Ukraine: Selenskyj warnt vor russischer Großoffensive bei Pokrowsk

Pokrowsk im Osten der Ukraine:Selenskyj warnt vor neuer russischer Großoffensive

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Die Bemühungen um Frieden in der Ukraine stocken - die Angriffe Russlands auf das Nachbarland nicht. In der Nacht meldete Kiew Explosionen. Selenskyj erwartet eine große Offensive.

Im Hintergrund ist ein verschüttetes Gebäude aus dem Rauch kommt. Im Vordergrund sind Feuerwehrmänner

Statt möglicher Gespräche setzt der Kreml auf Eskalation: Russische Angriffe auf die Ukraine haben zuletzt deutlich zugenommen.

29.08.2025 | 1:59 min

Nach Angaben aus Kiew plant Russland eine weitere große Offensive im ostukrainischen Industriegebiet Donbass. Der Vorstoß könne im Raum um die Stadt Pokrowsk erfolgen, warnte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj laut der Nachrichtenagentur Interfax Ukraine bei einem Gespräch mit Medienvertretern.

Die Konzentration (an Truppen) dort liegt bei bis zu 100.000, das ist das, was wir heute Morgen haben.

Wolodymyr Selenskyj, Präsident Ukraine

Die russischen Truppen bereiteten den Vorstoß vor. Aber die Ukraine sei darauf vorbereitet und die Lage unter Kontrolle, sagte Selenskyj.

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"Russland glaubt, diesen Krieg gewinnen zu können", so Sicherheitsexperte Christian Mölling.

29.08.2025 | 3:54 min

Das russische Militär griff unterdessen in der Nacht eine Reihe von ukrainischen Städten mit Kampfdrohnen und Marschflugkörpern an. Vor allem Saporischschja und Dnipro hatten die Angreifer diesmal im Visier. Die beiden Städte wurden nach Medienberichten von schweren Explosionen erschüttert.

Auch aus Kiew und anderen Städten wurden Angriffe mit Kamikaze-Drohnen gemeldet, die mit Sprengladungen versehen ins Ziel gesteuert werden.

In Saporischschja wurde laut Militärverwalter Iwan Fedorow mindestens ein Mensch getötet, außerdem gebe es mindestens 22 Verletzte. Einige Wohngebäude seien nach Treffern in Brand geraten. Aus den anderen angegriffenen Städten lagen zunächst keine Informationen über mögliche Opfer oder Schäden vor.

Bewaffnete Soldaten steigen auf einen Panzer auf

Die USA haben der Ukraine einen Waffenkauf im Wert von rund 700 Millionen Euro genehmigt. Norwegen, Dänemark sowie die Niederlande beteiligen sich an den Kosten.

29.08.2025 | 0:23 min

Logistischer Knotenpunkt Pokrowsk noch nicht eingenommen

Im Fokus steht auch Pokrowsk - eine Bergarbeiterstadt im Süden der Region Donezk, die vor dem Krieg rund 60.000 Einwohner hatte. Nach monatelanger Belagerung und ständigem Beschuss leben mittlerweile nur noch wenige Menschen dort. Allerdings ist es den russischen Truppen bislang nicht gelungen, den strategisch wichtigen Verkehrsknotenpunkt einzunehmen.

Eine Krise in diesem Frontabschnitt zu Monatsbeginn hat die Ukraine inzwischen überwunden. Ein kilometerlanger Durchbruch der Russen wurde gestoppt. Mit Gegenangriffen ist es den Verteidigern gelungen, Teile der russischen Truppen zu isolieren.

Ukrainische Rettungskräfte sind am Ort eines nächtlichen Luftangriffs auf ein Wohnhaus zu sehen.

Bereits am Donnerstag waren in der Ukraine laut Behörden mehr als ein Dutzend Menschen bei Angriffen ums Leben gekommen, darunter auch Kinder.

28.08.2025 | 2:05 min

Russen wollen Donezk

Die Region Donezk hat für die russische Kriegsführung Priorität. Bei den jüngsten Gesprächen zwischen Kremlchef Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump soll Putin von Kiew die Aufgabe der Region als Bedingung für ein Einfrieren des Frontverlaufs an anderer Stelle gefordert haben.

Offiziell belegt ist die Forderung nicht, allerdings hatte Russland den Krieg vor inzwischen dreieinhalb Jahren mit der Prämisse begonnen, die damals nur zu einem kleinen Teil von prorussischen Separatisten gehaltenen Regionen gänzlich von der Ukraine abzuspalten. Erst später erweiterte der Kreml seine Gebietsansprüche auch auf die im Süden der Ukraine gelegenen Regionen Cherson und Saporischschja.

Die Karte zeigt von Russland völkerrechtswidrig annektierten Gebiete in der Ukraine: Luhansk, Donezk, Saporischschja, Cherson und die Krim.

Wie erfolgreich ist Russlands Eroberungskrieg?

Zuletzt konnten russische Truppen vor allem im Süden der Region Donezk Boden gutmachen. Inzwischen sind sie teilweise sogar in die benachbarte Region Dnipropetrowsk vorgestoßen. Nach Darstellung des russischen Verteidigungsministers Andrej Beloussow läuft Moskaus Eroberungskrieg erfolgreich und hat zuletzt deutlich an Fahrt gewonnen.

Zufrieden zeigte sich Beloussow auch mit den russischen Luftangriffen auf die Ukraine. In diesem Jahr seien bereits 35 solcher massiven Luftschläge gegen 146 strategisch wichtige Objekte des Gegners erfolgt. Dadurch sei die militärische Infrastruktur der Ukraine stark geschwächt worden, sagte er.

Beloussow zufolge belaufen sich die Verluste des ukrainischen Militärs in diesem Jahr auf 340.000 Soldaten. Die Zahlen des Ministers lassen sich nicht unabhängig überprüfen - und Angaben zu eigenen Verlusten machte er nicht. In der Vergangenheit haben beide Kriegsparteien zumeist gegnerische Verluste übertrieben und die eigenen unter den Tisch gekehrt oder zumindest kleingeredet.

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Die Karte der Ukraine zeigt, welche Gebiete im Osten des Landes von russischen Truppen besetzt sind. Zudem sind die Separatistengebiete und die annektierte Krim hervorgehoben.

Noch kein Durchbruch bei Verhandlungen

Die russische Invasion läuft seit dreieinhalb Jahren. Inzwischen kontrolliert Moskau einschließlich der bereits 2014 annektierten Halbinsel Krim etwa ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebiets. Zwar wurden im Mai erstmals seit drei Jahren wieder direkte Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien aufgenommen. Bislang gibt es aber keinen Durchbruch.

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Quelle: dpa

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