Berlin: Was die Linke für Koalitionspartner unattraktiv macht

Wahl in Berlin:Was die Linke für mögliche Koalitionspartner unattraktiv macht

Jasmin Astaki-Bardeh

von Jasmin Astaki-Bardeh, Berlin

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In Berlin könnte die Linke bald regieren - wären da nicht Antisemitismus-Vorwürfe und ein Clan-Chef, der zur Party auftauchte. Kommt es trotzdem zu Sondierungen mit SPD und Grünen?

Simone Oldenburg, Elif Eralp und Ines Schwerdtner bei der Bundespressekonferenz 'Die Linke - Auswirkungen der Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern auf die Bundespolitik' im Haus der Bundespressekonferenz.

Die Linke gewinnt die Wahl und lässt die CDU hinter sich. Eine Koalition mit SPD und Grünen ist möglich, Antisemitismus-Vorwürfe könnten der Regierungsführung noch im Weg stehen.

21.09.2026 | 2:12 min

Die Berliner Linke hat ein historisches Wahlergebnis erzielt: Erstmals könnte sie das mächtigste Zimmer im Roten Rathaus beziehen. Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp würde dann Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden.

Doch bis dahin hat die Partei etliche Herausforderungen zu überwinden: Sie ist innerlich gespalten - und muss jetzt Koalitionspartner finden. Die aber halten die Linke für problematisch, weil sie ein Antisemitismusproblem habe.

Linke hat zunächst den Regierungsauftrag

Möglich wäre rein rechnerisch Rot-Grün-Rot, also eine Koalition aus Linke, Grünen und SPD. Reichen würde es auch für eine Kenia-Koalition aus CDU, Grünen und SPD. Bei dem deutlichen Sieg hat jedoch die Linke erstmal den Regierungsauftrag.

Vorläufiges Ergebnis
Gewinne und Verluste
Sitzverteilung
Welche Koalitionen sind möglich?
Wahlbeteiligung
Wahlergebnisse seit 1946

Die Berliner Linke will regieren, doch interne Probleme im Landesverband nehmen zu. Schon während des Wahlkampfs kam es zu Negativ-Schlagzeilen, weil der Rapper Dahabflex bei einer Parteiveranstaltung öffentlich rief: "Death to the IDF" ("Tod der israelischen Armee").

Am 20. September ist Abgeordnetenhauswahl

Die Linke erzielt in Berlin ein Rekordergebnis. Vor allem Wohnungsnot, hohe Lebenshaltungskosten, Mobilität und Klimaschutz überzeugten viele Wähler von Partei und Spitzenkandidatin.

21.09.2026 | 1:39 min

Clanchef und Anti-Israel-Aktivist bei Wahlparty aufgetaucht

Am Sonntagabend folgte der nächste Skandal: Clanchef Issa Remmo und der Rapper Ibrahim Ibrahim tauchten auf der Neuköllner Wahlparty der Linken auf. Ibrahim gilt als Unterstützer der als extremistisch eingestuften Terrororganisation PFLP ("Volksfront zur Befreiung Palästinas") in Deutschland.

Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp grenzt sich öffentlich ab. Auch einen Tag nach der Wahl erklärte sie bei der Bundespressekonferenz im Berliner Regierungsviertel:

Für mich gilt ganz klar das Schutzversprechen für Jüdische Menschen genauso wie für muslimische, für christliche, für alle Menschen in unserer Stadt.

Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Linken

SGS Slomka Elap

Elif Eralp sieht ein klares Votum der Bürger Berlins. Die CDU habe die Stadt gespalten und die Mietenkrise nicht angegangen, so die Spitzenkandidatin der Linken.

20.09.2026 | 4:06 min

SPD fordert klare Abgrenzung

Ihren möglichen Koalitionspartnern, Grünen und SPD, reichen Aussagen dieser Art nicht aus. Der Berliner Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf verlangt eine klare Botschaft von Eralp. Im Vorfeld hatten die Grünen sich aber offen für Gespräche gezeigt.

Die SPD war zurückhaltender. Spitzenkandidat Steffen Krach sagte jetzt:

Ich habe vor der Wahl mich dazu eindeutig positioniert, dass ich ein klares Bekenntnis gegen Antisemitismus erwarte. Und zwar nicht nur von der Spitzenkandidatin und den Landesvorsitzenden, sondern von all den Mitgliedern, die auch in der Fraktion der Linkspartei sind.

Steffen Krach, Spitzenkandidat der SPD

Moderatorin im Schaltgespräch mit ZDF-Korrespondent Stephan Merseburger

Ob die Linke nach ihrem Wahlsieg in Berlin auch die künftige Regierung anführen wird, ist noch nicht klar. Denn bei SPD und Grünen gibt es auch skeptische Stimmen. Stephan Merseburger berichtet.

21.09.2026 | 1:20 min

Koalition unter Linken: Demütigung für die SPD?

Für die SPD könnte eine Koalition unter Führung der Linken eine Demütigung sein. Denn die SPD sah sich immer als die Berlin-Partei schlechthin, ihre legendären Bürgermeister von Ernst Reuter bis Willy Brandt hatten Rekordergebnisse von über 60 Prozent eingefahren. Sowohl West-Berlin als nach der Wende auch ganz Berlin waren jahrzehntelang sozialdemokratisch regiert worden. Insofern könnte eine Koalition mit der Linken als Eingeständnis gesehen werden, geschrumpft zu sein - und das sogar zum kleinsten Partner der Linken.

Wahl zum 20. Abgeordnetenhaus von Berlin

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Linksjugend will keine Regierungsbeteiligung

Am Freitag steht auf dem Parteitag der Linken eine Abstimmung auf dem Programm, ob überhaupt Koalitionsgespräche aufgenommen werden sollen. Teile der Linksjugend sind gegen eine Beteiligung an der Regierung, wie die Basisgruppe der Linksjugend solid Neukölln. Mitglied Anjo G. will, dass die Linke in der Opposition bleibt:

Auf Bundesebene wird gerade versucht, die Wehrpflicht wieder einzuführen. Das steht auch im Grundsatzprogramm der Linkspartei, dass man in keine Regierung geht, die Sozialkahlschlag und Militarisierung durchführen, was eben gerade von SPD und Grünen vorangetrieben wird.

Anjo G. Linksjugend solid Neukölln

Die Linke muss sich nun erstmal sortieren.

Über dieses Thema berichtete das ZDF unter anderem im heute spezial am 21.09.2026 ab 19:25 Uhr und in "Wahl 2026 im ZDF: Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern" am 20.09.2026 ab 17:30 Uhr.

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