Ukraine-Krieg: Europa hofft wieder auf Trumps Unterstützung

Nach Abkommen zwischen Iran und USA:Öffnet sich im Ukraine-Krieg ein "Fenster der Diplomatie"?

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Das Iran-Abkommen könnte Trumps Interesse am Ukraine-Krieg wieder wecken, Kanzler Merz sieht ein "Fenster der Diplomatie". Doch dafür braucht es laut Experte mehr als Sanktionen.

US-Präsident Donald Trump sitzt vor einer US-Flagge beim G7-Treffen.

Auf dem G7-Gipfel erklärte US-Präsident Donald Trump, Russland solle ein Abkommen mit der Ukraine schließen. Wie wahrscheinlich es ist, dass es dazu kommt – ZDFheute live analysiert.

16.06.2026 | 15:19 min

Einmal quer durch den riesigen Garten des Hôtel Royal lief Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, um seinen ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj direkt am Auto abzuholen. Die Botschaft war klar: Die Ukraine sollte beim G7-Gipfel in Évian volle Aufmerksamkeit bekommen.

Die Gelegenheit dafür war günstig wie lange nicht: US-Präsident Donald Trump zeigte sich überraschend entschlossen, sich der Ukraine wieder zuzuwenden, nachdem er monatelang durch den von ihm mitangezettelten Iran-Krieg abgelenkt war.

"Jetzt, wo das eine beendet ist, können wir uns auf das andere konzentrieren und sehen, dass wir das erledigt bekommen", sagte Trump, der bestens gelaunt in Évian erschien - noch ganz begeistert von der Kampfschau am Sonntagabend, die er sich selbst zum 80. Geburtstag geschenkt hatte, und die er immer wieder erwähnte.

Ukraine-Krieg: Trump fordert neue Verhandlungen mit Russland

Trump mag Kampfschauen, weil er Gewinner mag - insofern hatte Selenskyj bessere Chancen als je zuvor, die Aufmerksamkeit des US-Präsidenten zu bekommen. Die Ukraine hat sich zuletzt gut geschlagen gegen Russland, sie hat Gebietsgewinne gemacht, immer bessere Drohnen entwickelt und Ziele tief in Russland getroffen.

G7-Gipfel: Friedrich Merz übergibt ein Deutschlandtrikot an Donald Trump

Die G7-Staaten planen, den Druck auf Russland zu erhöhen und wollen wohl neue Sanktionen gegen das Land verhängen. Auch der Krieg in der Ukraine war Thema beim Gipfel.

16.06.2026 | 3:00 min

Und Selenskyj weiß um die Macht der Bilder: Bei der Ukraine-Sitzung der G7-Staaten zeigte er Fotos der bei Angriffen beschädigten Kathedrale, die zum Kiewer Höhlenkloster gehört. Dies dürfte Trump berührt haben, der sich gerne als Beschützer bedrohter Christen inszeniert.

Tatsächlich forderte Trump deutlich wie lange nicht, dass Russland Verhandlungen aufnehmen solle. Zudem zeigte er sich erstmals offen dafür, die Ausnahmen bei Ölsanktionen gegen Russland wieder zurückzunehmen. Alle G7-Staaten seien sich einig, den Druck auf Russland zu erhöhen, sagte ein deutscher Regierungsvertreter und betonte dabei das Wort "alle".

Experte zum Ukraine-Krieg: Es braucht mehr als Sanktionen

Sanktionen allein werden allerdings nicht ausreichen, um Putin an den Verhandlungstisch zu bekommen - davon geht Friedens- und Konfliktforscher Thorsten Bonacker aus. Es brauche auch eine weitere Stärkung der ukrainischen Luftabwehr, sagt er bei ZDFheute live, "sodass Putin sieht, dass er immer größere Schwierigkeiten hat, diese Terrorangriffe zu fliegen". Zudem brauche es diplomatische Bemühungen gegenüber jenen Staaten, die noch mit Russland Handel betreiben.

Für die Europäer ist es dennoch eine erfreuliche Nachricht, in der Ukraine-Frage Trump wieder auf ihrer Seite zu haben - begleitet von der Sorge, dass Trump erneut einen Alleingang in der Ukraine versuchen könnte. Das G7-Format erweist sich offenbar als nützliches Format, um Trump wieder an Bord zu bekommen und zugleich eine führende Rolle der Europäer bei möglichen Verhandlungen mit Russland einzufordern.

Friedrich Merz gibt am Flughafen Berlin-Schönefeld ein Statement vor seinem Abflug zum G7-Gipfel in Evian ab.

Bundeskanzler Merz sieht mit Blick auf den Ukraine-Krieg "ein Fenster für die Diplomatie". In Évian diskutieren die G7-Staaten über mögliche Gespräche mit Russland.

16.06.2026 | 1:45 min

Bundeskanzler Friedrich Merz könnte also durchaus recht gehabt haben, als er vor Beginn des Treffens mutmaßte, dass sich mit Blick auf die Ukraine ein "Fenster für die Diplomatie" öffnet. Ob es am Ende tatsächlich zu einer neuen und wirkungsvollen Verhandlungsrunde mit Russland kommt, hängt allerdings noch von zahlreichen Unwägbarkeiten ab. Laut Thorsten Bonacker insbesondere davon, ob das Iran-Abkommen tatsächlich umgesetzt wird. Wiederaufflammende Kämpfe oder Drohnenabschüsse etwa könnten die Umsetzung ins Stocken bringen.

"Insofern (...) hängt sehr viel davon ab, ob es wirklich gelingt, diesen Frieden auch umzusetzen", so Bonacker. Dann jedoch sei es durchaus möglich, dass die USA wieder mehr Kapazitäten hätten, "sich in der Ukraine-Frage zu engagieren".

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Quelle: AFP
Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 16.06.2026 um 19:01 Uhr.

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