Deutsche Bahn am Limit: Taskforce berät über weniger Züge

Fahren bald weniger Züge im Nahverkehr?:Deutsche Bahn: "Sind an zu vielen Stellen im Netz am Limit"

von Melina Möhring und Klaus Ott

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Eine vom Bundesverkehrsministerium eingesetzte Arbeitsgruppe soll ein Maßnahmenbündel für pünktliche Züge präsentieren. Kritiker befürchten dauerhaft ausgedünnte Fahrpläne.

Anzeigetafel der Deutschen Bahn mit Zufausfällen und Verspätungen

Die Deutsche Bahn soll besser werden. Besonders in Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt und München muss dringend etwas passieren. Aber nicht alle Ideen werden die Lage verbessern, fürchten Kritiker.

16.03.2026 | 4:30 min

Der Fahrplan für eine bessere Bahn in Deutschland enthält ein konkretes Datum für die Ankunft am Ziel: Freitag, 20. März. Dann soll eine Taskforce mit dem Titel "Zuverlässige Bahn" ihre Ergebnisse bei Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) abliefern. 22 kleinere und größere Maßnahmen sollen dafür sorgen, dass die Züge wieder pünktlich fahren. Schon seit vielen Monaten ist das oftmals nicht der Fall.

Ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn steht im Hauptbahnhof neben einer Lokomotive.

Das Ergebnis einer Umfrage der Gewerkschaft EVG zeigt: Bei der Bahn denkt jeder dritte Mitarbeiter über eine Kündigung nach. Viele geben den Anstieg von Unsicherheit und Gewalt als Grund an.

07.03.2026 | 0:19 min

"Reduktion des Angebots" wird in Taskforce zur Bahn diskutiert

In der vom Verkehrsministerium initiierten Taskforce, in der Bund, Länder und die Bahnbranche vertreten sind, wird heftig gestritten über den richtigen Kurs auf der Schiene. Der Fahrgastverband Pro Bahn, Verkehrsorganisationen und die beiden Gewerkschaften EVG und GDL befürchten Kürzungen vor allem beim Regionalverkehr.

Im 53-seitigen Entwurf für die Abschlusserklärung der Taskforce ist von einer "vorübergehenden Reduktion des Angebots" die Rede, wenn auch "ausschließlich als Ultima Ratio", also als letztes Mittel, und freiwillig. Die Idee dahinter: lieber weniger Züge auf dem jahrzehntelang heruntergewirtschafteten Schienennetz in Deutschland, dafür aber pünktliche Züge.

  • Joker-Gleis in Knotenbahnhöfen, das für Züge freigehalten wird, die mangels Platz sonst nicht einfahren könnten
  • Längere Züge, damit Fahrgäste noch Platz finden, falls weniger Züge fahren. Zu kurze Bahnsteige an kleinen Stationen sollen dafür provisorisch verlängert werden.
  • Schnellerer Ein- und Ausstieg der Fahrgäste durch Personal ("Reisendenlenker") am Bahnsteig
  • Bessere Steuerung der Züge durch digitale Technikzentralen
  • Bessere Information der Zugbetreiber über die Baustellen im Netz
  • Besserer Winterdienst


Bahnchefin will Änderungen im Schienennetz

Die Vorstandschefin der Deutschen Bahn (DB), Evelyn Palla, redet Klartext. Das Netz sei zu alt, es sei marode und für seinen Zustand "zu voll". Das Staatsunternehmen DB und seine Schienennetztochter DB InfraGO AG drängen darauf, das Netz zu entlasten.

Wir sind an zu vielen Stellen im Netz am Limit.

DB InfraGO AG

Die Grundsatzfrage bei der Zahl der Züge laute: "Menge oder Qualität."

Ein Zug der Deutschen Bahn.

Im vergangenen Jahr musste die Deutsche Bahn wegen Zugausfällen und Verspätungen mehr als 156 Millionen Euro an Entschädigungen zahlen. Das sind rund 41 Millionen Euro weniger als noch 2024.

16.03.2026 | 0:25 min

Pendler besonders betroffen

Vor allem die großen Bahnknoten in Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln und München müssen laut DB InfraGO AG entlastet werden. Das sind nach Angaben des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung die Städte, in denen hierzulande die meisten Menschen zur Arbeit und zurück pendeln.

Der Fahrgastverband Pro Bahn warnt davor, ausgerechnet hier Züge zu streichen. Viele Fahrgäste müssten dann auf die Straße ausweichen. Und ohne Ausbau des Streckennetzes könnte das zu einer "Dauerlösung" werden, kritisiert Pro Bahn.

Der Fahrgastverband, die beiden Bahngewerkschaften und weitere Organisationen forderten in einem Brief an das Verkehrsministerium, mit einem Ausbau des Schienennetzes die Ursachen anzugehen. Sonst werde das Feuer "eingedämmt, aber nicht gelöscht".

ÖPNV zieht Bilanz

Trotz Preiserhöhung des Deutschlandtickets erzielen die Verkehrsunternehmen Verluste. Auch das Ziel, mehr Menschen zum Umstieg auf Bus und Bahn zu bewegen, wurde verfehlt, teilt der VdV mit.

27.01.2026 | 1:47 min

Investitionen grundsätzlich nötig

Bahnexperte Christian Böttger von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin stimmt den Verbänden und Gewerkschaften zu.

Um die Eisenbahn insgesamt wieder auf Vorderbahn zu bringen, sind weiterhin Investitionen erforderlich.

Prof. Christian Böttger, Professor für Industrial Marketing, Verkehrswesen und Eisenbahn an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin

Böttger sagt aber auch: "Die Streichung einzelner Verbindungen ist für die Fahrgäste immer ärgerlich, aber dafür gewinnt man entsprechend Qualität durch Pünktlichkeit." Also lieber nur zwei Züge pro Stunde und dafür pünktlich, als drei Züge pro Stunde und jeden Tag verspätet, so Böttger.

Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, spricht am Podium bei einem Pressetermin am Berliner Hauptbahnhof am 20.02.2026-..

Bahnchefin Evelyn Palla wirbt bei den Fahrgästen um Geduld bei der Sanierung des maroden Gleisnetzes. Für die Modernisierung werde man "zehn Jahre brauchen".

02.03.2026 | 1:30 min

Kritik: Die Kürzungen könnten dauerhaft gelten

Solange nicht sicher ist, dass solche Kürzungen mit einem Ausbau des Netzes wieder rückgängig gemacht werden, bleiben Pro Bahn und andere kritisch. Staatssekretär Ulrich Lange (CSU) aus dem Verkehrsministerium, der die Taskforce leitet, stellt klar:

Dass wir die Knoten ausbauen müssen, wird vom Bund überhaupt nicht infrage gestellt.

Ulrich Lange (CSU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr

Für kleinere und mittlere Maßnahmen habe man in diesem Jahr auch Geld. Die Herausforderung sei die "mehrjährige Absicherung". Daran arbeite die Bundesregierung. Jetzt gehe es darum, den Zugverkehr schnell zu stabilisieren.

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:Ein Jahr Sondervermögen: Das Geld kommt kaum an

Die Schuldenbremse auszusetzen und ein Sondervermögen zu beschließen, war eine historische Entscheidung. Ein Jahr später ist die Bilanz durchwachsen.
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Über dieses Thema berichtete WISO am 16.03.2026 ab 19:25 Uhr.

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