AfD-Angebot an die Union:Weidel: "Unsere Hand ist ausgestreckt"
von Kristina Hofmann
Die AfD kann sich eine Koalition mit der Union vorstellen, auch als Juniorpartnerin. "Unsere Hand ist ausgestreckt", sagte AfD-Vorsitzende Alice Weidel im ZDF.
AfD-Vorsitzende und Kanzlerkandidatin Alice Weidel hat der Union angeboten, als Juniorpartnerin nach der Bundestagswahl eine neue Bundesregierung zu bilden. Man könne in Verhandlungen eintreten, von Seiten der AfD gebe es keine "Brandmauer", sagte Weidel in der ZDF-Sendung "Was nun?".
Unsere Hand ist ausgestreckt. Es liegt an der Union.
Alice Weidel, AfD
Laut Weidel könne die Union vor allem ihre Vorstellungen in der Migrationspolitik eher mit der AfD als in einer Koalition mit SPD oder den Grünen durchsetzen. Deswegen habe die Bundestagsfraktion sowohl dem Antrag als auch dem Gesetz im Bundestag dazu zugestimmt. Inhaltlich hielt die Partei beides für richtig. Von daher sei es ihr "völlig egal, wer es letztendlich umsetzt", sagte Weidel.
AfD im Politbarometer auf Rang zwei
Allerdings glaubt Weidel selbst nicht, dass der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz auf ihre Partei zugehen werde und von der Brandmauer "runtergeht", die Union habe sich festgelegt. Bei der Bundestagswahl in knapp zwei Wochen erhoffe sich die AfD ein Ergebnis von etwa 20 Prozent. "Das wäre ein sehr gutes Ergebnis", sagte Weidel. Außerdem wollen sie ein Viertel aller Bundestagsmandate erreichen, um Untersuchungsausschüsse beantragen zu können.
In den aktuellen Umfragen liegt die AfD hinter der Union auf Platz zwei. Im ZDF-Politbarometer vom vergangenen Freitag kommt die Partei auf 20 Prozent der Stimmen, wenn am Sonntag schon Bundestagswahl wäre. Weidel liegt in der Kanzlerbeliebtheit auf dem vierten Platz hinter Olaf Scholz.
AfD hält Wahlprogramm für finanzierbar
Weidel widersprach den Berechnungen mehrerer Wirtschaftsinstitute, das Wahlprogramm der AfD mit vielen Steuererleichterungen würde massive Steuererhöhungen nach sich ziehen. Alle Vorhaben, so deren Prognosen, würden den Steuerzahler bis zu 180 Milliarden Euro kosten. Weidel selbst geht von 100 bis 110 Milliarden aus. Diese Summe könne man "ganz einfach einsparen", sagte Weidel. Nämlich indem Subventionen abgebaut, Menschen mit ausländischem Pass kein Bürgergeld mehr bekämen und beispielsweise die Entwicklungshilfe an andere Länder eingespart werde.
Auch das von der AfD versprochene Rentenniveau in Höhe von 70 Prozent des letzten Nettogehalts sei "durchgerechnet", so Weidel. Und zwar, indem auch Beamte und Politikerinnen und Politiker in die gesetzlichen Krankenkassen einzahlten. Außerdem sollten Renten nicht mehr besteuert werden.
Deal mit Trump "traue ich mir zu"
In der Außenpolitik bescheinigte Weidel ihrer Partei "eine gute Dialogfähigkeit" nach Ost und West, also sowohl mit Russland und China als auch mit den USA. Eine Einladung von US-Präsident Donald Trump ins Weiße Haus gebe es allerdings noch nicht.
Die von Trump angedrohten Zölle hält Weidel zwar wie alle Zölle für "schädlich". Deswegen würde sie aber auch nicht mit Gegenzöllen reagieren, sollte Trump welche für EU-Importe erheben. Man könne mit Trump sicher verhandeln: "Man kann sich über alles unterhalten", so Weidel. Das sollte man "absolut entspannt machen".
Trump sei ein "typischer Dealmaker". Am Ende wolle er Bewegung in den Verhandlungen. Sie traue sich zu, mit Trump einen Deal zu erzielen, sagte Weidel.
Weidel über Weidel: "Ich bin supernett"
Weidel ist zusammen mit Tino Chrupalla seit 2022 Vorsitzender ihrer Partei. Zwischenzeitlich war sie auf Distanz zum rechten Flügel in der Partei rund um Björn Höcke gegangen. In der Partei wird sie von einigen "Eisprinzessin" genannt. Weidel sagte jetzt im ZDF, das sie dies nicht nachvollziehen könne: "Ich bin supernett."
Gefragt nach ihrem größten Fehler, müsse sie erst einmal nachdenken. Was sie weiß: Dass sie von Angela Merkel "sicher nichts" gelernt habe und sie sich selbst nicht als Feministin bezeichnen würde. Und: Die Vorstellung, sich mit Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck mit an den Küchentisch zu setzen, hält Weidel für "ganz amüsant".
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