Chrupalla bei Lanz: "Haben Nicht-Wähler zum Wählen gebracht"

Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt:AfD-Chef Chrupalla: "Haben Nicht-Wähler zum Wählen gebracht"

von Bernd Bachran

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Bei "Markus Lanz" wertet Tino Chrupalla das AfD-Ergebnis als Stärkung der Demokratie. Sahra Wagenknecht schließt Stimmen für Ulrich Siegmund als Ministerpräsidenten aus.

"Markus Lanz": Sendungslogo.

Sehen Sie hier die Sendung Markus Lanz vom 7. September 2026.

08.09.2026 | 64:38 min

Mit 43,8 Prozent verfehlt die AfD zwar knapp eine eigene Regierungsmehrheit, steigt jedoch mit großem Abstand zur stärksten Kraft in Sachsen-Anhalt auf.

Angesichts der massiven Stimmenverluste der CDU stehen dem Land nun schwierige und möglicherweise langwierige Regierungsverhandlungen bevor. Das Ergebnis löst bei vielen Bürgerinnen und Bürgern in ganz Deutschland Angst um die Zukunft der Demokratie aus.

Dieses Wahlergebnis ist eine Katastrophe für unsere Demokratie.

Melanie Amann, Journalistin

So bewertete die Journalistin Melanie Amann am Montagabend bei "Markus Lanz" das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die AfD Sachsen-Anhalt gilt als gesichert rechtsextrem. Laut Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt richtet sich "die politische Agitation der AfD Sachsen-Anhalt gegen essentielle Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung."

Menschen stehen mit Fahnen am Brandenburger Tor mit Blick auf die Siegessäule während einer Kundgebung. Unter dem Motto «Zeit zum Handeln: AfD stoppen!» hatten Campact und Fridays for Future zu der Kundgebung am Brandenburger Tor aufgerufen. Zu den angekündigten Rednern zählten die Berliner Linke-Spitzenkandidatin Eralp und der Linke-Bundesvorsitzende Pantisano.

Die Meinungen in Sachsen-Anhalt sind gespalten - Hoffnung auf der einen, Angst auf der anderen Seite. AfD-Wählende zeigen sich frustriert von der Politik der etablierten Parteien.

08.09.2026 | 2:54 min

Chrupalla: "Wir haben die Demokratie wiederbelebt"

Diese Einschätzung stieß beim AfD-Vorsitzenden Tino Chrupalla auf deutlichen Widerspruch. "Mit diesem Ergebnis haben wir zehn Prozent mehr an die Wahlurne gebracht und das ist demokratiefördernd", sagt er mit Blick auf die vergleichsweise hohe Wahlbeteiligung. "Wir haben die Demokratie wiederbelebt. Wir haben Nicht-Wähler zum Wählen gebracht."

Mit Verweis auf das starke Wahlergebnis der AfD und die schweren Verluste der CDU zeichnete Chrupalla ein düsteres Bild für die Union im Osten. Er prophezeite:

Wenn die CDU im Osten so weitermacht, wird es eine [CDU als] Volkspartei, wenn sie es überhaupt noch ist, im Osten bald nicht mehr geben.

Tino Chrupalla, AfD-Vorsitzender

"Denn es kommen weitere Landtagswahlen im Osten Brandenburg, Sachsen und Thüringen", sagt Chrupalla. Er ist sich sicher: "Und dann werden wir vier, fünf Ministerpräsidenten im Osten stellen. Und dann haben wir auch ein Gewicht im Bundesrat."

Berlin, Deutschland, 07.09.2026: Bundespressekonferenz: AfD - Auswirkungen der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt auf die Bundespolitik: Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat AfD in Sachsen-Anhalt und der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla

Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt will die AfD regieren, ihr fehlt aber die absolute Mehrheit. Werden einzelne CDU-Abgeordnete oder das BSW zum Mehrheitsbeschaffer?

07.09.2026 | 2:40 min

Kann Ulrich Siegmund Ministerpräsident werden?

Auf Landes- und Bundesebene beraten nun alle beteiligten Parteien, wie sie auf das Wahlergebnis reagieren sollen und welche politischen sowie persönlichen Konsequenzen zu ziehen sind.

