Kiew will Trumps Plan teils zustimmen:Selenskyj präsentiert US-Friedensplan - Kreml: "Fortschritte"
Präsident Selenskyj signalisiert Zustimmung zum 20-Punkte-Plan der USA für ein Kriegsende - wenn auch nicht komplett. Russland sieht indes Fortschritte "im Verhandlungsprozess".
Die Ukraine und die USA haben sich nach Angaben von Präsident Selenskyj in mehreren Punkten des Friedensplans geeinigt. Es gebe aber weiterhin ungeklärte Fragen.
24.12.2025 | 0:18 minDie Ukraine und die USA haben sich nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj bei mehreren zentralen Punkten für ein Ende des russischen Angriffskriegs geeinigt. Doch seien heikle Fragen im Zusammenhang mit der Kontrolle über ukrainisches Staatsgebiet im Osten des Landes und der Verwaltung der Atomanlage Saporischschja weiter ungeklärt, teilte der ukrainische Staatschef mit.
Moskau spricht von "Fortschritten"
Das russische Außenministerium sprach am Donnerstag von Fortschritten in den Gesprächen mit den USA. "Im Verhandlungsprozess zur Beilegung des Ukraine-Konflikts, ich meine damit den Verhandlungsprozess mit den Vereinigten Staaten von Amerika, sind langsame, aber sichere Fortschritte zu beobachten", sagte Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa nach Angaben der Staatsagentur Tass bei einer Pressekonferenz. Die von Russland angegriffene Ukraine erwähnte sie kaum.
Zugleich versuchte sie, einen Keil zwischen die USA und Europa in den Friedensbemühungen zu treiben. Moskau fordere die Kollegen in den USA auf, "sich aktiv gegen die Versuche der westeuropäischen Länder zu wehren, die im Verhandlungsprozess zur Ukraine erzielten Fortschritte zu torpedieren und zunichtezumachen", sagte Sacharowa.
1. Bestätigung der Souveränität der Ukraine.
2. Vereinbarung zwischen Russland und der Ukraine über einen Nichtangriff samt einem Überwachungsmechanismus.
3. Verlässliche Sicherheitsgarantien für die Ukraine.
4. Ukraine soll in Friedenszeiten eine Armee mit einer Stärke von 800.000 Soldaten haben.
5. Die USA, Nato und europäische Staaten sollen der Ukraine Sicherheitsgarantien nach dem Vorbild von Artikel 5 des Militärbündnisses geben. Bei einem neuen russischen Angriff sollen demnach alle globalen Sanktionen gegen Moskau wieder in Kraft treten. Bei einem Angriff der Ukraine auf Russland sollen alle Sicherheitsgarantien wegfallen. Wenn Russland die Ukraine angreift, sollen die Sicherheitsgarantien ziehen.
6. Juristisch verbindliche Verpflichtung Russlands zu einem Nichtangriff auf die Ukraine und Europa. Moskau soll dies durch Gesetze und Ratifizierung der Staatsduma absichern.
7. EU-Beitritt der Ukraine und bis dahin vorrangiger Zugang zum europäischen Binnenmarkt.
8. Vereinbarung über ein Investitions- und Entwicklungspaket für die Ukraine, darunter auch die Zusammenarbeit mit US-Firmen beim Wiederaufbau, bei der Modernisierung der Gasinfrastruktur und beim Abbau von Rohstoffen.
9. Schaffung von Fonds für den wirtschaftlichen Wiederaufbau mit dem Ziel, 800 Milliarden Dollar (678 Milliarden Euro) an Investitionen anzulocken.
10. Ukraine beschleunigt den Prozess für ein Freihandelsabkommen mit den USA.
11. Ukraine bestätigt ihren neutralen Status als Staat ohne Atomwaffen.
12. Das Atomkraftwerk Saporischschja soll gemeinsam genutzt werden. Nach US-Vorstellungen sollen Russland und die Ukraine das AKW zu gleichen Teilen nutzen. Die Ukraine will dagegen ein Joint Venture mit den USA zum Betrieb des Kraftwerks - ohne russische Beteiligung.
13. Ukraine und Russland sollen Bildungsprogramme auflegen, in denen gegenseitiges Verständnis und Toleranz Themen sind. Die Ukraine soll sich auch zu EU-Normen der religiösen Toleranz und zum Schutz der Sprachen von Minderheiten bekennen.
14. Territoriale Aufteilung. Russland zieht seine Truppen aus den Gebieten Dnepropetrowsk, Mykolajiw, Sumy und Charkiw ab. Variante A sieht ein Einfrieren der Frontlinie in den Gebieten Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson vor; Variante B eine per Referendum bestätigte Freihandelszone im Donbass.
15. Nach einer Bestätigung der Territorialvereinbarung verpflichten sich Russland und die Ukraine, keine gewaltsamen Veränderungen vorzunehmen.
16. Russland verpflichtet sich, die Ukraine nicht bei der Nutzung des Flusses Dnepr und des Schwarzen Meeres zu hindern.
17. Schaffung eines Komitees für humanitäre Fragen, das sich etwa um den Austausch aller Kriegsgefangenen und um die Rückkehr aller inhaftierten Zivilisten, darunter Kinder und politische Gefangene, kümmern soll.
18. Die Ukraine soll möglichst schnell nach Unterzeichnung der Vereinbarung Wahlen abhalten, zuerst für das Präsidentenamt, dann auch für das Parlament und auf kommunaler Ebene.
