CDU-Wirtschaftsrat erntet Kritik: Von "absurd" bis "verstörend"

Zahnarzt selbst zahlen?:Kritik an CDU-Wirtschaftsrat: Von "absurd" bis "verstörend"

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Der CDU-nahe Wirtschaftsrat sorgt mit Vorschlägen zu Sozialreformen für Kritik und Fassungslosigkeit - auch in der Partei. Die Bundesregierung distanziert sich, Verbände warnen.

 Ein Logo der CDU steht vor einem Fenster auf dem Landesparteitag der CDU Niedersachsen.

Der Wirtschaftsrat der CDU fordert unter anderem eine zukünftige Steuersenkung, um den Anstieg der Sozialabgaben zu verhindern.

01.02.2026 | 0:22 min

Mit seinem Vorschlag, Zahnarzt-Behandlungen aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen, stößt der Wirtschaftsrat der CDU auf breite Kritik - auch aus der eigenen Partei.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) erteilte dem Vorstoß des CDU-nahen Unternehmerverbandes eine kategorische Absage. Sie schloss aus, dass Zahnarztleistungen nicht mehr durch die gesetzliche Krankenversicherung erstattet werden. Dies würde "eine Abkehr des Kerngedankens unseres Solidarsystems" bedeuten. Zudem widerspreche dies "dem Ziel, Prävention zu stärken".

Bundestag, Nina Warken (CDU), Bundesministerin für Gesundheit

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) stellt klar: Die Forderungen des CDU-Wirtschaftsrats werden nicht umgesetzt.

Quelle: dpa

Bundesregierung erteilt Wirtschaftsrat Absage

Auch die Bundesregierung wies den Vorschlag, dass Patienten künftig Zahnarztkosten selbst übernehmen sollen, zurück. Der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer betonte am Montag in Berlin:

Derartige Pläne gibt es in der Bundesregierung nicht.

Steffen Meyer, stellvertretender Regierungssprecher

Berlin: Bärbel Bas (SPD), Bundesministerin für Arbeit und Soziales, steht während der Übergabe des Berichts der Kommission zur Sozialstaatsreform mit den Kommissionsmitgliedern im Arbeitsministerium.

Wie den Sozialstaat zukunftssicher machen? Die 26 Empfehlungen der Kommission will Bundesarbeitsministerin Bas umsetzen – ohne Leistungskürzungen und bei gleichem Schutzniveau.

27.01.2026 | 2:46 min

Auch Bundesfinanzminister und SPD-Chef Lars Klingbeil reagierte ablehnend. Er könne über manche Vorschläge nur den Kopf schütteln, sagte der Vizekanzler bei einem Besuch in Warschau.

Ich glaube nicht, dass wir in unserem Land wollen, dass man am Zustand der Zähne ablesen kann, wie der Geldbeutel ausgestattet ist.

Lars Klingbeil (SPD), Bundesfinanzminister

Bundesfinanzminister Lars Klingbei bei "maybrit illner" moderiert von Shakuntala Banerjee

"Wir können nicht 60 Milliarden sparen und keiner kriegt das mit", sagte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) bei "maybrit illner".

29.01.2026 | 1:04 min

Der CDU-Wirtschaftsrat gehört nicht zur CDU, sondern ist eine CDU‑nahe Lobbyorganisation von Unternehmen. Er ist rechtlich selbstständig, darf aber mit Zustimmung der Partei den Namen CDU tragen. Der Wirtschaftsrat versteht sich als Interessenvertretung der Sozialen Marktwirtschaft. Gegründet wurde er 1963 auf Anregung von Ludwig Erhard und vertritt nach eigenen Angaben rund 13.000 Unternehmen.


Quelle: AFP


CDU-Spitzenkandidat nennt Vorschläge "absurd"

Vor den anstehenden Landtagswahlen warnten führende CDU-Politiker davor, die Bürgerinnen und Bürger mit derartigen Forderungen zu vergraulen. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann warnte im "Stern" gar vor einem Vertrauensverlust in der Bevölkerung. Der rheinland-pfälzische CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder wies die Forderung nach Streichung von Zahnarztleistungen als "absurd" zurück.

Scharfe Kritik kommt auch von Arbeitnehmervertretern in der Union. Der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion, Stefan Nacke, warf dem CDU-Wirtschaftsrat vor, "den Sozialstaat als Steinbruch zu präsentieren, ohne dabei ein wirtschaftspolitisches Konzept erkennen zu lassen".

Christian Sievers und Bärbel Bas

Die Sozialreform ist ein "enormer Kraftakt", sagte Arbeitsministerin Bas (SPD) im ZDF.

27.01.2026 | 7:23 min

Opposition sieht "Großangriff auf Daseinsvorsorge"

Auch aus der Opposition kommt weiter scharfe Kritik. Linken-Fraktionschef Sören Pellmann wies die Sparvorschläge des Wirtschaftsrats scharf zurück. Die Forderungen seien "ein Großangriff auf unsere Daseinsvorsorge und damit auf fast alle Menschen im Land", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Grünen-Fraktionsvize Andreas Audretsch erklärte:

Jetzt will die CDU, dass man wieder an den Zähnen erkennt, ob Menschen arm oder reich sind.

Andreas Audretsch, stellv. Fraktionsvorsitzender der Grünen

Partygäste halten am in Berlin Gläser mit Prosecco in den Händen.

Immer mehr Menschen sind auf Hilfe angewiesen, gleichzeitig wächst das Vermögen der Reichsten immer schneller, so ein Oxfam-Bericht.

19.01.2026 | 2:27 min

Sozialverband Deutschland: Papier ist "verstörend"

Ärzte-Verbände kritisieren den Vorstoß als "medizinisch falsch, unsozial und ökonomisch kurzsichtig". Eine Ausgliederung der Zahngesundheit aus der gesetzlichen Krankenversicherung wäre nach Auffassung der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) und der Bundeszahnärztekammer mit erheblichen Folgekosten für das Gesundheitssystem verbunden und damit für die gesamte Bevölkerung.

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) nannte das Papier "unsozial" und "verstörend". Ein Ausschluss der Zahnversorgung aus der Krankenversicherung etwa würde die bereits bestehende Zwei-Klassen-Medizin noch befeuern, sagte die Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier den Zeitungen der Funke Mediengruppe:

Vermögende hätten schöne Zähne, Bedürftige noch mehr Lücken.

Michaela Engelmeier, SoVD

Quelle: AFP, Reuters, dpa, KNA
Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen, etwa heute Xpress am 01.02.2026 ab 16:50 Uhr und das heute journal am 01.02.2026 ab 21:45 Uhr.

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