Warum reiste der CIA-Chef nach Russland?:Aus diesen Gründen hält Putin die Nato gerade für schwach
von Nils Metzger
Was steckt hinter der Reise von CIA-Direktor Ratcliffe nach Moskau? Womöglich wollte er Putin von der militärischen Stärke der Nato überzeugen. Warum das gerade jetzt nötig ist.
CIA-Chef Ratcliffe soll Russland in Moskau vor einem Angriff auf einen Nato-Staat gewarnt haben. Der Kreml weist die Berichte zurück und bezeichnet sie als "Schauergeschichte".
27.08.2026 | 1:17 minDer Besuch von CIA-Direktor John Ratcliffe in Moskau am Dienstag kam überraschend. Seitdem diskutieren Experten die möglichen Gründe für die Reise. Der letzte bekannte Besuch eines US-Geheimdienstchefs in Russland war im November 2021 - damals, um vergeblich vor einer Invasion der Ukraine zu warnen.
Offizielle Angaben zu den Inhalten des Treffens gibt es bislang nicht, bei einer Pressekonferenz am Donnerstag wollte sich Präsident Donald Trump nicht zu Details äußern und bezeichnete es als "halb routinemäßig".
Mehrere US-Medien, darunter das "Wall Street Journal" und die "New York Times", berichteten nun, dass Ratcliffe das Ziel hatte, Wladimir Putin vorbei an dessen Beratern einen ungeschönten Lagebericht zur Ukraine zu liefern und Russland zu warnen, gegen Europa militärisch oder mit hybriden Angriffen zu eskalieren. Der Kreml dementierte diese Berichte als "alarmistisch".
Warum war diese Warnung des CIA-Chefs nötig?
Russlands Krieg in der Ukraine ist weiterhin ein verlustreiches Patt ohne schnelle militärische oder politische Lösung. Eine Sorge von Analysten ist, dass Putins Umfeld dem Präsidenten lediglich eine geschönte Version der Ereignisse übermittelt - und das Putin sowohl überzeugt, den Krieg fortzuführen wie auch eine weitere Eskalation mit der Nato zu suchen.
Dass das Nato-Militärbündnis inklusive der USA auf dem Papier in vielen Bereichen Russland weit überlegen ist, könnte sekundär werden, wenn Putin selbst von dieser Lage nicht überzeugt wäre. Ein Anliegen Ratcliffes vor Ort könnte darum gewesen sein, eine glaubwürdige Abschreckung wiederherzustellen.
Nach dem Besuch des CIA-Chefs Ratcliffe in Moskau bleiben viele offene Fragen. Was können die USA in Russland überhaupt noch erreichen? ZDFheute live analysiert mit einem ehemaligen US-General.
27.08.2026 | 32:10 minWarum Putin die Nato für schwach halten könnte
Problematisch für die europäischen Nato-Staaten ist, dass die aktuelle US-Administration unter Trump vieles darangesetzt hat, diese Abschreckungswirkung der USA in Putins Augen zu demontieren.
- Trumps wiederholte Aussagen, im Ernstfall nicht mehr bedingungslos zum Nato-Bündnis stehen zu wollen
- Die verschiedenen Pläne zum Abzug von US-Kräften aus Europa
- Eine ausbleibende harsche Reaktion auf hybride Operationen gegen europäische Staaten
- Der massive Einsatz strategisch wichtiger Waffensysteme im Krieg gegen Iran
Besonders den letzten Punkt dürften russische Militärs genau studieren. Gegen Iran haben die USA Hunderte präzise Lenkwaffen und andere Spezialmunition eingesetzt. Solche Rüstungsgüter sind teuer und zeitaufwändig in der Herstellung. Mehrfach berichteten US-Medien über Generäle, die auf Trump und sein Umfeld einwirkten, weitere Angriffe auf Iran zurückzufahren, um die Munitionsbestände nicht noch weiter zu strapazieren.
Gleichzeitig müssen für einen potenziellen Konflikt um Taiwan Abfangraketen und Lenkflugkörper zurückgehalten werden. Die technologische Überlegenheit der Nato geht verloren, wenn nach wenigen Tagen nur noch handverlesene Stückzahlen verfügbar sind. Gleichzeitig können Soldaten und Panzer am Boden ihre Stärken nicht ausspielen, wenn sie nicht vor Bedrohungen aus der Luft geschützt sind.
Neue Satellitenbilder sollen zeigen, wie Russland seine Militärpräsenz nahe Finnland ausbaut. Wie sich Europa und die Nato auf mögliche russische Angriffe vorbereiten – ZDFheute live ordnet ein.
16.07.2026 | 35:58 minFehlende Raketen machen Europa erpressbar
Dass die USA weniger willens sind, für Europas Stabilität und Sicherheit einzustehen, hatte sich lange angekündigt und wurde europäischen Entscheidern bei der Rede von Vizepräsident JD Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2025 deutlich vor Augen geführt.