Im Mittelpunkt steht aktuell die Frage, ob AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund Ministerpräsident werden kann und wie dies gelingen soll, da die AfD zwar stärkste Kraft ist, aber über keine eigene Mehrheit verfügt und die übrigen im Landtag vertretenen Parteien eine Koalition mit ihr ablehnen.

Eine Schlüsselrolle fällt ausgerechnet dem BSW zu, das mit 5,3 Prozent überraschend den Einzug schaffte. Parteigründerin Sahra Wagenknecht stellte bei "Markus Lanz" klar: Ihre Partei werde Anträgen im Landtag nur dann zustimmen, wenn sie ihren Positionen entsprechen - ganz egal, von wem sie kommen.

Ulrich Siegmund (3. von rechts), Spitzenkandidat der rechtsextremen Alternative für Deutschland (AfD) in Sachsen-Anhalt, und Claudia Wittig (links), Spitzenkandidatin des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW), geben sich die Hand, als sie auf dem Messegelände in Magdeburg – nach der Bekanntgabe der Ergebnisse der Nachwahlbefragungen im Anschluss an die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt – zwischen Fernsehinterviews aufeinandertreffen (6. September 2026).

Der Regierungsauftrag in Sachsen-Anhalt liegt jetzt bei der AfD. Das BSW will zwar nicht koalieren und Siegmund zum Ministerpräsidenten machen – Einigkeiten gibt es jedoch beim Thema Russland.

07.09.2026 | 1:46 min

Wagenknecht: Keine Stimmen für Siegmund

Gleichzeitig betonte Wagenknecht: "Ich sehe nur, dass die AfD in Sachsen-Anhalt, auch Herr Siegmund, sich sehr stark darauf orientiert, vor allem mit der CDU zu kooperieren, die Stimmen dort zu bekommen."

Stimmen für einen Ministerpräsidenten Ulrich Siegmund wird es, so Sahra Wagenknecht, vom BSW nicht geben.

Wir haben immer gesagt, wir wünschen uns einen überparteilichen Ministerpräsidenten, und zwar jemand, der für einen politischen Neubeginn steht.

Sahra Wagenknecht, BSW-Vorsitzende

Es brauche "eine Persönlichkeit mit Statur, die tatsächlich über Parteigrenzen hinaus respektiert wird, aber die natürlich für eine neue Politik steht", fügte Wagenknecht hinzu.

Chrupalla: werden keiner "knapp-sechs-Prozent-Partei" hinterherlaufen

Tino Chrupalla äußerte Zweifel an diesem Vorschlag: Ihm fehle die Vorstellungskraft, wer als überparteiliche Person infrage käme und welche Kriterien sie erfüllen müsste - etwa, ob sie aus Sachsen-Anhalt stammen müsse.

Claudia Wittig, BSW, Spitzenkandidatin, Sachsen-Anhalt im Gespräch mit Shakuntala Banerjee

Claudia Wittig, die Spitzenkandidatin des BSW in Sachsen-Anhalt, zur Frage nach der möglichen Unterstützung des AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund.

07.09.2026 | 4:13 min

"Ich würde ja dieser Fantasie ein Stück weit folgen, hätte das BSW bei dieser Wahl 20 Prozent und wir 30 Prozent. Dann könnte ich durchaus sagen: Okay, da kann man drüber sprechen. Aber wir haben jetzt ein Votum von fast 44 Prozent!"

Chrupalla weiter: "Deswegen kann es nur einen Ministerpräsidenten Ulrich Siegmund geben und davon werden wir auch nicht ablassen."

Warum sollten wir jetzt einem Personenwechsel in irgendeiner Weise zustimmen oder einer knapp Sechs-Prozent-Partei hinterherlaufen? Da fehlt mir auch die Fantasie.

Tino Chrupalla, AfD-Vorsitzender

Wahl zum Landtag von Sachsen-Anhalt

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Über dieses Thema berichtete "Markus Lanz" am 07.09.2026 ab 22:15 Uhr.

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