Vormarsch in der Ukraine:Russland gelingt Durchbruch in der Region Saporischschja
von Christian Mölling, András Rácz
Russland rückt im Süden der Ukraine in kurzer Zeit massiv vor. Die Stadt Huljajpole steht vor der Einkreisung. Fällt die Stadt, kann das auch Auswirkungen auf Verhandlungen haben.
Bei russischen Angriffen auf die Ukraine sind mindestens zwei Menschen getötet worden.
29.11.2025 | 0:21 minWährend sich die Aufmerksamkeit der Ukraine und der internationalen Gemeinschaft in den letzten Monaten vor allem auf die Kämpfe um Pokrowsk konzentrierte, gelang es den russischen Streitkräften in den letzten drei Wochen, in Richtung Saporischschja erheblich vorzustoßen und die Frontlinie in bestimmten Abschnitten um etwa 10 bis 12 Kilometer nach Westen zu verschieben.
Huljajpole als Schlüssel zur ukrainischen Verteidigung im Süden
Das operative Ziel der russischen Offensive ist die befestigte Stadt Huljajpole. Vor dem Ausbruch des Krieges hatte sie etwa 12.000 Einwohner, doch da die Front seit mehr als drei Jahren in ihrer Nähe verläuft, ist die Einwohnerzahl auf 1.500 bis 2.000 Menschen gesunken. Die Stadt wurde durch regelmäßigen russischen Beschuss sowie Luft- und Gleitbombenangriffe schwer beschädigt.
Dennoch ist Huljajpole nach wie vor die wichtigste ukrainische Befestigungsanlage im westlichen Teil des Frontabschnitts von Saporischschja. Die Stadt liegt auf einer etwas höheren Ebene über der Steppe und wird im Osten von mehreren kleineren Hügeln und im Süden von einer Reihe von Seen, Stauseen und Bächen geschützt. Da sie über ausgezeichnete Straßen- und Eisenbahnverbindungen nach Norden verfügt, ist die Stadt zu einem Eckpfeiler der ukrainischen Verteidigung an der Südfront geworden.
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29.11.2025 | 4:38 minRussischer Vormarsch im Nebel
Seit etwa dem 5. bis 6. November konnten russische Truppen unter Ausnutzung des Personalmangels der Ukraine und des schlechten, nebligen Wetters in Richtung Huljajpole vorrücken. Das schlechte Wetter hinderte die Ukraine daran, ihre Drohnen einzusetzen, um den Mangel an Soldaten in den Schützengräben auszugleichen.
Gleichzeitig bot das Gelände östlich von Huljajpole kaum verteidigungsfähige Punkte, da es dort sehr flach und Vegetation nur spärlich vorhanden ist.
... ist Senior Advisor beim European Policy Centre. Er forscht und publiziert seit über 20 Jahren zu den Themenkomplexen Sicherheit und Verteidigung, Rüstung und Technologie, Stabilisierung und Krisenmanagement. Für ZDFheute analysiert er regelmäßig die militärischen Entwicklungen im Ukraine-Konflikt.
... ist Associate Fellow im Programm Sicherheit und Verteidigung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin. Er forscht und publiziert zu Streitkräften in Osteuropa und Russland und hybrider Kriegsführung.
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26.11.2025 | 2:11 minTeilweise ungeordneter Rückzug der Ukraine
Die ukrainischen Streitkräfte versuchten, sich geordnet zurückzuziehen, aber mindestens zwei angeschlagene Kompanien führten einen nicht genehmigten Rückzug durch, was zur Destabilisierung von Teilen der Frontlinie nordöstlich von Huljajpole führte. Die Ukraine musste Reserven einsetzen und stabilisierte die Lage, aber die Russen stehen kurz davor, die Verbindungen der Stadt nach Norden zu unterbrechen.
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27.11.2025 | 14:18 minSchicksal der Region auch wichtig für Verhandlungen
Sollte Huljajpole fallen, würde dies nicht sofort den Zusammenbruch der ukrainischen Frontlinie in Saporischschja bedeuten, aber da die Verteidigungslinien in den letzten drei Jahren gegen einen Angriff aus dem Süden errichtet wurden, könnte es durchaus sein, dass Teile der Verteidigung unhaltbar werden, wenn die Russen sie von Osten her flankieren können.
Sollte dies geschehen, könnten Russlands Ansprüche auf größere Teile der noch nicht besetzten Gebiete der Region Saporischschja für viele realistischer erscheinen, sobald echte Waffenstillstandsverhandlungen beginnen. Außerdem könnte die Destabilisierung der ukrainischen Verteidigung Moskau dazu motivieren, den Druck hier zu verstärken und so die erzielbaren territorialen Gewinne zu maximieren.
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