Moskau: Schüsse auf Top-General Alexejew - was wir wissen

Angriff in Moskau:Schüsse auf russischen Top-General: Was wir wissen

ZDFheute Update - Kevin Schubert

von Kevin Schubert

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Der stellvertretende Chef des russischen Militärgeheimdiensts liegt mit schweren Schussverletzungen in einem Krankenhaus. War es ein Anschlag? Was bislang bekannt ist.

Wladimir Aleksejew

In Moskau ist ein hochrangiger russischer General angeschossen worden. Ein Unbekannter soll mehrere Schüsse auf Wladimir Alexejew abgegeben haben und dann geflohen sein.

06.02.2026 | 0:24 min

In Russland ist offenbar ein Attentat auf einen hochrangigen Armeevertreter verübt worden. Ein Unbekannter gab am Freitagmorgen laut russischen Ermittlern "mehrere Schüsse" auf General Wladimir Alexejew ab. Der stellvertretende Chef des Militärgeheimdiensts GRU sei in ein Krankenhaus eingeliefert worden.

Wer ist Alexejew? Was ist zu den Hintergründen des Angriffs bekannt? Und was ist aktuell noch unklar? ZDFheute mit einem Überblick.

Was zur Tat bekannt ist - und was nicht

Nach Ermittlerangaben attackierte der Angreifer Alexejew gegen 7 Uhr morgens, als er seine Wohnung verließ. Unten habe bereits ein Dienstwagen mit Fahrer auf ihn gewartet. Im Treppenhaus sei er angegriffen worden.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen versuchte Alexejew, sich zu wehren und dem Angreifer die Waffe aus der Hand zu schlagen. Demnach wurde er dabei durch mindestens drei Schüsse verletzt. Das russische Onlinemedium "Baza" berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, dass Alexejew viel Blut verloren habe.

Alexejew wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert. Laut "Mash" befindet er sich in einem "äußerst kritischen Zustand".

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Die Identität des Täters und wer hinter dem Angriff steckt, ist noch unklar. Gesucht wird nach einem mittelgroßen Mann zwischen 35 und 45 Jahren. Der Verdächtige soll bei seiner Flucht mehrfach von Kameras erfasst worden sein. Moskau hat bereits vor Jahren ein umfassendes Überwachungssystem mit mehr als 200.000 Kameras in den Hauseingängen und Höfen eingerichtet. Viele von ihnen sind mit einem System zur Gesichtserkennung verbunden.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow machte die Ukraine für den Angriff verantwortlich. "Dieser Terroranschlag bestätigt einmal mehr die Ausrichtung des Regimes von (Präsident Wolodymyr) Selenskyj auf ständige Provokationen, die darauf abzielen, den Verhandlungsprozess zum Scheitern zu bringen", sagte Lawrow mit Blick auf die Verhandlungen für eine Waffenruhe in der Ukraine.

Dem russischen Onlinemedium "Baza" zufolge wurde der Angriff in einem Wohnkomplex an der Wolokolamskaja-Straße im Nordwesten Moskaus durchgeführt. "Street View"-Aufnahmen des russisch-niederländischen Internetdienstleisters Yandex zeigen, dass das Hochhaus erst 2021 gebaut wurde.

Karte: Wohnkomplex in Moskau

Quelle: ZDF

Ein Video, das "Baza" im Messengerdienst Telegram postete, zeigte zahlreiche Einsatzkräfte vor dem Gebäude. Laut dem Bericht sperrte die Polizei den Zugang zur Straße. Außerdem kontrollierte sie parkende Autos und Bewohner beim Verlassen des Gebäudes.

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Was wir über Wladimir Alexejew wissen

Alexejew ist stellvertretender Leiter des russischen Militärgeheimdiensts GRU. Er gilt als einer der einflussreichsten Generäle Russlands. Sein Chef, Igor Kostjukow, leitet die russische Delegation bei den Verhandlungen in Abu Dhabi.

