Streit um die Arktisinsel:Grönland-Abkommen: Was zur Einigung bekannt ist
US-Präsident Trump verkündet weitreichende Befugnisse, Grönland und Dänemark betonen die Souveränität der Arktisinsel. Was zu dem Abkommen bislang bekannt ist.
Donald Trump möchte den Einfluss der USA auf Grönland ausweiten.
Quelle: André Hirtz / ImagoDie USA, Dänemark und Grönland haben im Streit um die Arktisinsel einen Durchbruch und eine Einigung verkündet. In einer gemeinsamen Mitteilung der Regierungen von Dänemark und Grönland heißt es, es gebe Aussicht auf ein gutes Abkommen. Es wird damit gerechnet, dass der Deal in der kommenden Woche im Rahmen der UN-Generalversammlung in New York unterzeichnet wird.
Um in Kraft zu treten, muss das Abkommen anschließend noch parlamentarische Prozesse durchlaufen. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor auf der Plattform Truth Social bereits von einem vollständig besiegelten Abkommen geschrieben.
Alle wichtigen Fragen und Antworten zur Einigung und dem Streit um Grönland im Überblick:
Was beinhaltet das geplante Abkommen für die USA?
Nach Trumps Worten bekommen die USA durch den Deal weitreichende Befugnisse und dauerhafte Kontrolle über alle Fragen, die die Verteidigung der Insel und sonstige Sicherheitsbelange betreffen. Er schrieb auf seiner Plattform Truth Social:
Die Vereinigten Staaten haben ein Abkommen mit dem Königreich Dänemark und Grönland geschlossen, das den Vereinigten Staaten die dauerhafte Kontrolle über die Sicherheit und alle anderen Belange in Grönland gewährt.
Donald Trump bei Truth Social
Gegner der USA dürften fortan ohne ausdrückliche Genehmigung keine militärischen Stützpunkte auf Grönland errichten, keine Präsenz dort haben und keine sensiblen Investitionen tätigen. Außerdem würden sofort Vorbereitungen für den Aufbau einer großen Militärpräsenz auf der Insel aufgenommen. Ob diese ausschließlich von den USA gestellt wird, ging aus Trumps Post nicht eindeutig hervor.
Trump betonte weiter, dass die Vereinbarung für "immer" gelte und den USA durch sie keine Kosten entstünden - was genau Letzteres heißt und wer für Kosten aufkommt, blieb jedoch unklar. Zudem dürften die USA fortan tun, was immer nötig sei, um die Insel zu verteidigen.
Russland und China sind in der Arktis zunehmend präsent, auch die USA verfolgen eigene Interessen. Europa will seinen Einfluss in der strategisch wichtigen Region stärken. ZDFheute live.
14.09.2026 | 24:31 minWelche Vorteile ziehen Grönland und Dänemark aus dem Deal?
Während Trump vor allem die Befugnisse der USA hervorhob, betonten die dänische und grönländische Regierung, dass der Deal die Souveränität und territoriale Integrität des dänischen Königreichs anerkenne. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sagte laut Pressemitteilung:
Ich freue mich, dass es Aussicht auf ein gutes Abkommen für Grönland, das Königreich Dänemark und die USA gibt.
Mette Frederiksen, Dänemarks Ministerpräsidentin
Weiter erklärte sie, es handle sich um eine Vereinbarung, die "unsere gemeinsame Sicherheit in der Arktis und im Nordatlantik stärkt und deshalb auch gut für die Nato und Europa ist". Der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen betonte:
Das Abkommen erkennt Grönlands Interessen und unseren Platz in der internationalen Zusammenarbeit an.
Jens-Frederik Nielsen, grönländischer Regierungschef
Genauere Details sind allerdings nicht bekannt.
Die Nato erhöhte Anfang des Jahres ihre Arktis-Präsenz. Offiziell, um vor allem russischen Interessen entgegenzutreten. Inoffiziell spielt aber auch Trumps Griff nach Grönland eine große Rolle.
12.02.2026 | 2:32 minWarum gibt es überhaupt Streit um die Arktisinsel?
