Digitale Tränen hinzugefügt:Weißes Haus postet Fake-Foto von Demonstrantin
von Oliver Klein
Ein vom Weißen Haus veröffentlichtes Foto sorgt für Wirbel: Es zeigt die Festnahme der Bürgerrechtlerin Nekima Levy Armstrong. Sie weint heftig. Doch das Bild wurde manipuliert.
In Minnesota haben Menschen während eines Gottesdienstes gegen ICE protestiert. Sie riefen Parolen wie "ICE raus". Einer der Pastoren soll für die US-Einwanderungsbehörde arbeiten.
20.01.2026 | 0:43 minDie US-Regierung hat bei X ein digital manipuliertes Bild einer Bürgerrechtlerin veröffentlicht, die am Donnerstag festgenommen worden war. Eine Analyse von Medien - auch von ZDFheute - zeigt: Das Foto war so bearbeitet worden, dass der Eindruck entsteht, die Frau habe bei der Festnahme dramatisch geweint.
Zunächst postete US-Heimatschutzministerin Kristi Noem ein Foto der Festnahme bei X. Darauf ist die Anwältin und Aktivistin Nekima Levy Armstrong zu sehen, die von einem Polizisten abgeführt wird. Sie wirkt gefasst. Ihr wird vorgeworfen, an einer Protestaktion beteiligt gewesen zu sein, die am Sonntag einen Gottesdienst in St. Paul, Minnesota, unterbrochen hatte.
Hintergrund der Demonstration sind die tödlichen Schüsse eines ICE-Beamten auf eine Frau in Minneapolis. Einer der Pastoren von St. Paul soll für die US-Einwanderungsbehörde arbeiten.
Nekima Levy Armstrong bei einem Protest gegen ICE.
Quelle: APHinweise auf digitale Manipulation
Das Weiße Haus teilte am frühen Donnerstagabend Noems Posting bei X. Und nur etwa eine halbe Stunde später postete das Weiße Haus erneut ein Foto der Festnahme. Diesmal allerdings weint Armstrong dramatisch, Tränen laufen ihre Wangen hinunter - im Gegensatz zum ursprünglich geposteten Bild. Darunter eingeblendet eine weiße Schrift in Großbuchstaben: "Festgenommen". Auch Armstrongs Haut erscheint dunkler.
ZDFheute hat die Bilder analysiert. Legt man sie übereinander wird deutlich: Alle Details und die Perspektive stimmen exakt überein - bis auf Armstrongs Gesicht und ihre Haut sind die Bilder absolut identisch. Das schließt aus, dass ein zweites Foto fast zeitgleich geschossen wurde. Eines der Bilder muss also manipuliert worden sein.
Beide Fotos wurden vom Weißen Haus gepostet: Das Original-Foto der Festnahme (links) wurde so manipuliert, dass die Festgenommene heftig weint (rechts).
Quelle: ZDFOffenbar hatte das Weiße Haus Armstrongs Gesicht mit KI verändert, um sie weinen zu lassen. Die "New York Times" ließ beide Bilder von dem KI-Analyse-Tool resemble.ai untersuchen. Ergebnis: In dem von Noem veröffentlichten Foto fanden sich laut der Zeitung keine Anzeichen für eine Manipulation, wohl aber im Bild des Weißen Hauses.
Ein Test von ZDFheute ergab zudem: Noems Foto der Festnahme lässt sich beispielsweise mit Grok, der KI von Elon Musks Netzwerk X, gezielt verändern - man kann daraus nahezu identische Bilder erzeugen, in denen Armstrong weint. Offenbar wollte das Weiße Haus mit dem Fake-Foto die Bürgerrechtsaktivistin lächerlich machen.
Nach Vorwürfen über gefälschte Nacktbilder will Musks KI-Firma die Funktion in Ländern mit entsprechenden Verboten sperren – besonders wegen des Missbrauchs mit Bildern von Frauen und Kindern.
15.01.2026 | 0:23 minWeißes Haus antwortet ausweichend
Auf Nachfrage von Medien dementierte das Weiße Haus die Manipulation nicht, verwies stattdessen auf eine Stellungnahme seines stellvertretenden Kommunikationschefs Kaelan Dorr, der das Bild zu einem "Meme" erklärte: "Die Strafverfolgung geht weiter. Die Memes gehen weiter", schreibt er in einem Posting bei X.
Ein "Meme" ist im Internet meist ein Bild mit einem kurzen Text, das vereinfacht, zugespitzt oder ironisch eine Botschaft transportieren soll. Dabei geht es um Aufmerksamkeit und emotionale Wirkung - nicht um ein genaues Abbild der Realität. So entzieht sich das Weiße Haus dem Anspruch auf Authentizität, den offizielle Regierungsbilder sonst normalerweise für sich beanspruchen.
Präsident Donald Trump und die US-Regierung verbreiten immer wieder KI-generierte Inhalte, die aber in der Regel offensichtlich unrealistisch sind. So postete Trump einen bizarren Clip zu seinen Plänen für Gaza oder von sich selbst als Papst. Im Oktober veröffentlichte er ein KI-Video, in dem er im Kampfjet fliegt und Fäkalien auf Demonstranten regnen lässt.
Die US-Einwanderungsbehörde ICE hat in Minneapolis einen fünfjährigen Jungen in eine Hafteinrichtung für Migranten in Texas gebracht. US-Vizepräsident Vance verteidigte das Vorgehen.
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