Luftraumverletzungen durch Russland:Lange: Marschflugkörper über Polen "hochgefährlich"
Bei Angriffen auf die Ukraine ist ein mutmaßlich russischer Marschflugkörper in Polen eingeschlagen. Militärexperte Nico Lange ordnet ein und erklärt mögliche Folgen für die Nato.
Der ukrainische Angriff auf iranische Schiffe sei wichtig gewesen, so Militärexperte Lange. Denn Russland und Iran tauschen Technik und Drohnen-Know-How aus und schiffen Waffen über das Kaspische Meer.
30.07.2026 | 23:37 minWährend die Ukraine neue Ziele in Russland und sogar im Kaspischen Meer angreift, gehen auch die russischen Angriffe weiter: Ziel war zuletzt der Westen der Ukraine, dabei schlug ein vermutlich russischer Marschflugkörper in Polen ein. Eine solche Rakete, die potenziell sehr gefährlich und treffgenau ist, flog rund 95 Kilometer über die ukrainische Grenze hinaus, ohne abgefangen zu werden.
Welche Folgen diese Luftraumverletzungen in Polen für die Nato haben könnten, und welche Strategie die Ukraine gleichzeitig verfolgt, erklärt Militär- und Sicherheitsexperte Nico Lange im Gespräch mit ZDFheute live.
Sehen Sie oben das ganze Interview im Video und lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Nico Lange …
… zum Absturz des russischen Marschflugkörpers über Polen:
Für Lange ist der Einschlag in Polen in mehrerlei Hinsicht beunruhigend. Der Militärexperte sieht darin vor allem die Grenzen westlicher Verteidigung. Zum einen sei der Marschflugkörper 95 Kilometer weit geflogen, ohne durch die polnische oder die Nato-Luftverteidigung gestoppt zu werden. "Ich halte das an der Ostflanke der Nato für hochgefährlich", sagt Lange. Mit solchen Aktionen teste Russland ja aus, ob die Luftverteidigung zu 100 Prozent funktioniere." Aber keiner habe geschafft, die Rakete abzuschießen.
Eine mutmaßlich russische Rakete ist auf polnischem Gebiet eingeschlagen. ZDF-Korrespondentin Natalie Steger berichtet.
30.07.2026 | 1:28 minZum anderen sei dieser Vorfall nicht die erste Luftraumverletzung, die Russland zumindest in Kauf nehme. Oder mit der Russland laut Lange sogar "ganz gezielt versucht, die Grauzone auszudehnen an der Grenze zur Nato". Bisher, findet Lange, ohne die entsprechenden Konsequenzen.
Bisher haben wir weder beim Abschießen noch bei den Konsequenzen für Russland das richtige Rezept gefunden.
Militärexperte Nico Lange
Zugleich fragt Lange, warum die Nato Drohnen und Marschflugkörper nicht schon über der Westukraine abfange. Er würde das befürworten. "Völkerrechtlich ist die Sache vollkommen klar. Wir dürften das", betont Lange.
Zur Luftraumverteidigung hierzulande sieht er jedoch einen großen Unterschied zur Verteidigungsfähigkeit der Ukraine: "Die traurige Wahrheit ist: wir haben ein Problem. Ein Problem mit Drohnenabwehr." Auch mit Marschflugkörpern habe die Ukraine offenbar sehr viel Erfahrung und könne sie abschießen. Für die Nato wäre der Aufwand dafür bisher "extrem hoch", sagt Lange und fordert bessere Lösungen.
Nach mehreren Luftraumverletzungen durch Drohnen an deutschen Flughäfen will die Regierung das Luftsicherheitsgesetz ändern. Demnach dürfte die Bundeswehr künftig Drohnen abschießen.
19.11.2025 | 1:21 min… zu den ukrainischen Angriffen im Kaspischen Meer:
Der ukrainische Präsident Selenskyj hatte am vergangenen Wochenende über Drohnenangriffe auf Schiffe im Kaspischen Meer zwischen Russland und Iran berichtet. Dabei soll nach iranischen Angaben ein Seemann getötet worden sein. Irans Außenminister hatte mit einer Reaktion gedroht, die bislang aber offenbar ausblieb.
In Brüssel beraten die Nato-Außenminister über den besseren Schutz des Luftraums vor russischen Drohnen und Jets. Isabelle Schaefers berichtet aus Brüssel.
15.10.2025 | 1:07 minFür Militärexperte Lange werfen die Angriffe der Ukraine auf solche Schiffe ein "Schlaglicht darauf", wie Russland und Iran kooperieren - etwa bei Drohnen, ballistischen Raketen, Munition und Luftverteidigungssystemen. Dies sei auch ein Signal an US-Präsident Trump, den Selenskyj kurz nach dem Angriff in Washington traf. Iran unterstütze Russland seit 2022 mit Drohnen.
Weil Russland jetzt diese Drohnen in Massen selbst produziert, hat es während des Krieges des Iran gegen die USA mehrfach Drohnen über das Kaspische Meer verschifft und in den Iran gebracht.
Militärexperte Nico Lange
… zur ukrainischen Strategie, in Russland vermehrt im Hinterland anzugreifen:
Die Ukraine versucht nach Einschätzung von Militärexperte Nico Lange, Russland gezielt unter Druck zu setzen - auch fernab der Front. Laut Lange würden diese "Deep Strikes", also die Schläge der Ukraine tief nach Russland hinein, aber auch gegen russische Schiffe im Schwarzen Meer, den Krieg nach Russland tragen.
Die Ukraine und Russland melden erneut gegenseitige Angriffe. In der Ukraine wurde ein Mann getötet. Russland meldet zwei Todesopfer bei ukrainischen Angriffen in mehreren Landesteilen.
27.07.2026 | 0:21 minAuch die Angriffe auf Logistikzentren wie die Lager von Wildberries, dem größten russischen Onlinehändler, trügen dazu bei. Das verändere die Lage und setze Präsident Wladimir Putin stark unter Druck. Lange erklärt:
Das ist jetzt so eine gewisse Hoffnung der Ukraine, dass man auf diese Art und Weise einem teilweise Waffenstillstand näherkommen kann.
Militärexperte Nico Lange
Denn ohne den Druck, der durch Drohnen- und Raketenangriffe tief nach Russland hinein erzeugt werde, wäre Putin überhaupt nicht zu solchen Gesprächen bereit, ist Lange überzeugt.
Das Interview führte Alica Jung bei ZDFheute live, zusammengefasst hat es Lea Brelage.
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