Anfang Mai 2026 kündigte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth den Abzug von 5.000 US-Soldaten aus Deutschland an. Auch eine 2024 beschlossene Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Hessen soll nun doch nicht kommen. Vor allem letzteres hinterlässt eine kritische Lücke, denn Raketen dieser Art hat Deutschland aktuell nicht. Nach Ende des Kalten Kriegs hat sich ganz Europa solch weitreichender Waffen weitgehend entledigt.
Russland hingegen bestätigte 2018 die Stationierung von Raketen in der Exklave Kaliningrad, von wo aus sie auch Berlin erreichen könnten. Die Nato hingegen verfügt über kaum Waffensysteme in Europa, die Moskau oder Russlands industrielle Zentren erreichen könnten. Das birgt Potenzial für politische Erpressung und könnte Staaten im Ernstfall davon abhalten, schnell auf einen russischen Angriff zu reagieren.
An der Grenze zu Kaliningrad helfen Bundeswehr-Pioniere beim Ausbau des "Eastern Shield". Panzersperren, Gräben und Bunker sollen die Nato-Außengrenze schützen und einen möglichen Angriff verzögern.
20.08.2026 | 2:34 minDie nächsten Jahre sind ein kritisches Zeitfenster
Schon Putins Invasion der Ukraine hatte gezeigt, dass es bei der Frage von Krieg und Frieden um subjektive Kalkulationen geht: Russlands Präsident glaubte, dass er Kiew innerhalb weniger Tage übernehmen könne. Ähnlich könnte er in den nächsten Jahren auch glauben, dass er mit einer begrenzten militärischen Operation gegen die baltischen Staaten durchkommen könnte. Dass die Nato nicht in der Lage wäre, schnell genug zu reagieren, bis seine Soldaten bereits Fakten geschaffen hätten.
Dass Putin wegen Russlands Schwäche in der Ukraine garantiert keinen Krieg gegen die Nato beginnen würde, kann ein Trugschluss sein. Mit ihrem wankelmütigen Agieren hat die Trump-Administration das Fenster für einen womöglich aus Putins Augen machbaren, limitierten Krieg weiter geöffnet.
Die Vereinbarung mit den USA darüber verkündete Kanzler Merz (CDU) in seiner Regierungserklärung. Außerdem warb Merz eindringlich für den Reformkurs der schwarz-roten Koalition.
09.07.2026 | 2:15 minBis Europa selbst eine ausreichend abschreckende Wirkung entfaltet, dürfte es noch dauern. Zwar rüstet der Kontinent massiv auf, doch ähnlich wie beim Aufbau der Bundeswehr ab den 1950er Jahren dürfte es auch jetzt bis hinein in die 2030er Jahre dauern, bis in allen Bereichen belastbare Fähigkeiten in der Landes- und Bündnisverteidigung gewachsen sind. Dass bei mehreren Übungen ukrainische Drohnen-Teams zuletzt Nato-Truppen wiederholt besiegen konnten, könnte Putin als weiteres Zeichen der Überlegenheit interpretieren.
Im kritischen Bereich Mittelstreckenraketen arbeiten mehrere europäische Staaten, darunter Deutschland, seit 2024 an einer Eigenentwicklung, dem European Long-Range Strike Approach (ELSA). Der Zeitplan für das Projekt ist noch unklar. Zur Überbrückung hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Juli den Kauf von Tomahawk-Marschflugkörpern in den USA verkündet. Auch hier dürfte bis zur Lieferung jedoch Zeit vergehen, die Fertigungskapazitäten beim Hersteller Raytheon sind über Jahre ausgelastet. Mitte August bestellte allein die US-Marine Tomahawks im Wert von 22,9 Milliarden Dollar.
Ursprünglich sollten die Tomahawks gratis geliefert werden, so ZDF-Korrespondentin Diana Zimmermann. Außerdem werde bis zur ersten Lieferung noch viel Zeit vergehen.
09.07.2026 | 1:38 minMilitärische Schwäche diplomatisch ausgleichen
In den kommenden Jahren ist Europa deshalb besonders verwundbar. Zuletzt haben die USA mit ihrem Agieren deutlich dazu beigetragen. Glaubhafte Abschreckung besteht immer aus militärischer Stärke und politischem Willen.
Mit seiner Reise nach Moskau wollte CIA-Direktor Ratcliffe die Schwäche auf der einen Seite womöglich mit einer starken Botschaft auf der anderen aufwiegen. Europa hofft, dass das wirkungsvoller war als der letzte Besuch eines CIA-Chefs.
Putin, Europa und die USA
EU-Ratspräsident in Kiew:Costa: Druck auf Russland erhöhen, bis das Töten endet
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von Julia Rech und Ulf Röllermit Video1:51Ex-Nato-General Egon Ramms:Militärexperte: Trump kann nicht ohne die Nato
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