Merz beerdigt die FDP: Ist die Partei tot?

Analyse

Merz: "Wird keine Rolle mehr spielen":Ist die FDP tot?

Dominik Rzepka

von Dominik Rzepka

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Nach ihrem Scheitern in Baden-Württemberg beerdigt Friedrich Merz die FDP. Sie werde keine Rolle mehr spielen, so der Kanzler. Der FDP-Nachwuchs widerspricht zwar. Aber stimmt das?

Berlin: Handwerker demontieren einen Aufsteller der FDP im Bundestag.

Verschwindet die FDP von der politischen Bühne? (Symbolbild)

Quelle: dpa

Noch zu Beginn dieses Jahres wollte Christian Dürr den Status quo durchbrechen. Der FDP-Chef kündigte ein "Jahr des Wiederaufstiegs" für seine Partei an.

Nun, zwei Monate später, ist davon nicht viel übrig.

Gerade einmal 4,4 Prozent im FDP-Stammland Baden-Württemberg. Schwache Umfragewerte auch in Rheinland-Pfalz, wo in knapp zwei Wochen gewählt wird. Und auf Bundesebene wird die Partei gar nicht erst ausgewiesen. "Nicht mehr messbar", nennen das Wahlforschende.

2026: "Das Jahr des Wiederaufstiegs"

Januar 2026: FDP-Chef Dürr plant einen Strategiewechsel seiner Partei: "Wir wollen den Status quo durchbrechen.“

06.01.2026 | 5:21 min

Merz beerdigt FDP

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nimmt das inzwischen zum Anlass, die Partei für tot zu erklären. Die FDP sei mit ihrem Abschneiden in Baden-Württemberg endgültig von der politischen Bühne in Deutschland verschwunden.

Sie wird keine Rolle mehr spielen.

Friedrich Merz über die FDP

Vier Prozent seien mindestens ein Prozent zu wenig für die FDP, aber vier Prozent zu wenig für die CDU. "Und deswegen möchte ich auch gerne alle Wählerinnen und Wähler der FDP auffordern, jetzt die CDU in Rheinland-Pfalz zu wählen, damit es einen entsprechenden Wechsel im Amt des Ministerpräsidenten geben kann", so Merz.

Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Spitzenkandidat der Grünen für die Landtagswahl in Baden-Württemberg, nimmt am Tag nach der Landtagswahl an einer Pressekonferenz im Landtag teil.

Die Landtagswahl in Baden-Württemberg war der Auftakt für ein spannendes Wahljahr. Die Parteien ziehen auf Bundesebene unterschiedliche Schlüsse.

09.03.2026 | 1:51 min

Parteijugend widerspricht Merz

Stimmt das? Ist die FDP wirklich tot? Finn Flebbe ist seit 2025 Vorsitzender der Jungen Liberalen. Er widerspricht Merz - vielleicht auch, weil er es muss:

Die FDP ist nicht am Ende.

Finn Flebbe, FDP

Merz' Sprüche über die FDP seien kein Zeichen von Stärke, sondern ein Ablenkungsmanöver. Schließlich habe die CDU in Baden-Württemberg einen Vorsprung verspielt und sich von einem Grünen vorführen lassen. Merz versuche nun, bei anderen politische Grabreden zu halten.

Flebbe sagt ZDFheute, die FDP werde gerade jetzt gebraucht, "als einzige konsequente Kraft für Freiheit, Aufstieg und Eigenverantwortung. Und wir Junge Liberale werden dafür sorgen, dass sie ihr Comeback schafft."

Pressekonferenz mit Friedrich Merz und Manuel Hagel

Bei den Grünen spürt man Rückenwind, die CDU landet, anders als lange erwartet nur auf Platz 2, die SPD liegt gerade mal knapp über der 5-Prozent-Hürde. Wahlnachlese aus der Hauptstadt.

09.03.2026 | 4:37 min

Experte sieht Comeback der FDP kritisch

Einzige Kraft für Freiheit, Aufstieg und Eigenverantwortung? Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen bezweifelt, dass die FDP hier ein Alleinstellungsmerkmal habe.

Das größte Problem der FDP sei, dass viele liberale politische Positionen inzwischen auch bei anderen Parteien zu finden seien, von den Grünen bis zur CDU. Der Markenkern fehle. Zwar müsse man mit absoluten Aussagen zur Zukunft der Partei vorsichtig sein. Aber:

Die FDP hat schon ein ausgeprägtes Existenzproblem.

Matthias Jung, Forschungsgruppe Wahlen

Die Partei habe eigentlich das Potenzial, wieder über fünf Prozent zu landen. Rein theoretisch könne sich etwa jeder Fünfte grundsätzlich vorstellen, auch einmal die FDP zu wählen, so Jung. Allerdings brauche es dafür Personen, ein zielgruppengerechtes Programm und ein "Gebrauchtwerden" als Koalitionspartner.

Bei all diesen Punkten sieht es für die FDP sehr schlecht aus, ohne dass dabei eine Besserung in Sicht wäre.

Matthias Jung, Forschungsgruppe Wahlen

ZDF-Korrespondentin Britta Buchholz auf dem Dreikönigstreffen der FDP in Stuttgart

Aus dem Archiv: Die FDP setzt auf mehr Sichtbarkeit, um zurück in den Bundestag zu kommen. ZDF-Korrespondentin Britta Buchholz berichtet vom Drei-Königstreffen im Januar.

06.01.2026 | 0:50 min

Dürr will im Amt bleiben

Und so wackelt inzwischen auch der Parteichef. Zwar sagt Christian Dürr, er wolle im Amt bleiben. Die FDP müsse sich erneuern und er wolle diese Erneuerung weiter vorantreiben. Doch es gibt Kritik an Dürr.

Präsidiumsmitglied Marie-Agnes Strack-Zimmermann etwa kritisiert, die FDP gebe zu selten überzeugende Antworten auf die großen Fragen unserer Zeit. Zwar nennt sie Dürr nicht beim Namen. Sie fordert aber ein Selbstverständnis, Verantwortung für Wahlergebnisse zu übernehmen. Wen außer Dürr kann sie damit schon meinen?

76. Ordentlicher FDP-Bundesparteitag

Aus dem Archiv: Nach dem Wahldebakel bei der Bundestagswahl 2025 gibt Christian Lindner den FDP-Vorsitz ab.

16.05.2025 | 3:01 min

"Beschämend": Junge Liberale fordern Konsequenzen

Noch deutlicher wird Juli-Chef Flebbe. Ein Jahr nach der Bundestagswahl sei vom Neuanfang der FDP noch immer nichts zu spüren. Die Halbzeitbilanz des FDP-Bundesvorstands nennt er "ungenügend".

Als Junge Liberale nehmen wir es nicht länger hin, dass die Freien Demokraten ihre Profillosigkeit noch länger vor sich hertragen.

Finn Flebbe, Junge Liberale

Das Stammland der Liberalen zu verlieren, ohne einen Anlass zur Selbstkritik zu sehen, finde er "beschämend". Parteichef Dürr und Generalsekretärin Nicole Büttner sollten spätestens zum Parteitag im Mai ihre Ämter zur Verfügung stellen.

Hinter dieser Forderung stehe der gesamte Verband der Jungen Liberalen.

Über dieses Thema berichtete das ZDF unter anderem in der Sendung "Wahl in Baden-Württemberg" am 08.03.2026 ab 17:40 Uhr.

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