Landtagswahl in Baden-Württemberg:Entscheidung im Foto-Finish
von Bettina Schausten, ZDF-Chefredakteurin
Der Auftakt zum Superwahljahr 2026 beginnt mit einem engen Rennen. Die Botschaft aus Baden-Württemberg: Die Wählerinnen und Wähler sehnen sich vor allem nach Stabilität.
„Wonach sich die Wählerinnern und Wähler sehnen, ist vor allem dies: Stabilität“, so ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten zum Ausgang der Landtagswahl in Baden-Württemberg.
08.03.2026 | 2:11 minDieser Wahlabend entscheidet sich im Foto-Finish: Cem Özedmir hat sehr knapp geschafft, was ihm viele zu Beginn des Wahlkampfs nicht zugetraut hätten: Die Grünen an der Spitze des Landes zu halten und das Erbe von Winfried Kretschmann anzutreten. Der bleibt also wohl nicht der Ausnahmefall. Dass Özdemir, Mitglied der gescheiterten Berliner Ampel-Regierung, diese Aufholjagd gelang, ist ein persönlicher Erfolg. Auf der Zielgeraden war es seine Erfahrung im Politikgeschäft, mit der der 60-Jährige punkten konnte - gegen den Enddreißiger Manuel Hagel, der in einem am Ende ziemlich schmutzigen Wahlkampf an jugendlichem Glanz verlor.
Die Erwartung seiner Partei, dass Hagel nur den Sieg für die CDU einfahren müsse, war überhöht - auf kräftige Zugewinne kann er dennoch verweisen und als Vize jetzt an Profil und Erfahrung zulegen. Dass die AfD ihn umgarnt, und ihm eine Mehrheit vor die Nase hält, ist ein böses Spiel. Hagel, der sich im Wahlkampf sehr klar von der AfD abgegrenzt hat, darf dem nicht auf den Leim gehen. Denn: Baden-Württemberg hat eben nicht den Wechsel gewählt, sondern das "Weiter-so", nur mit mehr Schwarz zum Grün.
Und Berlin? Die Union bekommt die nicht gehaltenen Kanzler-Versprechen zu spüren. Die gebeutelte Wirtschaft und Industrie im Südwesten erkennt keinen Merz-Effekt. Die Union im Bund tut gut daran, die Niederlage nicht nur im Land und bei Hagel zu verorten.
Die Grünen: Ja, es gibt sie noch, die Wähler, die kein Habeck-Trauma plagt, die jedenfalls einem Grünen Gestaltungskraft zutrauen - wenn er denn das Kretschmann-Prinzip vertritt: "Maß und Mitte". Kein Lebensfunken für die FDP aus Südwest. Und ein rabenschwarzer Abend für die Sozialdemokraten, die nun unter erheblichem Druck stehen, in zwei Wochen in Rheinland-Pfalz den Ministerpräsidenten zu verteidigen.
Für die Regierungsparteien in Berlin also keine Beruhigung, Union und SPD bleiben im Wahlkampfmodus. Dabei sollten sie die Botschaft aus Baden-Württemberg nicht übersehen: Wonach sich die Wählerinnern und Wähler sehnen, ist vor allem dies: Stabilität.
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