Schon während seiner ersten Amtszeit äußerte Trump die Idee, das zum dänischen Hoheitsgebiet gehörende Territorium zu kaufen. Damals wurde dies auf Grönland und in Dänemark zunächst für einen Scherz gehalten. Spätestens im Januar dieses Jahres wurde jedoch klar, dass Trump ernsthaft Ansprüche auf die Kontrolle der Insel erhebt. Grönland ist zu vier Fünfteln mit Eis bedeckt und hat knapp 60.000 Einwohner. Trump provozierte zuletzt, indem er auf Truth Social eine Landkarte postete, die Grönland in den Farben der US-Flagge zeigt.
Dänemark und Grönland stellten immer wieder klar, dass das Territorium nicht zum Verkauf stehe und die Grönländer selbst bestimmen sollten, was mit der Insel passiert. Grönland, eine frühere dänische Kolonie, ist inzwischen weitgehend autonom, gehört aber zum Königreich Dänemark. Zur Klärung des Konflikts mit den USA wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus allen drei Ländern gegründet.
Jahrhundertelang war Grönland dänische Kolonie. Dann wurde es Autonomieregion. Ein Blick in die Geschichte.
27.01.2026 | 2:03 minDie offizielle Begründung des US-Präsidenten lautet, dass Dänemark angesichts einer immer stärkeren Präsenz mächtiger Staaten wie China und Russland in der Arktis nicht ausreichend für die Sicherheit und Verteidigung der strategisch bedeutsamen Insel sorgen könne.
Die Vereinigten Staaten müssten deshalb für militärische Sicherheit sorgen, um nicht selbst in Gefahr zu geraten. Nicht nur auf der Insel wird zudem vermutet, dass es Trump neben einer militärischen Kontrolle auch um wertvolle Rohstoffe wie seltene Erden gehen könnte, die unter dem Eis schlummern.
Ist die Einigung ein Durchbruch für Trump?
Eher nicht, meint ZDF-Korrespondent David Sauer. Trump bleibe in seiner typischen Manier vage.
Die Souveränität Grönlands bleibt unangetastet und die USA verfügen bereits seit Jahrzehnten über weitreichende militärische und strategische Rechte vor Ort.
David Sauer, ZDF-Korrespondent in den USA
Letztlich handle es sich bei der Einigung "mutmaßlich um einen vertieften strategischen Pakt - und nicht um die fundamentale geopolitische Zäsur, als die der Präsident dieses Abkommen inmitten spürbar schwächelnder Umfragewerte zu inszenieren sucht."
Quelle: ZDF
Aktuell unterhält das US-Militär nur noch eine Militärbasis auf Grönland: die für Raketenabwehr und Radarüberwachung wichtige Pituffik Space Base im Nordwesten, die den US-Streitkräften ihre Überlegenheit im Weltraum sichern soll. Trump sprach mehrfach über die Idee, ein Raketenabwehrsystem namens "Golden Dome" auf der Insel zu errichten, die beim Angriff eines Feindes wie Russland direkt in der Flugbahn möglicher Raketen mit Ziel USA liegen könnte.
Ist der Streit um Grönland nun beigelegt?
Das bleibt abzuwarten und hängt vor allem davon ab, ob sich Donald Trump mit dem Abkommen zufrieden mittelfristig gibt.
Im Boden Grönlands befinden sich zahlreiche Rohstoffe von internationalem Interesse. Mit ihrem Besuch wollte die EU-Kommissionspräsidentin ein europäisches Zeichen ins Ausland setzen.
09.09.2026 | 3:14 minWelche Rolle spielen Europa und Deutschland in diesem Konflikt?
Europa will seinen Einfluss in der strategisch wichtigen Region stärken. Auf Trumps Alleingang vor einigen Monaten hatten sich europäische Nato-Länder entschlossen gezeigt, Grönlands Souveränität zu unterstützen.
Die Europäische Union zeigte demonstrativ Stärke: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte die Arktisinsel und gab einen Ausbau der Zusammenarbeit bekannt. Dabei geht es um die Vertiefung wirtschaftlicher und politischer Beziehungen sowie ein millionenschweres Investitionspaket. Die EU will zudem zukünftig helfen, die Rohstoffe Grönlands zu bergen.
Was ein Abkommen für Deutschland bedeuten würde, ist unklar. Offen blieb zunächst, inwieweit andere Nato-Länder und die EU in den Deal eingebunden sein könnten. Als wirtschaftsstärkste Volkswirtschaft der EU und wichtiger Nato-Staat ist Deutschland jedoch unmittelbar von den Abmachungen beider Bündnisse mit den USA betroffen.
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