Gipfel gegen Bedrohung der EU:Suche nach neuer Arktis-Strategie: Merz am Polarkreis
von Wulf Schmiese
Rund um den Nordpol ist Europa verwundbar wie nie zuvor: Der Klimawandel ermöglicht neue Seewege - auf die Russland und China setzen.
Europa beginnt, eigene Interessen in der Arktis zu untermauern. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen etwa hat in Grönland ein millionenschweres Investitionspaket angekündigt.
08.09.2026 | 2:43 minDer Außenkanzler besucht die Arktis, während es innerparteilich brodelt. Zwei Tage ist er am Polarkreis, um Europas Verteidigungsstrategie zu beraten. Der EU-Arktis-Gipfel in Rovaniemi, der Hauptstadt des finnischen Lapplands, gilt als dringend für alle Teilnehmer - egal, was gerade daheim los ist. Die Nordost-Flanke des Kontinents ist hier oben im höchsten Norden akut bedroht durch das angrenzende Russland.
Um darüber zu sprechen, war Friedrich Merz schon im Mai 2025 nach Finnland geflogen, keine drei Wochen nach seiner Wahl zum Kanzler. Der dortige Ministerpräsident Petteri Orpo hält die Lage für so brisant, dass auch er fordert, die Arktis-Politik der EU fundamental neu auszurichten.
Auf Orpos Einladung treffen sich dazu nun etliche Regierende der europäischen Nachbarstaaten mit Spitzen der EU. Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat soeben am Montag auf Grönland einen ständigen Sitz der EU eröffnet als Zeichen europäischen Machtanspruchs. Die Arktis sei zu einem Ort geworden, sagte sie, an dem "die tektonischen Platten der Geopolitik aufeinanderprallen".
Ursula von der Leyen war in Grönland und sendet damit eine europäische Botschaft. Die EU will zukünftig helfen, die Rohstoffe Grönlands zu bergen, so ZDF-Korrespondent Ulf Röller.
09.09.2026 | 3:34 minKlimawandel verändert Arktis - auch sicherheitspolitisch
Bisher galt für die EU der Klimawandel als größte Sorge in der Arktis. Die jüngste EU-Arktis-Strategie - Schutz von Umwelt, Ökosystem und der indigenen Bevölkerung - stammt von 2021. Russlands Angriff auf die Ukraine und auch Donald Trumps geopolitische Gier auf Grönland haben Europas Arktis-Pläne umgehend zu Makulatur werden lassen. "Die Arktis steht im Zentrum einer geopolitischen Neuorientierung", heißt es im Kanzleramt.
Der Klimawandel eröffnet neue Seewege, während die russische Remilitarisierung der Region die sicherheitspolitische Lage verschärft.
Kanzleramt
In Lappland soll die bisherige EU-Strategie nun um Geo-, Wirtschafts- und Sicherheitspolitik erweitert werden. Der fortschreitende Klimawandel spielt dabei eine treibende Rolle. Weil das Packeis schmilzt, entstehen neue, strategisch viel kürzere Seewege. Zudem werden gigantische Vorkommen an kritischen Rohstoffen förderbar.
Im Boden Grönlands befinden sich zahlreiche Rohstoffe von internationalem Interesse. Mit ihrem Besuch will die EU-Kommissionspräsidentin ein europäisches Zeichen ins Ausland setzen.
09.09.2026 | 3:14 minRussland, China und USA erheben Ansprüche
Das hat Begehrlichkeiten geweckt, sichtlich aggressive: Russland rüstet seine arktischen Küsten auf, China zieht neue Handelsrouten für seine Containerschiffe gen Europa und auch die USA erheben Ansprüche. Kanzler Merz warnt vor dieser multiplen Bedrohung. Zum Gipfeltreffen wird aus dem Kanzleramt Druck gemacht:
Bislang verfügt die EU über keinen langfristigen und integrierten Politikansatz sowie die dazugehörigen Mittel, um als pro-aktiver Akteur in der Arktis aufzutreten.
Kanzleramt
Für Deutschland ergäben sich "neue Verantwortungen". Dazu zähle "ein unabhängiger Zugang zum Weltraum", heißt es in der Bundesregierung, wo konkrete Maßnahmen genannt werden: "Im Verbund bilden Norwegens Weltraumzentrum Andøya mit der deutschen Orbital-Trägerrakete von Isar Aerospace und Schwedens Space Center Europas Tor zum All im Hohen Norden."
Wie geht es für Bundeskanzler Friedrich Merz nach dem desaströsen CDU-Ergebnis bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt weiter? Und wie trifft die Wahl die CDU auf Bundesebene?
10.09.2026 | 17:59 minArktis-Strategie bis Weihnachten erwartet
Der innenpolitisch schwer angeschlagene Kanzler will Lappland als Bühne nutzen, um Führungsstärke zu demonstrieren: Der tauende Polarkreis dürfe nicht den vermeintlichen Großmächten überlassen werden. Die künftige EU-Arktis-Strategie soll möglichst bis Weihnachten stehen.
Wozu wiederum der Gipfelort passt: In Rovaniemi ist nämlich auch das "Hauptpostamt des Weihnachtsmanns". Dort erhalten als Wichtel und Elfen verkleidet Bedienstete Millionen Wunschzettel aus aller Welt.
Friedrich Merz könnte seinen noch rechtzeitig einwerfen.
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