Pistorius will Bundeswehr-Reserve zu Übungen verpflichten

"Kann nicht auf Freiwilligkeit basieren":Pistorius will Bundeswehr-Reserve zu Übungen verpflichten

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Verteidigungsminister Pistorius plant Pflichtübungen für Reservisten der Bundeswehr. Ein neues Gesetz soll die Reserve stärken - der Entwurf ist schon ausgearbeitet.

Archiv: Boris Pistorius (SPD), Bundesminister der Verteidigung

Boris Pistorius (SPD) äußerte sich am Rande seines Kanada-Besuchs zu den Plänen für die Bundeswehr-Reserve.

Quelle: dpa

Verteidigungsminister Boris Pistorius will die Reservekräfte der Bundeswehr mit militärischen Übungen in die Pflicht nehmen. Der SPD-Politiker bestätigte, dass dazu in seinem Ministerium ein Gesetzentwurf vorbereitet wird, nach dem Reservisten künftig schon in Friedenszeiten Dienst zu leisten haben.

"Freiwillig ist der Wehrdienst", sagte Pistorius im kanadischen Montreal am Rande eines Besuchs bei Rüstungsunternehmen. Wer den Wehrdienst antrete, wisse, "dass dann anschließend für ihn eine Verpflichtung daraus folgt, auch Reserveübungen durchzuführen". Das sei auch bis weit in die 90er Jahre so gewesen.

Kanada: Montreal: Verteidigungsminister Boris Pistorius besucht das Unternehmen CAE.

Zum Abschluss seiner Kanada-Reise hat Verteidigungsminister Pistorius für eine verstärkte Kooperation geworben. Es gebe enorme Möglichkeiten bei der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik.

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Ziel: 200.000 Reservisten für die Bundeswehr

Pistorius verwies auf die Aufgabe, den geplanten 260.000 Männern und Frauen in der aktiven Truppe 200.000 Reservisten an die Seite zu stellen. Diese würden wesentlich über den neuen Wehrdienst gewonnen. Reservedienstleistende sollten von sinnvollen Übungen profitieren.

Aber für uns ist wichtig, das kann nicht auf Freiwilligkeit basieren. Deswegen wird es eine Verpflichtung geben.

Boris Pistorius (SPD), Verteidigungsminister

Die Pläne beinhalteten auch für die Arbeitgeber eine Verpflichtung, Mitarbeiter bis zu einer bestimmten Grenze für Reserveübungen freizugeben. "Auch das war früher so. Das ist der einzige Weg, um wirklich den verlässlichen, stabilen Aufbau einer neuen Reserve zu gewährleisten", so Pistorius.

Die Arbeitgeber mögen es mir nachsehen.

Boris Pistorius (SPD), Verteidigungsminister

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Gesetzentwurf liegt im Ministerium schon vor

Für die Neuregelung der Dienstverpflichtung laufen die Vorbereitungen. "Die verlässliche Verfügbarkeit der Reserve ist für die nationale Sicherheit und gesellschaftliche Resilienz von hoher Relevanz", heißt es zur Begründung in dem Referentenentwurf für ein Gesetz zur Stärkung der Reserve, den das Ministerium auf seiner Webseite veröffentlichte.

"Nach der bisherigen Rechtslage konnte außerhalb des Spannungs- oder Verteidigungsfalls nur zu Übungen verpflichtend herangezogen werden", heißt es in dem Dokument weiter. Dies soll nun ausgeweitet werden: Möglich sein sollen demnach grundsätzlich "Verwendungen von Reservistinnen und Reservisten im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung, die der Erfüllung des Verfassungsauftrages der Streitkräfte dienen".

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In bestimmten Ausnahmen wäre aber ein Einsatz nur bei Freiwilligkeit möglich - etwa bei Amtshilfe im Inland im Fall einer Naturkatastrophe. Auch Auslandseinsätze von Reservisten sollen nur freiwillig möglich sein, außer unter bestimmten Voraussetzungen in anderen EU- und Nato-Staaten.

In der Praxis wendet die Bundeswehr derzeit auch bei Übungen den Grundsatz der Freiwilligkeit an - sowohl von Reservisten als auch von deren Arbeitgebern. Vor dem Hintergrund der veränderten Bedrohungslage hatte es zuletzt aber auch Rufe gegeben, davon abzurücken und Übungen zur Pflicht zu machen.

Gesetzentwurf zur Neuregelung der Dienstverpflichtung




Pistorius will Reserve neu denken

Im April hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius eine Militärstrategie vorgelegt. Die Bundeswehr soll demnach auf mindestens 260.000 Männer und Frauen in der stehenden Truppe sowie eine voll ausgestattete Reserve mit 200.000 Soldaten anwachsen. Pistorius sagte damals: "Wir denken die Reserve neu. Künftig wird die Reserve eben nicht ausschließlich und temporär die aktive Truppe unterstützen, wenn es nötig ist."

Nein, wir sehen die neue Reserve ausdrücklich auf Augenhöhe mit der aktiven Truppe.

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Arbeitgeber sollen vorher angehört werden

Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums verwies auf Anfrage auf die Höchstaltersgrenzen und zeitliche Begrenzungen für den Reservistendienst hin. "Mit dieser beabsichtigten Abstufung wird dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit Rechnung getragen", sagte sie.

Im Entwurf des Gesetzes sei vorgesehen, dass die Arbeitgeber künftig bei allen Reservedienstleistungen vorher angehört werden und Möglichkeiten haben, die Zurückstellung von einzelnen Arbeitnehmern zu beantragen.

Mit dem neuen Wehrdienst reagiert Deutschland auf die Bedrohung durch Russland und die in der Folge geänderten Nato-Ziele.

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Quelle: dpa
Über den Zustand der Bundeswehr berichtete das ZDF-Mittagsmagazin am 21.05.2026 ab 12:00 Uhr, über die Wehrdienst-Debatte das heute journal am 10.05.2026 ab 21:45 Uhr.

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