Reformkurs der Regierung:"Gut war's": Koalition beschwört Einigkeit nach Gipfeltreffen
Die Stimmung soll positiv gewesen sein, die Aufgabenliste bleibt lang: Union und SPD berieten am Mittwoch über Reformen und den Haushalt 2027. Ergebnisse sollen am Morgen folgen.
Rund vier Stunden tagten Union und SPD, um einen neuen Reformskurs zu schaffen. Gemeinsame Konflikte und die Folgen der vergangenen Landtagswahl führen zu Spannungen.
08.10.2026 | 2:34 minDie Spitzen von Union und SPD haben ihre Beratungen im Koalitionsausschuss über den weiteren Reformkurs am Abend nach etwa vier Stunden beendet. Um 22:08 Uhr verließ CSU-Chef Markus Söder das Kanzleramt, eine Minute später der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil. Gegen 23 Uhr machte dann auch Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz Feierabend.
Koalitionsausschuss: Ergebnisse am Donnerstagmorgen zu erwarten
Über die Ergebnisse soll erst am Donnerstagmorgen unterrichtet werden, voraussichtlich schriftlich, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Koalitionskreisen. Eine Pressekonferenz sei diesmal nicht geplant.
Hauptthemen der Sitzung waren die weitere Umsetzung der im Juli bereits beschlossenen Reformvorhaben und der Haushalt 2027. Nach Informationen des ZDF hat sich der Koalitionsausschuss außerdem zu Energiepreisen und der internationalen Lage besprochen.
Rente, Pflege und Steuern seien Themen, bei denen Union und SPD immer wieder aneinander geraten. Der "feste Wille, weiterhin zusammenzuarbeiten" sei jedoch da, so Anselm Stern.
08.10.2026 | 1:34 minWie ZDF-Korrespondent Anselm Stern aus Berlin berichtet, war der Koalitionsausschuss "am Ende doch schneller vorbei, als von manch einem vorher befürchtet". Neben Sachthemen sei auch das Verhältnis der Koalitionspartner zueinander thematisiert worden.
Zuletzt wurde da viel gegenseitig gedroht, besonders bei der Pflege und bei der Einkommensteuer.
Anselm Stern, ZDF-Korrespondent Berlin
Das Erstarken von AfD und Linkspartei führte in den letzten Tagen eher zu gegenseitigen Vorwürfen als zu Einigkeit. "Die Problemliste der Koalition ist sehr lang", so Stern.
Stimmung in der Koalition trotz Problemen offenbar "sehr konstruktiv"
Trotz der Belastungen wurde die Atmosphäre aus Koalitionskreisen als positiv beschrieben. Unionsfraktionschef Thorsten Frei sagte beim Verlassen des Kanzleramts: "Gut war's." Die Stimmung wurde auch von anderer Seite als "gut" und "sehr konstruktiv" beschrieben, der Verlauf der Sitzung als "nicht spektakulär".
Die Wahlniederlagen im Osten setzen die Koalition in Berlin unter Druck, der Reformstreit dauert an. Im Kanzleramt berät der Koalitionsausschuss den künftigen Kurs.
07.10.2026 | 2:44 minAuch Stern berichtete von Signalen der Geschlossenheit. Es gebe den festen Willen, die Zusammenarbeit fortzusetzen und Reformen umzusetzen.
Zunächst steht da die Erkenntnis, dass eben Schwarz und Rot beide momentan aufeinander angewiesen sind.
Anselm Stern, ZDF-Korrespondent Berlin
"Die Frage ist jetzt, wie lange dieses positive Gemeinsame anhält", gab Stern zu bedenken. Die Devise "weniger streiten, mehr liefern" sei in der schwarz-roten Koalition nichts Neues. "Das allerdings wurde bislang nicht umgesetzt."
Weitreichende inhaltliche Vereinbarungen unwahrscheinlich
Der Koalitionsausschuss ist das wichtigste Gremium des schwarz-roten Bündnisses neben dem Kabinett. Der Kanzler hatte vor dem ersten Treffen der Spitzenrunde seit mehr als drei Monaten trotz teils drastischer Verluste von Union und SPD bei den drei Landtagswahlen im September ein neues Bekenntnis zum vereinbarten Reformkurs gefordert.
Der Wahlschock in Sachsen-Anhalt überschatte den Koalitionsausschuss, so ZDF-Korrespondentin Diana Zimmermann. Er schwäche die CDU und stärke das Misstrauen in der SPD.
07.10.2026 | 3:10 minEr gehe davon aus, dass der Koalitionsvertrag und das bestehende Reformpaket "unverändert die Geschäftsgrundlage für die Arbeit der Koalition" bleiben, sagte der CDU-Chef bei einer Veranstaltung des "Handelsblatts" und der "WirtschaftsWoche" in Berlin.
Die SPD hatte nach den Landtagswahlen Änderungen an dem Paket angemahnt. Kritikpunkt der Sozialdemokraten soll unter anderem die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren sein. Dass während des Koalitionstreffens am Mittwochabend weitreichende inhaltliche Vereinbarungen getroffen wurden, gilt aber als unwahrscheinlich.
Merz erwartet Umsetzung der Reformpläne nicht vor Weihnachten
Schon vor der Sitzung hatte es geheißen, dass man sich allenfalls auf einen Zeitplan für das weitere Vorgehen verständigen werde. Merz hatte deutlich gemacht, dass er nicht mit einer kompletten Umsetzung der Pläne bis Weihnachten rechnet. Er hoffe aber, "dass wir das im Frühjahr nächsten Jahres in trockenen Tüchern haben".
Die Vorstände der Koalitionsfraktionen hatten sich noch Ende August bei einer Klausurtagung in Münster darauf verständigt, das ganze Paket bis Ende des Jahres durch den Bundestag zu bringen. Es enthält Regelungen für die Bereiche Rente, Pflege, Arbeitsmarkt und Steuern.
Nach der Wahl von AfD-Politiker Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt tritt der Koalitionsausschuss in Berlin zusammen.
07.10.2026 | 1:54 minNachwehen der Wahlen belasten Koalition
Schon vor der Sitzung war angekündigt worden, dass auch die Nachwehen der Wahlen in Sachsen-Anhalt und Berlin Thema sein dürften. Am Dienstag wurde in Sachsen-Anhalt erstmals ein AfD-Politiker zum Landtagspräsidenten gewählt, in geheimer Wahl. Es gibt den Verdacht, dass er auch Stimmen aus der CDU bekommen hat. Die SPD ist deswegen in Aufruhr.
In der Union gibt es dagegen Verärgerung darüber, dass die SPD möglicherweise eine Koalition mit der Linken in Berlin bilden wird. Die Berliner Linke wird von der Union als in Teilen antisemitisch und linksextrem angesehen. Laut CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann widerspricht das dem Koalitionsvertrag, der jede Zusammenarbeit mit "verfassungsfeindlichen" und "demokratiefeindlichen" Parteien ausschließt.
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