Fragebogenrücklauf zum neuen Wehrdienst:Etwa 530 18-Jährige wollen bisher freiwillig zum Bund
von Christiane Hübscher
Seit Januar lässt Boris Pistorius die 18-Jährigen anschreiben: Kommst Du freiwillig zum Bund? Die ersten Rücklaufzahlen der Fragebogenaktion wirken ernüchternd.
Quelle: dpa
Rund fünf Monate nach Beginn der Wehrerfassung aller 18-Jährigen zieht das Verteidigungsministerium eine erste Bilanz: Knapp 300.000 Briefe wurden verschickt an alle jungen Männer und Frauen, die dieses Jahr volljährig werden. Darin wird ihr Interesse am neuen Freiwilligen Wehrdienst, der mindestens sechs Monate dauert, abgefragt. Männer müssen den dazugehörigen Fragebogen ausfüllen, Frauen dürfen - ohne Verpflichtung.
Aus diesem Pool konnten bisher etwa 530 rekrutiert werden, die ihren Wehrdienst in diesem Jahr antreten. Das sind etwa 0,16 Prozent aller Angeschriebenen.
Am 6. Juni öffnet die Universität der Bundeswehr ihre Türen für ein großes Event. Beim "Tag der Bundeswehr“ soll gezeigt werden, was den Dienst ausmacht – und neue Interessierte gewinnen.
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Nach Angaben des Ministeriums hätten via Fragebogen etwa 25 Prozent der jungen Männer erstes Interesse an der Bundeswehr gezeigt. Diese Gruppe sei telefonisch kontaktiert worden, danach seien noch 12,5 Prozent weiterhin interessiert gewesen.
Von diesen seien dann 1.500 gemustert worden, davon wurden 80 Prozent wehrdienstfähig gemustert und etwa 530 von ihnen hätten am Ende eine feste Einstellungszusage bekommen. Das Ministerium betont, dass viele der angeschriebenen 18-Jährigen noch in Schule oder Ausbildung steckten und deswegen nicht verfügbar seien.
Pistorius lässt sich in Munster die Leistungsfähigkeit des Deutschen Heeres vorführen. Im Mittelpunkt die Frage, wie kriegstüchtig die Bundeswehr im Ernstfall derzeit wirklich ist.
04.05.2026 | 2:28 minMinisterium dennoch zufrieden mit Truppenzuwachs
Unabhängig von den 18-Jährigen aber wächst die Truppe nach Angaben des Ministeriums. So hätten sich im ersten Halbjahr insgesamt rund 10.000 Interessenten anderer Altersgruppen zum Freiwilligen Wehrdienst gemeldet, das sind acht Prozent mehr als im letzten Jahr. Die Abbruchquote bleibt jedoch hoch, so beendet im Schnitt jeder Vierte den Wehrdienst vorzeitig.
Insgesamt liege die Personalgewinnung der Bundeswehr zehn Prozent über dem Vorjahresschnitt, man erwarte wieder ein "Rekordjahr", heißt es in einer Mitteilung. Dazu zählen jedoch nicht nur Soldaten und Soldatinnen, sondern auch IT-Techniker, Ingenieure und andere Berufsgruppen.
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Die aktive Truppe muss, um die Ziele der Nato zu erfüllen, bis Mitte der 2030er Jahre von derzeit 186.000 Männern und Frauen aufwachsen - auf etwa 260.000. Verteidigungsminister Boris Pistorius selbst hat in der Vergangenheit die Rückkehr zu einer Bedarfswehrpflicht nicht ausgeschlossen, sollte der Aufwuchs allein durch Freiwilligkeit nicht gelingen.
Wenn es nicht reicht und wenn die Bedrohungslage sich weiter so schlecht entwickelt, werden wir um die verpflichtende - eine Teil-Wehrpflicht - nicht umhin kommen, um dieses Land schützen zu können.
Boris Pistorius, am 5. Dezember 2025 im Bundestag
Pistorius muss seit diesem Jahr halbjährlich Zahlen zum Personalgewinn der Bundeswehr vorlegen. Er betont immer wieder, dass die Truppe einen ganzen Jahrgang Freiwilliger derzeit noch gar nicht unterbringen könnte. Denn dazu fehlen weiterhin Kasernen und Musterungszentren, beides wird derzeit aufgebaut.
Im kommenden Jahr, ab 1. Juli 2027, beginnt die flächendeckende und verpflichtende Musterung aller 18-jährigen Männer. Über eine echte Rückkehr zur Wehrpflicht müsste das Parlament entscheiden. Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung bliebe auch dann bestehen.
Nach langem Streit haben sich Union und SPD auf ein Modell für den neuen Wehrdienst geeinigt. Geplant sind eine flächendeckende Musterung sowie Zielmarken für den Personalaufwuchs.
14.11.2025 | 2:11 minBisher kein Bußgeld verhängt
Nach vier Wochen haben übrigens 90 Prozent der Männer den Bundeswehr-Fragebogen zurückgeschickt, nach einer Mahnung sind es 96 Prozent. Gegen die anderen vier Prozent wird demnächst ein Bußgeldverfahren eingeleitet, wegen Nicht-Antwort, heißt es aus dem Ministerium. Nur vier Prozent der Frauen antworteten.
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