Verkehrsministerkonferenz:Bahn, D-Ticket und Führerschein: Das sind die Beschlüsse
Mehr Sicherheit im Bahnverkehr, ein günstigerer Führerschein und neue Preisregeln beim Deutschlandticket: Die Verkehrsminister haben mehrere Änderungen beschlossen. Ein Überblick.
Die Verkehrsminister und -ministerinnen der Länder haben unter anderem über die personelle Besetzung in Zügen diskutiert. (Symbolbild)
Quelle: ImagoDer tödliche Angriff auf einen Zugbegleiter im Rahmen einer Ticketkontrolle löste Anfang Februar bundesweit Entsetzen aus. Die Bahn reagierte mit verschiedenen Maßnahmen, um die Sicherheit von Beschäftigten mit Kundenkontakt zu erhöhen.
Die zentrale Forderung der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft nach Doppelbesetzungen in den Zügen wurde bisher aber nicht erfüllt. Bei der Verkehrsministerkonferenz in Lindau (Bayern) erteilten die Ministerinnen und Minister dem Anliegen eine klare Absage. Was sonst noch beschlossen wurde.
Was in Österreich schon erfolgreich Praxis ist soll nun auch in Deutschland kommen: die sogenannte Laienausbildung, also das begleitete Autofahren mit erfahrenen Privatpersonen.
26.03.2026 | 2:45 minWas ist passiert?
Der 36-jährige Zugbegleiter Serkan Çalar wollte am Abend des 2. Februars in einem Regionalzug bei Kaiserslautern einen Fahrgast des Zuges verweisen. Der damals 26 Jahre alte Mann hatte bei der Kontrolle mutmaßlich kein Ticket dabei.
Anstatt sich den Anweisungen des Zugbegleiters zu fügen, soll der Mann ihn angegriffen und mehrmals heftig mit der Faust gegen den Kopf geschlagen haben. Çalar starb zwei Tage später im Krankenhaus, laut vorläufiger Obduktion an einer Hirnblutung. Der mutmaßliche Angreifer wurde später festgenommen.
Nach den jüngsten Angriffen auf Bahnangestellte sollen Bodycams eingesetzt werden. Detlef Neuß vom Fahrgastverband "Pro Bahn" sieht das positiv: "Es dient der Dokumentation einer möglichen Straftat".
16.02.2026 | 6:55 minWelche Maßnahmen wurden ergriffen?
Die Chefin der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, lud einige Tage nach Çalars Tod zu einem Spitzentreffen mit Vertretern der Gewerkschaften, der Branche und der Politik ein. Dabei sagte sie verschiedene Schutzmaßnahmen zu: So sollen noch in diesem Jahr alle Beschäftigten mit Kundenkontakt auf freiwilliger Basis mit Bodycams ausgestattet werden, auch an den Bahnhöfen und im Fernverkehr.
Außerdem will die Bahn 200 zusätzliche Sicherheitskräfte einstellen. Die Kontrolle des Personalausweises sollen Kontrolleure nach eigenem Ermessen durchführen können.
Hat sich die Lage seither verbessert?
Der EVG zufolge nicht. Eine Umfrage der Gewerkschaft ergab kürzlich, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Beleidigungen und Bedrohungen erleben. Viele gingen mit Angst zur Arbeit. In den vergangenen Wochen gab es immer wieder Schlagzeilen nach Angriffen auf Beschäftigte im Bahnverkehr.
Derweil läuft die Verteilung der Bodycams seitens der Deutschen Bahn an diejenigen Beschäftigten, die eine möchten. Bis Mitte des Jahres sollen 50 Prozent der Kundenbetreuer im Regionalverkehr freiwillig mit einer solchen Kamera ausgestattet werden können, teilte die Bahn mit. Das wären doppelt so viele wie zu Beginn des Jahres, teilte die Bahn mit. Im Fernverkehr soll die Verteilung der Kameras demnach im Sommer beginnen.
Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter hat die Bahn neue Sicherheitsmaßnahmen angekündigt. Alle Beschäftigen mit Kundenkontakt sollen Zugang zu Bodycams erhalten.
14.02.2026 | 1:53 minWorüber diskutierten Bund und Länder?
Bei dem von Bahnchefin Palla einberufenen Bahngipfel im Februar gab es neben den Direktmaßnahmen in zentralen Fragen keine Einigung. Dazu zählt etwa die Forderung der EVG, dass künftig flächendeckend stets zwei Zugbegleiter in den Regionalzügen Tickets kontrollieren statt wie bisher oft nur einer. Hier wären auch die Aufgabenträger gefragt, die im Namen der Länder den Regionalverkehr in der Fläche organisieren und bestellen.
Bei dem Treffen wurde lediglich das Ziel bekräftigt, die Personalpräsenz durch Doppelbesetzungen erhöhen zu wollen, wie Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) damals sagte:
Die Frage ist, wie man das macht, in welchen Zügen man das macht, in welchen Zeiträumen man das macht.
Patrick Schnieder (CDU), Verkehrsminister
Eine wichtige Maßnahme wäre "die Einforderung einer Doppelbesetzung, damit niemand mehr alleine im Zug unterwegs ist", sagte Martin Burkert, Vorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, bereits im Februar.
05.02.2026 | 5:18 minWas kam bei der Verkehrsministerkonferenz herum?
Die Verkehrsminister und -ministerinnen der Länder erteilten dem Anliegen nun eine klare Absage und positionierten sich im Beschlusspapier gegen "starre bundesweite Vorgaben", was die personelle Besetzung in Zügen und an Bahnhöfen angeht. Eine generelle Doppelbesetzung mit Zugbegleiterinnen und -begleitern werde nicht angestrebt. Die Personalstärke solle "regional und bedarfsorientiert" erfolgen.
Die bisher getroffenen Sicherheitsmaßnahmen würden begrüßt, heißt es in dem Papier weiter. Außerdem sprachen sich die Ministerinnen und Minister für ein bundesweit einheitliches Waffen- und Messerverbot im Personenverkehr aus. All diese Maßnahmen seien mit erheblichen Mehrkosten verbunden. Deren Finanzierung sei durch den Bund zu klären, schreiben sie in dem Papier.
Darüber hinaus geht es in dem Beschluss um Kontrollen: Digitale Fahrausweise sollen einschließlich des Deutschlandtickets im Nah- und Regionalverkehr demnach so weiterentwickelt werden, dass konfliktträchtige Ausweiskontrollen im Zug weitgehend entbehrlich werden.
Was wurde bei der Verkehrsministerkonferenz sonst noch vereinbart?
Die Bundesländer haben einen Mechanismus für zukünftige Preissteigerungen des Deutschlandtickets vereinbart. Die Entwicklung der Personal- und Energiekosten sowie der allgemeinen Kosten werden zu unterschiedlichen Anteilen in einem Index abgebildet, wie das bayerische Verkehrsministerium mitteilte. Ab dem kommenden Jahr soll dann der Preis des Monatstickets jährlich entsprechend angehoben werden.
Quelle: AFP
Bund und Länder wollen den Erwerb des Führerscheins vereinfachen. Ziel sei ein "digitaler, bürokratiearmer und am Ende auch günstigerer" Führerschein ohne Abstriche bei der Sicherheit, erklärte Verkehrsminister Schnieder. Das Gesetz soll Schnieder zufolge noch in diesem Jahr kommen und 2027 in Kraft treten.
Geplant sind mehr digitale und flexible Lernformen von Präsenz bis Online, ein um rund 30 Prozent verkürzter Fragenkatalog sowie weniger verpflichtende Sonderfahrten: Die Zahl wird laut Schnieder von bislang zwölf auf mindestens drei verringert. Fahrschüler mit Defiziten sollten diese durch zusätzliche praktische Ausbildung ausgleichen.
Quelle: EPD
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