Nach herben Wahlschlappen:"Mief muss raus": Ex-Minister Heil rechnet mit SPD-Kurs ab
Die SPD ist in der Krise, die Kritik an der Führungsspitze wächst. Jetzt schießt auch Ex-Minister Hubertus Heil gegen seine Partei. Er fordert mehr Innovation und bessere Konzepte.
Dem aktuellen ZDF-Politbarometer zufolge gibt es wenig Vertrauen, dass die Parteivorsitzenden es schaffen werden, die SPD aus der Krise zu führen. Nur 17 Prozent trauen dies Klingbeil und Bas zu.
27.03.2026 | 0:54 minNach den bitteren Wahlschlappen fordert der langjährige frühere SPD-Arbeitsminister Hubertus Heil einen radikalen Kurswechsel bei den Sozialdemokraten. Heil ruft seine Partei zu mehr Leidenschaft für neue Ideen auf. Er sagt der Deutschen-Presse-Agentur in Berlin:
Die Partei wirkt heute zu langweilig, zu behäbig und zu beliebig.
Hubertus Heil, früherer SPD-Arbeitsminister
Und weiter sagte der SPD-Politiker: Die Partei "braucht mehr Klarheit, mehr Substanz und mehr Leidenschaft".
Bärbel Bas und Lars Klingbeil wollen an der Parteispitze bleiben. Doch die SPD ringt nach den jüngsten Wahlniederlagen um ihren Kurs, so ZDF-Korrespondentin Britta Spiekermann.
23.03.2026 | 1:11 minTreffen der SPD-Spitzenkräfte
Nach mehreren verheerenden Wahlniederlagen trifft sich die SPD-Spitze um Lars Klingbeil und Bärbel Bas nun mit quasi allen, die in der Partei Rang und Namen haben, darunter Spitzenleute aus den Landesregierungen, Bundesministerien und Kommunen.
Beraten werden soll auch Klingbeils Agenda. Der Finanzminister hatte zu Reformen in großem Stil aufgerufen, wobei ausdrücklich auch "Unbequemes" zentral sei, etwa "insgesamt mehr arbeiten".
Die SPD werde zu häufig als "die Partei des Status quo wahrgenommen", sagt der SPD-Vorsitzende und Vizekanzler Lars Klingbeil. "Da will ich raus", so Klingbeil.
25.03.2026 | 7:15 minWie Heil die Vorschläge von Klingbeil findet
Heil sagt: "Der Finanzminister hat viele hoch vernünftige Vorschläge gemacht." Er begrüße auch das heutige Führungstreffen der SPD. "Ich will die Parteiführung ermutigen, neue Wege zu gehen", sagt er zugleich. Die SPD brauche neue Ideen und Konzepte.
Hubertus Heil: "Ich führe keine Personaldebatten." (Archivfoto)
Quelle: ImagoNach den SPD-Schlappen von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz war Heils Name bei Spekulationen über eine mögliche Neubesetzung der Parteispitze aufgetaucht. Der langjährige Minister und SPD-Vizechef tritt diesen entgegen und betont:
Ich führe keine Personaldebatten. Als Mitglied der SPD-Bundestagsfraktion beteilige ich mich aber an den Debatten über die Zukunft der Partei.
Hubertus Heil, früherer SPD-Arbeitsminister
Hubertus Heil gilt als entschiedener Gegner von SPD-Co-Chef Lars Klingbeil, war er doch bei der Führungsposten-Verteilung bei der jüngsten Regierungsbildung leer ausgegangen. Er sitzt im Bundestag unter anderem im Auswärtigen Ausschuss.
Finanzminister Lars Klingbeil strebt ein umfassendes Reformpaket an. "Für uns ist klar: Es muss etwas passieren", sagt die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Wiebke Esdar im ZDF.
26.03.2026 | 3:58 min"Ritualisierte Erklärungen helfen nicht"
Kritisch sieht der 53-Jährige manche Reaktionen auch aus dem Willy-Brandt-Haus oder der Bundestagsfraktion auf die Wahlniederlage. "Die ritualisierten Erklärungen der letzten Tage, die wir auch seit vielen Jahren immer wieder hören, helfen nicht", sagt Heil. "Die einen sagen, die SPD muss einfach nur mehr in die Mitte, die anderen sagen, wir brauchen ein stärkeres linkes Profil."
Tatsache sei:
Die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland haben kein klares Bild mehr, wofür die SPD steht."
Hubertus Heil, früherer SPD-Arbeitsminister
Heil beschreibt das so: "Ist sie ein allgemeiner politischer Lieferservice, der 'soziale Politik für dich' macht, oder steht sie für "schmerzhafte Reformen", ohne zu erklären, was sie damit erreichen will?"
Beides führe in eine Sackgasse. "Natürlich muss die SPD eine pragmatische Partei sein. Aber Pragmatismus ist kein Selbstzweck, sondern eine politische Methode." Deutschland brauche wieder eine stärkere Sozialdemokratie, sagt Heil. Davon sei er überzeugt. Er fordert:
Die SPD muss die Fenster weit aufmachen, um Sauerstoff reinzulassen. Der Mief muss raus.
Hubertus Heil, früherer SPD-Arbeitsminister
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