskutiert der ein oder andere".
Inflation, Wirtschaft und Bildung bestimmen den Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern. Im Fokus der Wahl: Das Duell zwischen der AfD und der seit 28 Jahren regierenden SPD, die um ihre Mehrheit kämpft.
18.09.2026 | 2:13 minOptimistisch gibt sich die Linke, der Koalitionspartner in den letzten fünf Jahren. Spitzenkandidatin Simone Oldenburg sagt: "Es ist noch nicht Sonntag, wir geben alles, jede Stimme für die Linke ist eine Stimme für mehr soziale Gerechtigkeit. Aber ich bin ganz fest überzeugt: Es reicht für Rot-Rot."
CDU, Grüne und FDP bangen um Wiedereinzug
Nicht nur die CDU leidet unter dem Zweikampf von SPD und AfD. Auch die Grünen (im Politbarometer bei 5 Prozent) fürchten, aus dem Landtag gewählt zu werden. Spitzenkandidatin Claudia Müller sorgt sich, zwischen den Führenden zerrieben zu werden: "Aber wir sehen, dass in allen Umfragen deutlich ist: Es reicht nur für eine demokratisch stabile Regierung, wenn Grün dabei ist."
Die FDP befürchtet ebenfalls, den Wiedereinzug in den Landtag zu verpassen. Spitzenkandidat Jakob Schirmer gesteht "kurzzeitig Durststrecken" ein. "Aber wenn Sie auf die Trends schauen, dann sehen Sie, dass es sich stetig stabilisierend nach oben arbeitet." In den Umfragen der letzten Wochen liegt seine Partei jedoch unter 5 Prozent.
Eine mögliche Rolle bei der Frage, wer nach der Wahl eine Regierung bildet, könnte das BSW spielen. Mit aktuell 4 Prozent im Politbarometer ist ein Einzug ins Parlament nicht unmöglich. "Steigbügelhalter" für die Rechtspopulisten wolle man nicht sein, sagt die Bundesvorsitzende Amira Mohamed Ali. Aber: Die Brandmauer zur AfD sei gescheitert.
Bernd Mosebach ist Leiter des ZDF-Landesstudios Mecklenburg-Vorpommern.
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