"Kann nicht auf Freiwilligkeit basieren":Pistorius will Bundeswehr-Reserve zu Übungen verpflichten
Verteidigungsminister Pistorius plant Pflichtübungen für Reservisten der Bundeswehr. Ein neues Gesetz soll die Reserve stärken - der Entwurf ist schon ausgearbeitet.
Boris Pistorius (SPD) äußerte sich am Rande seines Kanada-Besuchs zu den Plänen für die Bundeswehr-Reserve.
Quelle: dpaVerteidigungsminister Boris Pistorius will die Reservekräfte der Bundeswehr mit militärischen Übungen in die Pflicht nehmen. Der SPD-Politiker bestätigte, dass dazu in seinem Ministerium ein Gesetzentwurf vorbereitet wird, nach dem Reservisten künftig schon in Friedenszeiten Dienst zu leisten haben.
"Freiwillig ist der Wehrdienst", sagte Pistorius im kanadischen Montreal am Rande eines Besuchs bei Rüstungsunternehmen. Wer den Wehrdienst antrete, wisse, "dass dann anschließend für ihn eine Verpflichtung daraus folgt, auch Reserveübungen durchzuführen". Das sei auch bis weit in die 90er Jahre so gewesen.
Zum Abschluss seiner Kanada-Reise hat Verteidigungsminister Pistorius für eine verstärkte Kooperation geworben. Es gebe enorme Möglichkeiten bei der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik.
29.05.2026 | 0:21 minZiel: 200.000 Reservisten für die Bundeswehr
Pistorius verwies auf die Aufgabe, den geplanten 260.000 Männern und Frauen in der aktiven Truppe 200.000 Reservisten an die Seite zu stellen. Diese würden wesentlich über den neuen Wehrdienst gewonnen. Reservedienstleistende sollten von sinnvollen Übungen profitieren.
Aber für uns ist wichtig, das kann nicht auf Freiwilligkeit basieren. Deswegen wird es eine Verpflichtung geben.
Boris Pistorius (SPD), Verteidigungsminister
Die Pläne beinhalteten auch für die Arbeitgeber eine Verpflichtung, Mitarbeiter bis zu einer bestimmten Grenze für Reserveübungen freizugeben. "Auch das war früher so. Das ist der einzige Weg, um wirklich den verlässlichen, stabilen Aufbau einer neuen Reserve zu gewährleisten", so Pistorius.
Die Arbeitgeber mögen es mir nachsehen.
Boris Pistorius (SPD), Verteidigungsminister
Deutschlandweit macht sich unter Jugendlichen Protest gegen die Wehrpflicht breit, auch mit Schulstreiks. Anlass für eine Bestandsaufnahme unter anderem in einer Schulklasse.
10.05.2026 | 2:46 minGesetzentwurf liegt im Ministerium schon vor
Für die Neuregelung der Dienstverpflichtung laufen die Vorbereitungen. "Die verlässliche Verfügbarkeit der Reserve ist für die nationale Sicherheit und gesellschaftliche Resilienz von hoher Relevanz", heißt es zur Begründung in dem Referentenentwurf für ein Gesetz zur Stärkung der Reserve, den das Ministerium auf seiner Webseite veröffentlichte.
"Nach der bisherigen Rechtslage konnte außerhalb des Spannungs- oder Verteidigungsfalls nur zu Übungen verpflichtend herangezogen werden", heißt es in dem Dokument weiter. Dies soll nun ausgeweitet werden: Möglich sein sollen demnach grundsätzlich "Verwendungen von Reservistinnen und Reservisten im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung, die der Erfüllung des Verfassungsauftrages der Streitkräfte dienen".
Seit 1955 gibt es die Bundeswehr, ein Jahr später kam die Wehrpflicht. Doch wie einsatzbereit war die Truppe über die Jahrzehnte – und wie steht sie heute da?
