Neue Rekruten-Zahlen: Kiesewetter fordert Wehrpflicht-Einführung

Nach neuen Bundeswehr-Zahlen:Kiesewetter fordert Einführung der Wehrpflicht

von Johannes Lieber und Dominik Rzepka

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Nur 530 der fast 300.000 kontaktierten 18-Jährigen sind bisher für den freiwilligen Wehrdienst rekrutiert worden. Für CDU-Politiker Kiesewetter braucht es deshalb neue Maßnahmen.

Medientag zur Basisausbildung bei der Bundeswehr, aufgenommen am 13.11.2025

Rund fünf Monate nach Beginn der Wehrerfassung aller 18-Jährigen zieht das Verteidigungsministerium Bilanz: Knapp 300.000 Briefe wurden verschickt, 530 der Angeschriebenen wurden rekrutiert.

24.06.2026 | 0:35 min

Angesichts der am Mittwoch veröffentlichten Zahlen zu den neuen Rekruten der Bundeswehr steht für Verteidigungspolitiker Roderich Kiesewetter fest: "Freiwilligkeit reicht nicht".

Wegen der "Bedrohungslage und Eilbedürftigkeit" brauche es jetzt die Wiedereinführung der Wehrpflicht, forderte der Politiker aus der CDU im Gespräch mit ZDFheute.

Bundeswehr sieht Erfolg

Anfang des Jahres hatte das Verteidigungsministerium Briefe an knapp 300.000 18-Jährige geschickt. Nur 530 von ihnen haben sich bisher für den Wehrdienst verpflichten lassen - ein Anteil von 0,18 Prozent. Die Bundeswehr spricht trotzdem schon jetzt von einem "erfolgreichen Start".

Rund 11.000 Neueinstellungen seit Jahresbeginn kann die Truppe vermelden, eine Steigerung von 13 Prozent zum Vergleichszeitraum im "Rekordjahr" 2025. Darunter sind aber nicht nur Soldaten, sondern auch andere Berufsgruppen.

Mitarbeiter überprüfen die Broschüren für die ersten Briefe mit für den neuen Wehrdienst.

Deutschlandweit macht sich unter Jugendlichen Protest gegen die Wehrpflicht breit, auch mit Schulstreiks. Anlass für eine Bestandsaufnahme unter anderem in einer Schulklasse.

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Kiesewetter präferiert Dienstpflicht

Für Kiesewetter ist "von Anfang an" klar gewesen, dass das freiwillige Modell "nicht ausreicht". Noch besser als eine Wehrpflicht wäre laut dem Verteidigungspolitiker die Einführung eines allgemeinen Pflichtdienstes, der auch Frauen einschließt. Dafür wäre im Bundestag allerdings eine Zweidrittelmehrheit notwendig, was derzeit nicht absehbar ist.

Die Wiedereinführung der Wehrpflicht für Männer, die aktuell nur ausgesetzt ist, wäre dagegen mit einfacher Mehrheit möglich.

Feierliches Geloebnis der Rekruten anlaesslich 70 Jahre Bundeswehr auf dem Mariahilfplatz  in Muenchen

Seit 1955 gibt es die Bundeswehr, ein Jahr später kam die Wehrpflicht. Doch wie einsatzbereit war die Truppe über die Jahrzehnte – und wie steht sie heute da?

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AfD macht SPD verantwortlich

Auch die AfD hält den aktuellen Aufwuchs der Bundeswehr für zu gering. Ihr verteidigungspolitischer Sprecher im Bundestag, Jan Nolte, sagte ZDFheute:

Mit diesen Zahlen ist eine glaubwürdige Reserve nicht aufzubauen.

Jan Nolte, AfD

Mitverantwortlich dafür sei die SPD. Sie hätte die "Liebe zu Deutschland" jahrelang als "naiv und gefährlich" abgetan und die Verteidigungsbereitschaft des Landes so "untergraben", sagte Nolte.

Boris Pistorius (SPD), Bundesverteidigungsminister, spricht beim Tag der Bundeswehr mit Soldaten der Schnellen Einsatzkräfte Sanitätsdienst (SES). Bei der Veranstaltung öffnet die Truppe einmal im Jahr für Interessierte ihre Tore an verschiedenen Standorten.

Mehr Austausch, mehr Verständnis: Boris Pistorius sieht im "Tag der Bundeswehr" eine wichtige Brücke zwischen Truppe und Gesellschaft und wirbt für stärkeren Zusammenhalt.

06.06.2026 | 2:26 min

SPD: Für Bewertung noch zu früh

Der SPD-Abgeordnete Christoph Schmid hingegen äußerte sich positiv überrascht, dass bisher viele 18-Jährige geantwortet hätten. Für Frauen ist dies freiwillig, Männer müssen den Fragebogen ausfüllen. Laut Verteidigungsministerium kamen dem 96 Prozent der angeschriebenen Männer nach sowie rund vier Prozent der adressierten Personen anderen Geschlechts (Frauen, divers).

Es sei aber noch zu früh, eine abschließende Bewertung vorzunehmen, sagte Schmid ZDFheute:

Die Zahl der aktuellen Einplanungen ist aus meiner Sicht kein Gradmesser für den künftigen Aufwuchs.

Christoph Schmid, SPD

Viele der Angeschriebenen befänden sich noch in schulischer oder beruflicher Ausbildung. Sie könnten erst später eingeplant werden. Es sei allerdings wichtig, den weiteren Verlauf genau im Blick zu behalten, um den Aufwuchs bei Bedarf rechtzeitig mit weiteren Maßnahmen oder Anreizen weiter stärken zu können.

Grundsätzlich sei es wichtig, nicht allein auf Wehrdienstleistende zu schauen. "Denn die deutlich größere vor uns liegende Herausforderung ist es, genügend neue Soldat:innen auf Zeit oder Berufssoldat:innen zu finden", teilte Schmid mit.

Archiv: Boris Pistorius (SPD), Bundesminister der Verteidigung, beantwortet die Fragen der Medienvertreterinnen und Medienvertreter nach seinem Besuch in der Führungsakademie der Bundeswehr in der Clausewitz-Kaserne am 27.10.2023, Hamburg

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Noch große Lücke zum Nato-Ziel

Um die Ziele der Nato zu erfüllen, benötigt Deutschland bis Mitte der 2030er Jahre mehr als 60.000 zusätzliche Soldatinnen und Soldaten. Trotz der bisher eher geringen Einschreibung von 18-Jährigen geht das Verteidigungsministerium derzeit davon aus, dass die "Aufwuchsziele" für dieses Jahr erreicht werden, wie es in einer Pressemitteilung hieß.

Sollte das Nato-Ziel in Gefahr geraten, hatte auch Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) die Rückkehr zur Wehrpflicht zuletzt nicht ausgeschlossen.

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Über dieses Thema berichtete das heute journal am 24.06.2026 ab 21:45 Uhr.

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