Musterung ab 2027 verpflichtend - Kanzleramtschef Frei bei Lanz

Kanzleramtschef Frei bei "Lanz":Wehrdienst: "Unterschiedliche Einschätzungen"

von Felix Rappsilber
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Kanzleramtschef Frei versucht erst, das Wort "Pflicht" zu umschiffen. Dann räumt er ein: Bei Schwarz-Rot gebe es unterschiedliche Auffassungen zur Ausgestaltung des Wehrdienstes.

Thorsten Frei zu Gast bei "Markus Lanz".

Kanzleramtschef Thorsten Frei in der Sendung "Markus Lanz"

Quelle: Markus Hertrich

"Wir wollen von 180.000 auf 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten, plus 200.000 in der Reserve" - Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) betont am Donnerstagabend bei Markus Lanz, die schwarz-rote Koalition sei sich "in der Zielsetzung absolut einig". Er sagte:

Um auf diese Zielgröße von 460.000 zu kommen, muss man natürlich gewaltige Schritte nach vorne gehen.

Thorsten Frei, CDU

Am Mittwoch hatte das Bundeskabinett das Gesetz zur Einführung eines neuen Wehrdienstes auf den Weg gebracht. Der Kanzleramtschef hob hervor: "Wir sprechen über Wehrdienst. Wir sprechen nicht über Wehrpflicht, auch wenn das gegebenenfalls irgendwann notwendig werden sollte."

Man erkennt mehrere Soldat*innen welche hintereinander in Uniform maschieren. Man erkennt nur den Unterkörper.

Die SPD bestand auf Freiwilligkeit, die Union favorisierte das Pflichtmodell. In der Bundeswehr glaubt man nicht, dass das Personalloch schnell durch Freiwillige zu stopfen ist.

28.08.2025 | 2:40 min

Die Kabinettssitzung hatte im Bundesverteidigungsministerium stattgefunden. Bis 1992 sei das eine "Tradition" gewesen, die Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nun wieder aufnehmen wolle.

Das mache deutlich, "dass Verteidigung, Sicherheit, eine Aufgabe fürs ganze Kabinett ist, für uns alle, dass es eine wichtige Aufgabe für unseren Staat, für unsere Gesellschaft ist."

Herrmann: Pistorius' Modell geht nicht auf

Journalistin Ulrike Herrmann erklärte den Beschluss des Kabinetts:

  • Zunächst würden alle 18-Jährigen angeschrieben, Frauen müssten darauf nicht antworten.
  • Perspektivisch sei eine Musterung geplant.
  • Dabei bleibe "freiwillig", ob man sich für oder gegen den Wehrdienst entscheide.

Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr marschieren bei einer militärischen Zeremonie vor dem Schloss Bellevue in Berlin.

Die Koalition hat sich auf einen Wehrdienst-Entwurf verständigt. Der Entwurf geht nun an den Bundestag, der ihn ändern kann.

27.08.2025 | 2:20 min

Die Nato erwarte 260.000 Soldaten von Deutschland. Weil viele der 180.000 aktiven Soldaten "schon zu alt sind und nicht wirklich dienen können", sei klar, "dass man 30.000 bis 40.000 Wehrpflichtige bräuchte, die für ein Jahr dienen". Herrmann kritisierte:

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich mit diesem Verfahren - man schreibt die Leute an und dann werden sie gemustert - 30.000 bis 40.000 pro Jahr melden, ist gering.

Ulrike Herrmann, Journalistin

Daher hätten Vertreter der Union einen "Automatismus" vorgeschlagen: Freiwillige anzufragen und bei einem Mangel nach Losverfahren zum Wehrdienst einzuziehen. Sie sagte: "Genau das wollte aber die SPD nicht. Das ist ein Parteitagsbeschluss."

Daher sei Schwarz-Rot zu "dieser freiwilligen Lösung" gelangt. Herrmann merkte an: "Ich finde, dass die CDU Recht hat, wenn sie sagt, dass das Modell von Boris Pistorius eigentlich nicht geht."

Bundeskanzler Friedrich Merz CDU trifft sich mit dem Bundeskabinett im Verteidigungsministerium.

Die Regierung hat die Einführung eines neuen Wehrdienstes beschlossen. Danach soll der Wehrdienst zunächst freiwillig bleiben. Die Union hat Bedenken.

27.08.2025 | 0:55 min

Koalition uneins über Ausgestaltung des Wehrdienstes

Innerhalb der Koalition gebe es "unterschiedliche Einschätzungen" darüber, inwieweit man die Zielmarke "mit Freiwilligkeit erreichen kann", räumte Frei ein. Zugleich stellte er sich hinter Boris Pistorius:

Der Bundesverteidigungsminister hat jetzt natürlich einige Maßnahmen ergriffen und ergreift sie, um diese Freiwilligkeit zu befördern.

Thorsten Frei, CDU

Über den Wehrsold, über Anreize, über einen gestuften Prozess, erklärte Frei, ohne dabei konkret zu werden. Schließlich nahm er das Wort "Pflicht" doch in den Mund: "Ab dem 1. Juli 2027 gibt es dann verpflichtende Musterungen."

"Nie wieder Wehrpflicht" steht auf einem Schild im Protestcamp des Bündnisses „Rheinmetall Entwaffnen“.

Das Kabinett hat ein neues Wehrdienst-Gesetz beschlossen. Laut ZDF-Politbarometer spricht sich die Mehrheit der 18- bis 34-Jährigen aber klar gegen eine Pflicht aus.

27.08.2025 | 1:35 min

Frei: Hätten schon Pflichtelemente eingebaut

Direkt im Anschluss betonte er: "Es gibt in diesem Gesetz keine Verpflichtung angelegt (...): 'Dich will ich haben.' Dafür bedürfte es einer Rechtsverordnung der Bundesregierung mit Zustimmung des Bundestages."

Was, wenn die Union die absolute Mehrheit hätte? "Wir hätten mit Sicherheit (...) jetzt schon Pflichtelemente eingebaut", gestand Frei ein und verwies auf das Grundsatzprogramm der CDU, das eine aufwachsende Wehrpflicht vorsieht.

Von links nach rechts: Friedrich Merz, Boris Pistorius, Lars Klingbeil und Andreas Scheuer stehen vor einem Geländer im Verteidigungsministerium nach der Debatte über ein neues Wehrdienst-Gesetz.

Das Bundeskabinett hat das Gesetz für einen neuen Wehrdienst auf den Weg gebracht. Die Pläne von Minister Pistorius sollen junge Menschen anlocken und setzen auf Freiwilligkeit.

27.08.2025 | 0:21 min

Deutsche Soldaten in Ukraine?

Die Debatte um Sicherheitsgarantien für die Ukraine ist in vollem Gange. Damit kommt die Frage auf, ob deutsche Soldaten in Zukunft möglicherweise auf ukrainischem Boden dienen werden. Frei wiegelte ab:

Diese Gefahr besteht ja nicht, weil es hier darum geht, das eigene Land und das eigene Bündnis zu verteidigen, nicht in einen Krieg zu gehen.

Thorsten Frei, CDU

Er sagte: "Die Investitionen in Bundeswehr und Rüstung machen wir, um unsere Armee so stark zu machen, innerhalb des Bündnisses, dass niemand wagt, uns anzugreifen und damit gerade einen Krieg zu verhindern."

Quelle: ZDF

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