19. Die Friedensvereinbarung ist juristisch bindend und soll durch einen Friedensrat unter Führung von US-Präsident Donald Trump kontrolliert werden. In dem Rat soll es auch Vertreter der Ukraine, der EU, Nato, USA und Russlands geben.
20. Nach Zustimmung aller Seiten soll ein vollständiger Waffenstillstand in Kraft treten.
Quelle: dpa
Die ukrainische Armee steht unter Druck. Selenskyj stellte den 20-Punkte-Plan vor, der mit den USA erarbeitet wurde. ZDF-Korrespondent Timm Kröger analysiert.
24.12.2025 | 1:23 minSelenskyj bedankt sich bei Witkoff und Kushner
Selenskyj hat indes nach eigenen Angaben ein "sehr gutes" Telefongespräch mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff und dem US-Präsidentenberater Jared Kushner geführt. "Wir haben einige wichtige Details der laufenden Arbeit besprochen", erklärte Selenskyj am Donnerstag in Onlinediensten. "Es gibt gute Ideen, die zu einem gemeinsamen Ergebnis und zu dauerhaftem Frieden beitragen können", fügte er hinzu.
Der ukrainische Präsident bedankte sich bei Witkoff und Kushner für ihren "konstruktiven Ansatz, die intensive Arbeit und die freundlichen Worte". Er betonte: "Wir arbeiten wirklich rund um die Uhr daran, das Ende dieses brutalen Krieges Russlands gegen die Ukraine näher zu bringen und sicherzustellen, dass alle Dokumente und Schritte realistisch, wirksam und zuverlässig sind."
Selenskyj: Streit über Donbass "schwierigster Punkt"
Im Zentrum der Verhandlungen über ein Kriegsende steht der Streit über territoriale Ansprüche auf die ostukrainischen Regionen Donezk und Luhansk, die gemeinsam als Donbass bekannt sind. Das sei "der schwierigste Punkt", sagte Selenskyj.
Russland verlangt, dass die Ukrainer das bislang nicht von russischen Truppen besetzte restliche Territorium in Donezk abgeben. Kiew lehnt das ab. Russland hat einen Großteil der Region Luhansk und etwa 70 Prozent von Donezk besetzt.
Quelle: ZDF
Die USA haben vorgeschlagen, Donezk und Luhansk in freie Wirtschaftszonen zu verwandeln. Die Ukraine besteht darauf, dass die Ukrainer in einem Referendum über etwaige Änderungen abstimmen müssen. Selenskyj sagte, die Ukraine fordere die Entmilitarisierung des Gebiets und die Anwesenheit einer internationalen Truppe, die für Stabilität sorgen solle.
Ukrainische Soldaten der 25. Brigade setzen rund 50 Kilometer vor Pokrowsk Drohnen zur Abwehr russischer Angriffe ein. An der Front dauern die Kämpfe auch kurz vor Weihnachten an.
23.12.2025 | 2:39 minGemeinsamer Betrieb von Atomanlage?
Die Atomanlage Saporischschja, die größte in Europa, befindet sich derzeit unter russischer Besatzung. Die USA haben vorgeschlagen, dass die Anlage gemeinsam von ihnen, der Ukraine und von Russland betrieben wird. Jede Partei soll dabei Erträge aus dem Unternehmen bekommen. Selenskyj lehnt das ab: Wie könne man angesichts des Geschehenen mit Russland zusammenarbeiten?
Es ist klar, dass das für die Ukraine sehr erfolglos klingt und nicht sehr realistisch.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident Ukraine
Russland will weiter die Position der Ukraine schwächen und greift dabei gezielt die Zivilbevölkerung an. Russlands Kalkül sei "zynisch", so ZDF-Korrespondent Timm Kröger.
23.12.2025 | 1:37 minKiew brachte einen eigenen Vorschlag ein, wonach die Atomanlage mit Hilfe eines Joint Ventures zwischen den USA und der Ukraine betrieben würde. Dabei könnten die USA alleine entscheiden, was sie mit ihrem Anteil von 50 Prozent machen. Selenskyj sagte, für die Fortsetzung des Akw-Betriebs seien Investitionen im Milliardenumfang nötig.
Es gab etwa 15 Stunden lange Gespräche über die Anlage. Das sind alles sehr komplexe Dinge.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident Ukraine
Die Menschen in der Ukraine bereiten sich auf den vierten Kriegswinter vor. „Wir hoffen, dass es uns gelingt, einen gerechten und dauerhaften Frieden zu erreichen“, so Andrij Melnyk.
23.12.2025 | 5:17 min"Starke" Sicherheitsgarantien für die Ukraine
Der 20-Punkte-Plan sieht auch "starke" Sicherheitsgarantien für die Ukraine vor, die an Artikel 5 des Nato-Vertrags erinnern. Demnach müssten die Partner der Ukraine aktiv werden, sollte Russland das Land erneut angreifen. Selenskyj sagte, eine bilaterale, separate Vereinbarung mit den USA werde die Bedingungen festlegen, unter denen für Sicherheit gesorgt würde.
Der Entwurf für den 20-Punkte-Plan enthält auch die Vorgabe, dass das ukrainische Militär zu Friedenszeiten nicht mehr als 800.000 Soldaten umfasst. Zudem soll ein konkretes Datum für einen EU-Beitritt der Ukraine genannt werden. Zudem soll die Ukraine nach der Unterzeichnung des Abkommens Wahlen abhalten.
Aktuelle Meldungen zu Russlands Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveblog: