FDP-Debatte bei "Lanz":Wissing: Kein Kontakt mit Lindner seit Ampel-Aus
von Felix Rappsilber
Volker Wissing kritisiert das Ampel-Aus als "Fehleinschätzung" Christian Lindners. Trotz "vernichtender" Wahlergebnisse sei die Idee des Liberalismus "nach wie vor attraktiv".
Sehen Sie hier die Sendung "Markus Lanz" vom 2. April 2026.
02.04.2026 | 76:09 min"[Christian Lindner] und ich hatten das letzte Gespräch am 6. November 2024, nachdem der Bundeskanzler Herrn Lindner entlassen hat." Volker Wissing gab am Donnerstagabend bei "Markus Lanz" Einblicke in das Ende der Ampel-Regierung.
Ein Ende, das zum Bruch zwischen Wissing und Lindner geführt hatte. Ein Ende, das im Parteiaustritt Wissings gegipfelt war. Ein Ende, das den Niedergang der FDP einleitete?
Für die FDP könnte 2026 entscheidend werden. Nach der Bundestagswahl sitzt sie nur noch in zwei Landesregierungen. Beim Dreikönigstreffen will sie neue Impulse setzen.
06.01.2026 | 1:33 minWissing hatte Lindner vor Ampel-Aus gewarnt
Der ehemalige Bundesminister für Digitales und Verkehr sagte:
Ich hatte [Lindner] mehrfach vorher klar gesagt, dass ich dieses Ende dieser Regierung für einen fundamentalen Fehler halte und dass ich das für die Partei für fatal erachte.
Volker Wissing, Ex-Bundesverkehrsminister
Am 6. November 2024 war Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vor die Presse getreten, hatte Ex-FDP-Parteichef Christian Lindner Vertrauensbruch vorgeworfen und ihn als Bundesfinanzminister entlassen.
Die Schuld für das Ende der Koalition gab Lindner er unter anderem Scholz: "Ich habe mich hier in Anderen getäuscht."
07.11.2024 | 0:32 minLindner hatte Scholz daraufhin einen kalkulierten Koalitionsbruch unterstellt: Der Bundeskanzler habe von ihm ultimativ die Aussetzung der Schuldenbremse erwartet, damit hätte Lindner jedoch seinen Amtseid verletzt.
Wissing ist direkt nach dem Ampel-Aus aus der FDP ausgetreten und bis zu den Neuwahlen parteiloser Minister geblieben.
Das Ampel-Aus: Von der einstigen Fortschrittskoalition blieb ein Familienfoto, das sich vermutlich keiner zuhause aufhängt.
07.11.2024 | 3:17 minWissing: FDP durch Ampel-Aus in Überlebensschwierigkeiten
Dass die FDP durch das Ampel-Aus "Überlebensschwierigkeiten bekommen wird", hatte Wissing vorausgesehen. Eine Demokratie "sollte immer Optionen haben":
"Und durch dieses Ampel-Ende, auch durch diese Begründung, sind der deutschen Demokratie Optionen verloren gegangen. Und das ist einfach etwas, was ich traurig finde, auch destruktiv finde und auch nicht mitgehen konnte."
Wissing erinnerte sich an den Tag, an dem die Ampel zu Ende gegangen war: "[Christian Lindner und ich] haben (...) noch zusammen Mittag gegessen und haben sehr offen gesprochen." Seitdem - kein Kontakt.
Der ehemalige FDP-Politiker betonte:
Aber ich habe keine negativen Gefühle ihm gegenüber. Ich hoffe, er mir gegenüber auch nicht.
Volker Wissing, Ex-Bundesverkehrsminister
Die Landtagswahl in Baden-Württemberg war der Auftakt für ein spannendes Wahljahr.
09.03.2026 | 1:51 minWissing: Liberalismus in Verfassung verankert
Bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg hatte die FDP zuletzt nur noch 2,1 Prozent und 4,4 Prozent der Wählerstimmen erhalten. Diese vernichtenden Wahlergebnisse würden zeigen, dass es "für das politische Angebot keine Nachfrage gab":
Das ist nicht schön mit anzusehen. Das ist auf der anderen Seite auch traurig, dass man auf der Grundlage solcher Fehleinschätzungen die Partei dahin geführt hat.
Volker Wissing, Ex-Bundesverkehrsminister
Einerseits betonte Wissing wieder und wieder, wie sehr das Ampel-Aus die FDP geschwächt hat. Andererseits sei er nicht "derjenige, der über die Partei richten möchte". Er räumte ein: "Das tut schon weh. Denn (...) der Liberalismus ist sehr in unserer Verfassung verankert. Deutschland ist eine freie Gesellschaft und unsere Verfassung ist eine freiheitsstiftende Verfassung."
Dass eine politische Idee so reduziert wird und so wenig attraktiv ist, das ist schon traurig.
Volker Wissing, Ex-Bundesverkehrsminister
Er sprach sich für eine politische Kultur im Sinne unserer Verfassung aus: "Wenn wir gemeinsam friedlich miteinander leben wollen, eine starke Demokratie sein wollen, dann müssen wir diese Spalterei überwinden."
Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Dürr plant einen Strategiewechsel seiner Partei: "Wir wollen den Status quo durchbrechen.“ Im vergangenen Jahr habe man dafür „eigene Fehler aufgearbeitet".
06.01.2026 | 5:21 minWiederauferstehung der FDP?
Guido Westerwelle, FDP-Parteichef von 2001 bis 2011, hatte einst gesagt: "Es gibt zwei Institutionen, die Erfahrung mit der Auferstehung haben. Das sind die christliche Kirche und die FDP."
Glaubt Wissing an eine Auferstehung der FDP?
Ehrlich gesagt ist das keine Glaubensfrage, sondern das hängt davon ab, was für ein Angebot gemacht wird.
Volker Wissing, Ex-Bundesverkehrsminister
Wissing sagte: "Ich persönlich bin der Meinung, dass die politische Idee des Liberalismus nach wie vor attraktiv ist. Ich sehe das in vielen Zuschriften. Viele Bürgerinnen und Bürger sagen: 'Engagieren Sie sich doch wieder, machen Sie doch was.'"
Ist eine Rückkehr in die FDP für Wissing ausgeschlossen? "Ich habe überhaupt keine Gedanken in diese Richtung. Ich bin glücklich in meiner Lebenssituation. Es kann auch Politik ohne mich geben. Ich habe nicht vor, zurückzukehren in die Politik."
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