Ostseeländer wappen sich gegen Bedrohung:Dobrindt: "Wir befinden uns in einem Wettrüsten"
Bedrohungen wie Anschlagsszenarien oder Desinformationskampagnen nehmen zu - sagt Innenminister Dobrindt und berät mit Kollegen der Ostsee-Anrainerstaaten über Gegenmaßnahmen.
Die Qualität und Intensität hybrider Attacken habe zugenommen, so Innenminister Dobrindt. Er spricht von einer "höheren Gefährdungssituation".
28.08.2026 | 6:49 minAuf einem Treffen in Flensburg haben die Innenminister der Ostsee-Anrainerstaaten über zunehmende hybride Bedrohungen in ihren Ländern gesprochen. Gastgeber war Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, der im Ostseeraum eine "hohe Gefährdungslage" sieht. Das Ziel der Konferenz formulierte er so: "Schneller aufklären, abschrecken, abwehren".
Im Interview mit dem heute journal erläuterte Dobrindt, die Qualität und die Intensität der hybriden Attacken sei "deutlich" gestiegen. Das nähmen auch die Kollegen wahr. Daher müsse man derzeit eine "höhere Bedrohung" vermuten.
Dobrindt: Müssen uns mit Wettrüsten auseinandersetzen
Zur Frage, wie gut Deutschland gegen solche hybriden Bedrohungen wie etwa auch den geplanten Drohnenanschlag in Leipzig aufgestellt sei, sagte Dobrindt: "Wir befinden uns in einem Wettrüsten (...) zwischen Abwehrmechanismen und immer wieder neuen Attacken." Darauf stellten sich auch "unser Gegner" und "fremde Mächte" ein. Daher müsse man sich auch mit diesem Wettrüsten auseinandersetzen. Gerade im Ostseeraum sehe man eine besondere Empfindlichkeit.
Der Ostseeraum ist ein gemeinsamer Bedrohungsraum. Und wir wollen daraus einen gemeinsamen Sicherheitsraum machen.
Alexander Dobrindt, Bundesinnenminister
Gemeinsam mit den Ostsee-Anrainer-Staaten möchte Innenminister Dobrindt Strategien entwickeln, um besser auf hybride Bedrohungen auf der Ostsee reagieren zu können.
28.08.2026 | 1:32 minZwar habe es bereits in der Vergangenheit "empfindliche Situationen" gegeben, aber die hybriden Attacken nähmen zu. "Und nicht alles, was in der Vergangenheit möglich war, wurde in der Vergangenheit genutzt", erläuterte Dobrindt. Heutzutage würden Maßnahmen ergriffen, die in der Vergangenheit "so nicht vorstellbar waren".
Konsequenzen für Anschlagsversuch von Leipzig geplant
Zu Urhebern des Anschlagsversuchs mit einer Sprengstoffdrohne am Leipziger Flughafen äußerte sich der Minister nicht. Er betonte, dass man sich noch "in der Phase der Aufklärung und Analyse" befinde. Er bekräftigte jedoch: "Man kann davon ausgehen, dass es dann zu einem Ergebnis kommt."
Der Innenminister bestätigte die Forderung von Kanzler Friedrich Merz, dass es für diese Tat auch Konsequenzen geben müsse. Aber erst müsse man Klarheit schaffen "und dann müssen Konsequenzen folgen." Details wollte er jedoch nicht nennen. Man werde beides zu gegebenem Zeitpunkt öffentlich machen. Konsequenzen müsse man aber mit den Partnern abstimmen und diese müssten auch "wirkungsvoll" sein.
Nach dem Fund einer mit Sprengstoff und Zünder präparierten Drohne am Flughafen Leipzig/Halle läuft die Suche nach den Tätern und möglichen Drahtziehern. Offenbar war es nicht die einzige Drohne.
26.08.2026 | 22:37 minDobrindt über Russland: Man will uns "gesellschaftlich bezwingen"
Mögliche Konsequenzen lägen etwa im diplomatischen Bereich oder in der Unterstützung der Partner, die "bisher uns dabei helfen, hybride Bedrohungen zu reduzieren oder eine Gegenwehr zu organisieren". Dafür gebe es ein Portfolio. Das sei aber immer abgestuft und abhängig von der Eskalationsstufe. Dobrindt räumte jedoch ein:
Wir sehen ja auch eine Eskalation - jetzt schon gerade zu einem Zeitpunkt, wo wir noch nicht über Konsequenzen nachgedacht, beziehungsweise sie noch nicht gezogen haben.
Alexander Dobrindt, Bundesinnenminister
Dobrindt äußerte sich auch nicht zu möglichen Szenarien Russlands der Nato gegenüber. Aber er betonte: "Ich bin der Überzeugung, dass es nicht darum geht, uns militärisch zu besiegen." Er glaube aber "sehr wohl, dass man uns politisch und gesellschaftlich bezwingen will".
Daher gebe es solche hybriden Attacken und Versuche, mit Desinformation eine Destabilisierung zu erreichen. Diese Strategie müsse man identifizieren und versuchen abzuwehren.
Deutsche Ermittlungsbehörden beobachten vor den Landtagswahlen im September russische Desinformationskampagnen. Betroffen seien alle Parteien außer AfD und BSW.
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Der Austausch der Anrainerstaaten auf der Konferenz in Flensburg hatte zum Ziel, der Destabilisierung der Gesellschaften und der Demokratie etwas entgegenzusetzen. Das hatte Dobrindt zuvor in einer Pressekonferenz betont und die Bedrohungslage skizziert: Eindringen feindlicher Drohnen, Anschlagsversuche, Sabotageakte und Destabilisierungskampagnen. Er resümierte: "Wir müssen uns darauf einstellen, dass sich die hybride Bedrohungslage weiter verschärft."
An der Konferenz in der Marineschule Flensburg hatten Vertreter der Innenministerien der Ostsee-Anrainerstaaten und Islands teilgenommen. Die geplante Taskforce soll nun auf Staatssekretärsebene eingerichtet werden.
Mit Blick auf die Drohnenabwehr drang Dobrindt darauf, dafür zusätzliche Mittel im neuen mehrjährigen EU-Finanzplan zur Verfügung zu stellen, über den derzeit verhandelt wird. Dobrindt kündigte ein baldiges weiteres Ministertreffen der Ostsee-Anrainerstaaten an. Dann solle der Fokus auf dem Umgang mit der sogenannten russischen Schattenflotte liegen.
Das Interview im heute journal führte Moderatorin Dunja Hayali, zusammengefasst hat es Michaela Schmehl, ergänzt mit Material von AFP.
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