Während des Bürgerkriegs in Syrien war Alexejew für Geheimdiensteinsätze in dem Land verantwortlich. Moskau hatte den mittlerweile gestürzten Machthaber Baschar al-Assad unterstützt.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters koordinierte Alexejew in der Vergangenheit zudem die Beziehungen zwischen dem russischen Verteidigungsministerium und der russischen Söldner-Gruppe Wagner. Nach dem Aufstand der Wagner-Gruppe im Juni 2023 war es auch Alexejew, der mit dem damaligen Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin verhandelte.

In einem viel beachteten Moment forderte Prigoschin die Auslieferung von Verteidigungsminister Schoigu und Generalstabschef Gerassimow. Alexejew reagierte darauf laut Videoaufnahmen und Zeugenaussagen mit einem Lachen und den Worten: "Dann nehmt sie."

Diese Bemerkung wurde später in Teilen der russischen Sicherheitsapparate als respektlos und demütigend gegenüber der Militärführung interpretiert und sorgte intern für erheblichen Unmut.

Seit Jahren steht Alexejew auch auf westlichen Sanktionslisten - unter anderem wegen des Vorwurfs der Organisation von Cyberkriminalität und der Verbreitung des Nervenkampfstoffs Nowitschok im Zuge der Affäre um die versuchte Tötung des übergelaufenen Geheimdienstagenten Sergej Skripal in Großbritannien.

Immer wieder Anschläge auf hochrangige Armeevertreter

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 wurden bereits mehrere hochrangige Personen bei Anschlägen getötet. Dazu gehörten unter anderem:

Auf diesem aus einem Video aufgenommenen Foto beobachten Ermittler und Polizisten, wie ein Kran ein durch eine Explosion beschädigtes Auto auf eine Plattform am Tatort verlädt, wo Generalleutnant Fanil Sarvarov, Leiter der Operationsausbildungsdirektion des Generalstabs der russischen Streitkräfte, am Montag, dem 22. Dezember 2025, in Moskau durch einen unter seinem Auto platzierten Sprengsatz getötet wurde.

Im Dezember kam es zuletzt zu einem Angriff auf einen russischen General.

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  • Im April 2025 starb General Jaroslaw Moskalik bei einer Autoexplosion in der Nähe von Moskau.
  • Im Dezember 2024 wurde der hochrangige russische Armeevertreter Igor Kirillow in der russischen Hauptstadt bei der Explosion eines Rollers tödlich getroffen.
  • Ebenfalls im Dezember 2024 wurde der führende russische Raketenwissenschaftler Michail Schatskij in der Region Moskau ermordet.
  • Im Oktober 2024 starb Andriy Korotkyy, der von Russland eingesetzte Sicherheitschef des Atomkraftwerks in Saporischschja, durch eine Autobombe.
  • Im Dezember 2023 wurde Ilja Kywa in Moskau tot aufgefunden. Der ukrainische Politiker war zuvor nach Russland übergelaufen.
  • Im November 2023 starb Michail Filiponenko bei einer Autombomben-Explosion. Er war Abgeordneter Russlands in der annektierten Region Luhansk und ehemaliger Leiter einer von Moskau unterstützten Separatistenmiliz.
  • Im August 2022 starb Daria Dugina bei einer Autobombenexplosion. Sie war Tochter des Kreml-Propagandisten Alexander Dugin. Bis heute ist unklar, ob der Anschlag ihr oder ihrem Vater galt.

Zu mehreren der Anschläge bekannte sich die Ukraine.

Auch russische Geheimdienste verübten oder planten mehrere Anschläge seit Beginn des Kriegs. So wurde im Juli 2025 der ukrainische Geheimdienst-Offizier Ivan Woronytsch in Kiew erschossen. Auch Präsident Wolodymyr Selenskyj war nach Angaben aus Kiew immer wieder Ziel konkreter russischer Anschlagspläne.

Quelle: Mit Material von dpa, AP, Reuters und AFP
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 06.02.2026 um 11:03 Uhr im Beitrag "Schüsse auf russischen General in Moskau".

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