Bahn lädt nach Angriff auf Zugbegleiter zu Sicherheitsgipfel

Sicherheitsgipfel der Bahn:Gewalt gegen Zugbegleiter: Was ein Mitarbeiter erzählt

von Peter Böhmer

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Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz hat die Bahn zu einem Sicherheitsgipfel geladen. Was erleben Zugbegleiter und welche Forderungen gibt es?

Ein Zugbegleiter kontrolliert Reisende in einer Bahn.

Nach dem tödlichen Angriff in Rheinland-Pfalz ist ein Zugbegleiter der Eurobahn zwischen Dortmund und Münster mit Bodycam im Dienst. Er berichtet, was er auf der Strecke erlebt.

11.02.2026 | 4:21 min

Auch Chris war schockiert, als er vom Tod seines Kollegen hörte, des Zugbegleiters, der von einem Fahrgast brutal zusammengeschlagen wurde. Und doch macht Chris seinen Job gerne.

Chris ist 47, seit sieben Jahren Zugbegleiter. Er fährt für die private Eurobahn, vor allem im Ruhrgebiet. "Das war für mich ein Denkzettel", sagt er über die Tat, die seinem Kollegen in Rheinland-Pfalz das Leben nahm. "Ein Denkzettel, noch mehr zu schauen, mit wem ich Zug fahre, wie meine eigene Sicherung aussieht."

Er habe nochmal um ein Deeskalationstraining bei seinem Arbeitgeber gebeten, um auf solche Situationen noch besser vorbereitet zu sein. "Ich möchte ja abends auch noch nach Hause", sagt er.

Darum geht es ja: Meine Fahrgäste wollen sicher ankommen, aber auch ich möchte nach Feierabend zurück zur Familie.

Chris, Zugbegleiter

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Angriffe und Beleidigungen

Chris möchte seinen Nachnamen nicht veröffentlicht sehen, ein Hinweis auf die Sensibilität des Themas. Auf seinem Dienstausweis steht auch kein Name, sondern nur seine Personalnummer. Auch er wurde schon angespuckt, das findet er bis heute ekelhaft. Und er wurde auch schon angegriffen, das war am Anfang seiner Berufslaufbahn.

Der Fahrgast hatte keine Fahrkarte, und sollte den Zug verlassen. Die Stimmung eskalierte. Der Mann schlug Chris die Faust in die Rippen. Er habe zu nah bei dem Mann gestanden, sagt Chris, und ihm so den "Freiraum" genommen, die Möglichkeit, zu fliehen.

Beleidigungen seien Alltag:

Ich wurde als Nazi beschimpft, als Rassist. Aber auch Arschloch, Penner und so.

Chris, Zugbegleiter

Man müsse schon ein dickes Fell haben, sagt Chris. Er bleibe aber immer freundlich.

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Fahrgäste beobachten wachsende Aggressivität

Wenn man mit Fahrgästen spricht, wird deutlich, dass die Freundlichkeit verloren gegangen ist: "Alle sind aggressiver geworden, im Grund jeder Jahrgang", sagt Angelika, eine Frau mittleren Alters. "Man kann es auch nicht nur auf die Jungen schieben."

Alle, alle sind rücksichtsloser und aggressiver geworden.

Angelika

Steven, ein jüngerer Mann sagt: "Wenn ich abends nach Hause fahre, da sind oft Jugendgruppen unterwegs, das ist dann nicht so angenehm." Der getötete Zugbegleiter ist auch hier ein Thema: "Ich hab' Angst", sagt Marion, um die 60 Jahre alt, "nicht, dass mir sowas passiert, aber dass ich in so eine Situation komme. Ich wüsste gar nicht, was ich da tun sollte."

Sie habe schon öfter mitbekommen, wie versucht würde, den Zugbegleiter zu provozieren: "Die sind dann einfach so rüpelig, die tun so, als wenn gar nichts wäre."

Wenn der Schaffner nach der Fahrkarte fragt, die ignorieren den einfach, und dann wird es natürlich lauter.

Marion

Stefanie Hubig (SPD), Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz, kommt zu einer Sitzung des Bundeskabinetts im Bundeskanzleramt.

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter soll das Bahnpersonal besser geschützt werden. Ein entsprechender Gesetzentwurf werde derzeit überarbeitet, sagte Bundesjustizministerin Hubig.

06.02.2026 | 0:23 min

Zugbegleiter nutzt Bodycam

Chris hat seit drei Monaten eine sogenannte Bodycam dabei, für den Fall, dass eine Situation eskaliert. Die Kamera ist am Anzug befestigt, wenn er sie einschaltet, zeigt der Monitor sozusagen ein Spiegelbild: Der renitente Fahrgast sieht sich selbst. Das deeskaliert, sagt Chris: "Die Aggressoren werden dann schnell ruhiger."

Der sieht, die sehen mich und denkt: Hoppla, vielleicht sollte ich mal einen Gang runterschalten. Das ist eine tolle Erfindung.

Chris, Zugbegleiter

Er muss dem Fahrgast ankündigen, wenn er die Kamera einschaltet, und nicht nur das: Er muss laut Gesetz auch über den Datenschutz aufklären. Dafür hat er Infokarten mit Gesetzeshinweisen dabei. Man mag sich kaum vorstellen, wie das in einer brenzligen Situation funktionieren soll.

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Bei der Deutschen Bahn sind zwischen Januar und Oktober 2025 jeden Tag fünf Mitarbeiter angegriffen worden. In dieser Zeit wurden 2.987 Mitarbeiter Opfer von Körperverletzung oder Bedrohung.

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Gewerkschaften fordern Doppelbesetzung

Bei dem Sicherheitsgipfel, zu dem die Deutsche Bahn heute geladen hat, wird es auch um das Thema Doppelbesetzungen gehen: Die Gewerkschaften fordern neben der Kamera-Ausstattung, dass die Zugbegleiter zu zweit oder mehreren unterwegs sind. Chris findet das gut: "So kann man sich im Team unterstützen, man kann sich gegenseitig schützen, und die Fahrgäste finden das bestimmt auch gut, wenn wir zu zweit sind."

Chris mag seinen Job, den Umgang mit Menschen. Und jeder Tag sei anders. Er erzählt von einem Fahrgast, der sich nach einem Schicksalsschlag das Leben nehmen wollte und dann nach einem längeren Gespräch mit ihm den Gedanken aufgab. Der Zugbegleiter als Service-Mitarbeiter in vielen Lebenslagen - so sieht er sich.

Peter Böhmer berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Nordrhein-Westfalen.

Martin Burkert | Vorsitzender Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaft

Eine wichtige Maßnahme wäre "die Einforderung einer Doppelbesetzung, damit niemand mehr alleine im Zug unterwegs ist", sagt Martin Burkert, Vorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft.

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Über dieses Thema berichtete das ZDF-Mittagsmagazin am 11.02.2026 ab 12 Uhr.

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