Risse in der Achse Rom - Washington:Warum Meloni und Trump keine Freunde mehr sind
von Barbara Lueg, Rom
Eigentlich hatten die Ministerpräsidentin und der Präsident ein gutes Verhältnis. Doch das scheint vorbei: Trumps Umgang mit dem Papst nennt Meloni "inakzeptabel".
Die einst enge politische Partnerschaft wankt, nachdem Meloni Trumps Aussagen über den Papst scharf kritisiert hat.
Quelle: action pressDie Geschichte dieser erodierenden Freundschaft beginnt mit dem Grönland-Konflikt. Auf ihrer traditionellen Pressekonferenz zum Jahresbeginn im Januar äußerte sich Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ungewohnt kritisch gegenüber US-Präsident Donald Trump und seinen Zollankündigungen gegen acht EU-Länder.
Ich glaube nicht daran, dass die USA eine Militäraktion starten werden, um die Kontrolle über Grönland zu übernehmen.
Giorgia Meloni, Ministerpräsidentin Italiens im Januar
Das sei eine Option, die sie "eindeutig nicht gutheißen" würde.
Es war das erste Mal, dass Meloni Trump offen kritisierte und sich klar auf die Seite ihrer EU-Partner stellte - auch wenn Italien selbst von der Zollandrohung ausgenommen war.
Die gescheiterte Abstimmung zur Justizreform, Geldwäsche- und Korruptionsvorwürfe sowie Fehltritte von Justizvertretern haben Giorgia Melonis Macht geschwächt, es gibt Demos gegen die Regierung.
31.03.2026 | 2:09 minEnde der Trump-Flüsterin?
Die Freundschaft bekam erste Risse. Der amerikanische Präsident hatte bis dahin geglaubt, in der italienischen Ministerpräsidentin eine treue Verbündete, gar eine Freundin gefunden zu haben. Bis dahin hatte Meloni auch stets versucht, als Brückenbauerin zwischen der EU und Trump zu agieren.
Doch für Meloni wurde die Rolle der "Trump-Flüsterin" ein immer größerer Drahtseilakt. Denn sie musste EU-Interessen im Blick haben und den amerikanischen Präsidenten gleichzeitig bei Laune halten.
Drahtseilakt für Meloni
Vor diesem Hintergrund war Melonis offene Kritik im Grönland-Konflikt wohl der Anfang einer neuen Ära, aber wohl auch eine logische Konsequenz. Denn in Zeiten, in denen sich die Politik Donald Trumps verstärkt gegen die EU richtet, wird es für Giorgia Meloni zunehmend schwieriger, diesen Balanceakt für beide Seiten zufriedenstellend umzusetzen. "Strukturelle Ambivalenz" nennt die Politologin Giovanna Orsina von der römischen LUISS-Universität diesen Drahtseilakt.
Die USA haben nach eigenen Angaben damit begonnen, die Straße von Hormus teilweise zu blockieren. Ziel ist es, zu verhindern, dass Schiffe iranische Häfen anlaufen oder verlassen.
13.04.2026 | 1:53 minUnd der wird für Meloni nun noch komplizierter, seit Trump einen unpopulären Krieg im Nahen Osten begonnen hat. Meloni verurteilte das iranische Regime, stellte aber gleichsam die Rechtmäßigkeit des Krieges infrage. Sichtlich um Diplomatie bemüht erklärte sie: "Dies ist ein Prozess, der seit einiger Zeit im Gange ist, aber meiner Ansicht nach an einem sehr bestimmten Wendepunkt angelangt ist."
Politische Verrenkungen, die so kaum mehr funktionieren. Seit Italien zwei US-Kampffliegern auch noch die Landung auf einem sizilianischen US-Stützpunkt verweigerte, ist die einst enge Freundschaft einmal mehr erkaltet.
Melonis Balanceakt ist mit dem Krieg in Iran zusammengebrochen.
Ferruccio de Bortoli, ehemaliger Chefredakteur des Corriere della Serra
US-Präsident Trump hat Kritik von Papst Leo XIV. an seiner Politik harsch zurückgewiesen. Er sei "kein großer Fan". Der Papst hatte am Samstag im Kontext des Iran-Kriegs zu Frieden aufgerufen.
13.04.2026 | 1:01 minMeloni nennt Trump-Kritik am Papst "inakzeptabel"
Nachdem nun auch Papst Leo XIV. das Ende von Kriegen in seiner Predigt gefordert hatte, spitzte sich das Verhältnis zwischen Rom und Washington noch einmal zu. Trump nannte das Oberhaupt der katholischen Kirche unter anderem "schwach" und "schrecklich". Papst Leo XIV. hat daraufhin deutlich gemacht, dass er sich vom US-Präsidenten nicht einschüchtern lassen will.
Auch Giorgia Meloni ließ Trumps Worte nicht unkommentiert. "Ich halte die Worte von Präsident Trump gegenüber dem Heiligen Vater für inakzeptabel", erklärte die italienische Ministerpräsidentin. In Rom macht sich der amerikanische Präsident gerade keine Freunde mehr.
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