Parteien, Kandidaten, Umfragen:Was Sie zur Wahl in Mecklenburg-Vorpommern wissen sollten
von Luise Reinke
In Mecklenburg-Vorpommern wird am Sonntag ein neuer Landtag gewählt. Wer sind die Kandidaten, wie stehen die Umfragen und Wichtiges zur Stimmabgabe - ein Überblick.
Die Anspannung vor den Wahlen in Nordosten ist groß. Es deutet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der regierenden SPD und der AfD an. Laut ZDF-Politbarometer führt die SPD leicht in den Umfragen.
18.09.2026 | 2:03 minAm Sonntag wählt Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Landtag. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) tritt gegen den AfD-Kandidaten Leif-Erik Holm an. Laut aktuellem ZDF-Politbarometer Extra liefern sich beide Parteien ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
Dabei hat die SPD kurz vor den Wahlen aufgeholt und liegt jetzt knapp vor der AfD. Die CDU liegt laut Umfrage bei sechs Prozent und könnte damit ihr bundesweit schlechtestes Landtagswahl-Ergebnis seit 1949 einfahren.
Die Wahl hat über die Landesgrenzen hinaus Gewicht, zwei Wochen nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Gleichzeitig wird auch in Berlin gewählt. Die Wahlen gelten als Stimmungstest für die Bundespolitik, insbesondere für die Frage, wie stark die AfD in Ostdeutschland inzwischen verankert ist.
Kurz vor der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern liefern sich SPD und AfD ein enges Rennen. Die CDU kämpft mit Gegenwind – und hofft auf ein besseres Ergebnis als in den Umfragen.
17.09.2026 | 2:37 minBis wann kann gewählt werden?
Die Wahllokale sind am Wahltag von 8 bis 18 Uhr geöffnet, direkt danach beginnt die Auszählung. Wer nicht ins Wahllokal gehen kann oder will, kann per Briefwahl abstimmen. Ausgefüllte Briefwahlunterlagen können auch noch am Wahltag selbst in einem Wahllokal abgegeben werden.
Wer keine Briefwahlunterlagen erhalten hat, kann in Ausnahmefällen bis zum Tag vor der Wahl, 15 Uhr, in der Gemeindewahlbehörde einen Ersatz-Wahlschein beantragen.
Wie steht es in Umfragen?
Im aktuellen ZDF-Politbarometer Extra liegt die SPD knapp vor der AfD. Die Projektionswerte: Die SPD käme auf 37 Prozent, die AfD auf 36 Prozent. Die CDU würde sechs Prozent erreichen. Die Linke, die derzeit mit der SPD gemeinsam die Regierung bildet, käme auf neun Prozent. Die Grünen lägen mit fünf Prozent dahinter und müssten um den Einzug in den Landtag bangen. Das BSW käme auf vier Prozent.
Damit hätte die amtierende Regierung aus SPD und Linke knapp keine parlamentarische Mehrheit mehr. Die Projektionswerte zeigen nur das aktuelle Stimmungsbild für die Parteien und stellen keine Prognose für den Wahlausgang dar.
Bei der Frage nach dem bevorzugten Ministerpräsidenten oder der Ministerpräsidentin wollen 61 Prozent der Befragten Schwesig im Amt sehen, 30 Prozent votieren für den AfD-Kandidaten Holm.
Vor der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern: Neue Zahlen vom ZDF-Politbarometer zeigen die politische Stimmung im Land.
17.09.2026 | 1:04 minVor der Wahl ging es den Menschen im Land laut Politbarometer vor allem um Wirtschaft und steigende Lebenshaltungskosten, Schule und Bildung, Infrastruktur und Arbeitslosigkeit.
Bei der Kompetenzzuschreibung liegt die SPD in den Bereichen Wirtschaft, Arbeitsplätze, Schule/Bildung und Infrastruktur vorn, die AfD punktet beim Thema Flüchtlinge/Asyl, das aber laut Umfrage nicht zu den fünf wichtigsten Problemen des Landes zählt. Die anderen Parteien liegen hier allesamt hinter SPD bzw. AfD.
Steffi Uhl kämpft für den Zusammenhalt im Schweriner Plattenbaugebiet Dreesch - einem Viertel, in dem soziale Unterschiede besonders deutlich sichtbar werden.
13.09.2026 | 1:50 minWie wird gewählt?
