Wahl in Sachsen-Anhalt:Experte: AfD und BSW haben "gemeinsame Feindbilder"
Wie geht es weiter nach der Wahl in Sachsen-Anhalt? Welche Rolle spielt das BSW? Politikwissenschaftler Höhne erklärt, was das Wahlergebnis für die Parteien und das Land bedeutet.
Die CDU habe in Sachsen-Anhalt wenig Rückenwind aus der Bundespolitik bekommen, so Politologe Höhne. Nach der CDU-Wahlniederlage hält er einen AfD-Ministerpräsidenten für wahrscheinlich.
07.09.2026 | 12:42 minZDFheute: AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund und auch der CDU-Landeschef Sven Schulze sprechen von einem Regierungsauftrag der AfD. Wie realistisch ist es, dass die AfD diesen Anspruch tatsächlich einlösen kann?
Benjamin Höhne: Die AfD will regieren, da besteht für mich kein Zweifel. Sie hat aber keine Mehrheit im Landtag. Sie könnte auch eine Minderheitsregierung formen, bräuchte dafür aber die Unterstützung mindestens einer Partei.
Wie im sogenannten Magdeburger Modell: Zwischen 1998 und 2002 ließ sich in Sachsen-Anhalt die SPD von der PDS, der Vorgängerpartei der heutigen Linken, tolerieren. Die AfD hat die Neuwahloption ins Spiel gebracht, was aber dazu dienen soll, Zweifler in den Reihen des BSW von einer Zusammenarbeit, wie auch immer die dann aussehen könnte, von einer Zusammenarbeit zu überzeugen.







ZDFheute: Welche Rolle spielt dabei das BSW?
Höhne: Das BSW wird nun zeigen müssen, wo es hin tendiert. Wir haben in der Vergangenheit Signale von Sahra Wagenknecht Richtung AfD gesehen.
Tatsächlich gibt es zahlreiche Übereinstimmungen in vielen Politikfeldern.
... ist Politikwissenschaftler und vertritt seit April 2024 an der Technischen Universität Chemnitz die W3-Professur Europäische Regierungssysteme im Vergleich.
Beide, AfD und BSW, haben auch gemeinsame Feindbilder: die etablierten Parteien, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und das vermeintlich durch woke Menschen eingeschränkte Diskursklima in Deutschland. Daher gehe ich davon aus, dass das BSW eher zur AfD tendiert und nicht zu den Parteien des demokratischen Spektrums. Im Landesverband gibt es Mitglieder, die Hemmungen hätten, mit einer rechtsextremen AfD zu paktieren. Ich glaube aber, dass diese Personen in der Minderheit sind.
Trotz Rekordergebnis hat die AfD nicht die angestrebte absolute Mehrheit erreicht und bräuchte deshalb Partner. Sachsen-Anhalt steht eine schwierige Regierungsbildung bevor.
07.09.2026 | 2:09 minZDFheute: Was bedeutet diese Situation für die CDU?
Höhne: Die CDU ist in keiner einfachen Situation. Sie musste kräftig Federn lassen. Ihr droht eine Zerreißprobe. Es gibt einige wenige, die es nach rechts außen zieht und die mit der AfD kooperieren wollen.
Sie verkennen dabei jedoch, dass es sich um eine rechtsextreme Partei handelt.
Auch wenn man einzelne thematische Schnittmengen ausmachen sollte, kann kein Zweifel daran bestehen, dass die AfD an den Grundfesten der freiheitlich-demokratischen Grundordnung rüttelt. Daher kann es meines Erachtens keine Zusammenarbeit mit ihr geben. Für die Union unter Schulze muss es nun darum gehen, die eigenen Reihen zusammenzuhalten.
Sachsen-Anhalts Regierungsbildung kann sich schwierig gestalten. ZDF-Korrespondent Andreas Postel berichtet in Magdeburg über den Zeitdruck für alle Beteiligten, eine neue Regierung zu bilden.
07.09.2026 | 0:46 minZDFheute: Droht Sachsen-Anhalt nun eine längere Phase politischer Unsicherheit?
Höhne: Der nächste Landtag muss sich innerhalb von 30 Tagen konstituieren. Das ist durch die Verfassung vorgegeben. Für die Regierungsbildung selbst gibt es keine Frist. Der amtierende Ministerpräsident wird geschäftsführend im Amt bleiben. Es droht also keine Unregierbarkeit des Landes.
Das Interview führte Annette Pöschel aus dem ZDF-Landesstudio in Sachsen-Anhalt.
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