Agenda 2030 der CDU: Merz' Wette auf die Zukunft

Analyse

CDU stellt "Agenda 2030" vor:Merz' Wette auf die Zukunft

karl-hinterleitner

von Karl Hinterleitner

|

Die Union zieht mit einer Agenda 2030 in den Wahlkampf und verspricht Wirtschaftswachstum. Der Begriff erinnert an Ex-Kanzler Schröder - und auch die Agenda selbst birgt Risiken.

Zwei Prozent Wachstum sollen es wieder werden, das nennt die CDU in ihrer Agenda 2030 als Ziel. Angesichts der negativen Zahlen der vergangenen Jahre scheint das wie ein ferner Traum.

Die Agenda 2030 soll die Kräfte der Wirtschaft entfesseln und neue Dynamik in die Konjunktur bringen. Steuersenkungen bei Einkommen und Unternehmen, Bürokratieabbau und strengere Regeln beim Bürgergeld sollen es richten.

Begriff erinnert an Schröders Agenda 2010

Schon der Begriff Agenda lässt aufhorchen, eine Leihgabe ausgerechnet beim ehemaligen SPD-Kanzler Gerhard Schröder. Fördern und Fordern war die Zauberformel seiner Agenda 2010, Schröder wollte dem Einzelnen auch etwas zumuten. Damals betraf das den starren Arbeitsmarkt.

Die Union zielt heute auf die gesamte Wirtschaft, aber die Botschaft ist ähnlich: Mehr Leistungsbereitschaft, weniger Subventionen, mehr Technologieoffenheit beim Klimaschutz - also auch keine Totalabkehr vom Verbrenner. Beide Agenden atmen den Geist des Umbruchs, auch des Ärmelhochkrempelns.

Kann der Unions-Plan funktionieren?

Bei den Unionsplänen stehen vor allem Deregulierung und Leistungsanreize durch Steuersenkungen im Zentrum. Ob das funktioniert? Es ist eine Glaubensfrage. Rund 40 Milliarden Euro sollen die Maßnahmen der Union in Form von Steuerausfällen kosten.

Die Gegenrechnung ist das Wachstum von zwei Prozent. Das entspräche etwa 80 Milliarden Euro. Erreicht die Agenda ihr Ziel und erzeugt sie dieses Wachstum tatsächlich, dann finanziert sich laut Union alles von selbst. Es bliebe sogar ein Plus von rund 40 Milliarden Euro übrig, die Bürger würden entlastet.

Ökonomen bei Bewertung uneinig

Da aber gehen die Meinungen auseinander: Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm sagt:

Es ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Veronika Grimm, Wirtschaftsweise

Und weiter: "Wir brauchen eine solche ökonomische Wende, um den geopolitischen Herausforderungen zu begegnen."

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), widerspricht:

Die Union setzt für Deutschland unrealistische Ziele, die mit ihrem Programm nicht werden erreicht werden können.

Marcel Fratzscher, DIW-Präsident

Fratzscher weiter: "2 Prozent Wirtschaftswachstum sind illusorisch, vor allem wenn die Union weiterhin eng an der Schuldenbremse festhält und Investitionen geschwächt werden. Die Umverteilung von Arm zu Reich, die das Programm der Union bedeutet, dürfte die sozialen Konflikte in Deutschland weiter verschärfen."

Habeck: "Maulheldentum aus Bayern"

"Markus Söder macht gedanklich einen schweren Fehler, wenn er glaubt, das Land würde besser regierbar sein, indem man die Position der Rechten übernimmt", so Robert Habeck (B‘90/Die Grünen), Kanzlerkandidat und Vizekanzler.

07.01.2025 | 9:13 min

Warum eine Prognose schwerfällt

Wo die Wahrheit genau liegt, weiß niemand. Rahmenbedingungen wie die Energiepreise oder Entwicklung in China, vor allem aber in den USA, lassen sich jetzt unmöglich genau vorhersagen. Auf sie kommt es aber nun einmal an - mehr als auf jede nationale Wirtschaftspolitik.

Letztlich bleibt es eine Glaubensfrage, genau wie bei Schröder damals, dessen Agenda bis heute umstritten ist: Wirtschaftlich war sie ein Erfolg. Es herrscht weitgehend Einigkeit, dass die Agenda 2010 die Arbeitslosigkeit reduziert und das Land wettbewerbsfähiger gemacht hat.

Dobrindt: "Politikwechsel muss gelingen"

"Wir wollen eine maximale Zustimmung für CDU und CSU haben", so Alexander Dobrindt (CSU), Vorsitzender Landesgruppe im Bundestag, "wir werben für uns und für keinen Koalitionspartner".

06.01.2025 | 6:10 min

Merz' riskantes Spiel

Politisch kamen die Zumutungen dagegen nicht gut an. Schröder spaltete damit die SPD und verlor seine Kanzlerschaft, Angela Merkel regierte danach 16 Jahre lang.

Jetzt soll also eine neue Agenda das Kanzleramt für Friedrich Merz bringen. Ein riskantes Spiel. Und die Wette darauf, dass die Wähler an die Wirkung von Agenden glauben.

Stimmung in Deutschland
:Bundestagswahl: So steht es in der letzten Umfrage

Welche Partei führt in den Umfragen zur Bundestagswahl? Wen hätten die Deutschen am liebsten als Kanzler? Welche Koalitionen wären möglich? Die wichtigsten Zahlen im Überblick.
von Robert Meyer
Ein Diagramm von den Verteilungen der Parteien in den Umfragen. Im Hintergrund weht vor dem Bundestag eine Deutschland-Fahne

Nachrichten zur Bundestagswahl

  1. Politbarometer Grafik

    Nachrichten | heute - in Deutschland:Keine Mehrheit für Union und SPD

    von Udo Harnach
    Video1:49

  2. Hybride Bedrohungen und Cyberangriffe

    Cyberangriffe und Desinformation:Bundesregierung beschuldigt Russland

    Video0:27

  3. Friedrich Merz, Markus Söder und Lars Klingbeil

    Union und SPD vor Koalitionsausschuss:Worum Schwarz-Rot vor Weihnachten noch ringt

    mit Video2:28

  4. Amira Mohamed Ali (l) und Fabio de Masi (r) freuen sich über ihr Wahlergebnis auf dem 3. Bundesparteitag vom Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW).

    Parteitag beschließt Namensänderung:De Masi und Mohamed Ali bilden neue BSW-Spitze

    mit Video1:39

  5. Sahra Wagenknecht, Vorsitzende des BSW, spricht auf dem 3. Bundesparteitag der Partei «Bündnis Sahra Wagenknecht» zu den Delegierten.

    Nachrichten | heute:BSW trifft sich zum Bundesparteitag

    von Andrea Maurer
    Video1:39

  6. Sahra Wagenknecht (M, BSW Bündnis Sahra Wagenknecht), Bundesvorsitzende, nimmt zwischen Fabio De Masi (l) und Amira Mohamad Ali, BSW Bundesvorsitzende, an einer Pressekonferenz zur Neuaufstellung des BSW teil.

    Einspruch des BSW gescheitert:Ausschuss: Bundestagswahl muss nicht neu ausgezählt werden

    mit Video0:29

  7. Sahra Wagenknecht zwischen Fabio De Masi und Amira Mohamad Ali

  8. Gruppe an Leuten mit ihren Smartphones
    Grafiken

    Schlagzeilen, Promis und mehr:Google-Suche 2025: Was besonders im Trend lag

    von Lukas Wagner
    mit Video2:31