Jede Wählerin und jeder Wähler hat zwei Stimmen. Mit der Erststimme wird in jedem der 36 Wahlkreise ein Abgeordneter oder eine Abgeordnete direkt gewählt, die Zweitstimme entscheidet über die Landesliste einer Partei. Der Landtag besteht aus mindestens 71 Abgeordneten.
Gewinnt eine Partei mehr Direktmandate als ihr nach dem Zweitstimmenergebnis zustehen, entstehen Überhangmandate, die die anderen Parteien durch Ausgleichsmandate kompensieren. Berücksichtigt werden bei der Sitzverteilung nur Parteien, die mindestens fünf Prozent der gültigen Zweitstimmen erreichen (Fünf-Prozent-Hürde). Gewonnene Direktmandate bleiben davon unberührt.
Überhangmandate sind Parlamentssitze einer Partei, die über die ermittelte Sitzanzahl nach Zweitstimmen hinausgehen. Das kommt dann zustande, wenn die Anzahl der gewonnenen Direktmandate die Zahl der ihr insgesamt zustehenden Sitze nach Zweitstimmenauszählung übersteigt. Dann erhalten die anderen Parteien Ausgleichsmandate. Die Gesamtzahl der Abgeordneten erhöht sich um die Zahl der Überhang- und Ausgleichsmandate.
Quelle: dpa
Welche Kandidaten und Parteien treten an?
Amtsinhaberin Schwesig tritt zum zweiten Mal als Spitzenkandidatin an. Ihr aussichtsreichster Gegenkandidat ist der Bundestagsabgeordnete Leif-Erik Holm von der AfD. Für die CDU geht Daniel Peters ins Rennen. Simone Oldenburg tritt für die Linke an, für die Grünen Claudia Müller.
Die Spitzenkandidaten im Überblick:
Nach 28 Jahren SPD-Regierung kämpft Manuela Schwesig im Nordosten um den Machterhalt. Die Spitzenkandidatin ist zufrieden mit ihrer Bilanz: "Wir haben Milliardenschwere Aufträge an Land gezogen."
18.09.2026 | 10:27 minBesonderheit bei der AfD: Holm ist zwar Ministerpräsidentenkandidat, steht aber selbst nicht auf der Landesliste. Diese führt Enrico Schult an, der laut Beobachtern im Wahlkampf kaum als Spitzenkandidat auftritt. Insgesamt sind 19 Parteien in Mecklenburg-Vorpommern zur Wahl zugelassen.
AfD-Spitzenkandidat Schult ist zur Koalition bereit: "Natürlich wollen wir regieren." Im Wahlprogramm wirft die AfD der Landesregierung vor, die deutsche Bevölkerung systematisch ersetzen zu wollen.
18.09.2026 | 9:43 minWer darf wählen bei der Landtagswahl?
Zum ersten Mal darf in diesem Jahr in Mecklenburg-Vorpommern ab 16 Jahren gewählt werden. Wahlberechtigt sind alle Deutschen, die am Wahltag das 16. Lebensjahr vollendet haben, nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen sind und seit mindestens 37 Tagen ihren ständigen Wohnsitz in Mecklenburg-Vorpommern haben. Insgesamt sind rund 1,3 Millionen Menschen wahlberechtigt.
Erstmals dürfen in Mecklenburg-Vorpommern auch 16- und 17-Jährige den Landtag mitwählen. Der Landtag hatte das aktive Wahlalter im November 2022 von 18 auf 16 Jahre gesenkt. Wie groß der Effekt auf das Wahlergebnis ist, gilt als überschaubar: Rund zwei Prozent der Wahlberechtigten sind unter 18 Jahre alt.
Angesichts des knappen Kopf-an-Kopf-Rennens zwischen AfD und SPD in den Umfragen und der Fünf-Prozent-Hürde für kleinere Parteien könnte aber diese kleine Gruppe relevant werden.
Wie sah das Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern 2021 aus?
- SPD 39,6 Prozent (34 Sitze)
- AfD 16,7 Prozent (14 Sitze)
- CDU 13,3 Prozent (12 Sitze)
- Linke 9,9 Prozent (9 Sitze)
- Bündnis 90/Die Grünen 6,3 Prozent (5 Sitze)
- FDP 5,8 Prozent (5 Sitze).
Durch Überhang- und Ausgleichsmandate wuchs der Landtag auf insgesamt 79 Sitze. Seit der Wahl regiert die SPD unter Schwesig in einer Koalition mit der Linken.
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