21.05.2026 | 1:29 minIn bestimmten Ausnahmen wäre aber ein Einsatz nur bei Freiwilligkeit möglich - etwa bei Amtshilfe im Inland im Fall einer Naturkatastrophe. Auch Auslandseinsätze von Reservisten sollen nur freiwillig möglich sein, außer unter bestimmten Voraussetzungen in anderen EU- und Nato-Staaten.
In der Praxis wendet die Bundeswehr derzeit auch bei Übungen den Grundsatz der Freiwilligkeit an - sowohl von Reservisten als auch von deren Arbeitgebern. Vor dem Hintergrund der veränderten Bedrohungslage hatte es zuletzt aber auch Rufe gegeben, davon abzurücken und Übungen zur Pflicht zu machen.
Gesetzentwurf zur Neuregelung der Dienstverpflichtung
Der Referentenentwurf für ein Gesetz zur Stärkung der Reserve sieht verschiedene Abstufungen der Dienstpflicht vor. Alle, die mindestens sechs Monate freiwilligen Wehrdienst absolviert haben, könnten demnach bis zum Monat ihres 45. Geburtstag herangezogen werden. Wer mindestens ein Jahr Berufssoldat oder Soldat auf Zeit war, könnte bis zum Monat des 65. Geburtstags herangezogen werden.
Auch bei der Dauer, für die Reservisten eingezogen werden können, ist eine Staffelung angedacht. Wer weniger als ein Jahr Wehrdienst geleistet hat, könnte demnach maximal drei Wochen pro Jahr zum Dienst verpflichtet werden - und insgesamt höchstens für sechs Monate. Für Männer und Frauen, die mindestens 13 Jahre bei der Bundeswehr waren, beträgt die Höchstdauer zwölf Wochen pro Jahr und insgesamt maximal zwölf Monate.
Wie schon bisher soll es dabei bleiben, dass Reservistinnen und Reservisten zu einem unbefristeten Wehrdienst herangezogen werden können, wenn der Bundestag den Spannungsfall feststellt oder Deutschland angegriffen wird.
Quelle: dpa
Pistorius will Reserve neu denken
Im April hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius eine Militärstrategie vorgelegt. Die Bundeswehr soll demnach auf mindestens 260.000 Männer und Frauen in der stehenden Truppe sowie eine voll ausgestattete Reserve mit 200.000 Soldaten anwachsen. Pistorius sagte damals: "Wir denken die Reserve neu. Künftig wird die Reserve eben nicht ausschließlich und temporär die aktive Truppe unterstützen, wenn es nötig ist."
Nein, wir sehen die neue Reserve ausdrücklich auf Augenhöhe mit der aktiven Truppe.
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) im April
Verteidigungsminister Boris Pistorius will die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Armee Europas ausbauen. Dafür gibt es jetzt eine entsprechende Militärstrategie.
22.04.2026 | 2:02 minArbeitgeber sollen vorher angehört werden
Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums verwies auf Anfrage auf die Höchstaltersgrenzen und zeitliche Begrenzungen für den Reservistendienst hin. "Mit dieser beabsichtigten Abstufung wird dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit Rechnung getragen", sagte sie.
Im Entwurf des Gesetzes sei vorgesehen, dass die Arbeitgeber künftig bei allen Reservedienstleistungen vorher angehört werden und Möglichkeiten haben, die Zurückstellung von einzelnen Arbeitnehmern zu beantragen.
Mit dem neuen Wehrdienst reagiert Deutschland auf die Bedrohung durch Russland und die in der Folge geänderten Nato-Ziele.
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zur Bundeswehr
US-General Grynkewich :Nato rechnet langfristig mit weiteren US-Truppenabzügen
mit Video2:03Milliarden für die Verteidigung:Rüstung: Schuldenfalle oder Chance für die Wirtschaft?
von Henning Behrens und Aurelius Hausmit Video0:54- Interview
Drohnen im Kampf gegen Russland:Pistorius: Ukraine ist westlichen Ländern weit voraus
mit Video7:18 Wehrbeauftragter Henning Otte:Bußgeld für Fragebogen-Verweigerer nur "letztes Mittel"
mit Video0:21