Jens Spahn als Trump-Versteher? So wehrt sich der CDU-Politiker

Unionsfraktionschef wehrt sich:Spahn will nicht der Trump-Versteher sein

Mathis Feldhoff

von Mathis Feldhoff

|

Hat Jens Spahn zu große Sympathien für Donald Trump? Erneut haben die Grünen dem Unionsfraktionschef eine unangemessene Nähe unterstellt. Der CDU-Politiker wehrt sich.

Jens Spahn beim Pressestatement zur Fraktionssitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Reichstagsgebäude. Berlin, 27.01.2026

Jens Spahn will Trump verstehen - wehrt sich aber dagegen, als Trump-Versteher zu gelten.

Quelle: action press

Es ist eine der Gepflogenheiten, die seit ein paar Jahren die Debatten im Parlament interessanter gestalten sollen - das Instrument der Zwischenfrage. In der Debatte zur Regierungserklärung des Bundeskanzlers zur internationalen Lage versuchen heute die Grünen den Unionsfraktionschef vorzuführen. Kurz vor dem Ende seiner Redezeit meldet sich die Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge.

Es wirkt wie eine Replik auf die gerade von Jens Spahn platzierte Kritik am Abstimmungsverhalten der Grünen im Europaparlament zum Mercosur-Abkommen, bei dem diese gemeinsam mit Linken und AfD versucht haben, das Abkommen zu stoppen. Spahn gehöre zu denen, "die Trump in den letzten Jahren verharmlost haben", so Dröge. Sie wolle ihm die Chance geben, zu zeigen, einfach zu sagen, er liege mit seiner Einschätzung der US-Politik "komplett falsch".

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gibt in der 56. Plenarsitzung der 21. Legislaturperiode im Deutschen Bundestag eine Regierungserklärung

In seiner Regierungserklärung setzt der Bundeskanzler einen klaren Schwerpunkt auf Außenpolitik. Er kritisiert die Zollpolitik der USA.

29.01.2026 | 1:51 min

Spahn: Teil der Entwicklung in den USA "nicht für möglich gehalten"

Dröge hat sich vorbereitet. Zählt Beispiele und Zitate von Spahn auf. Benennt seine Freundschaft zum ehemaligen US-Botschafter Richard Grenell. Selbst vor zwei Wochen habe Spahn, im Konflikt um Grönland, noch gesagt, Donald Trump "hätte da einen Punkt". Das will der CDU-Mann so nicht stehen lassen. Wahrscheinlich kann er es auch gar nicht, nachdem der Kanzler zuvor scharfe Kritik an der derzeitigen US-Politik geübt hat. Es sei ein Unterschied zwischen "verstehen wollen und Verständnis haben", so Spahn.

Aber er räumt auch ein, dass ihn "ein Teil der Entwicklungen in den USA besorgt" und dass er diese "so nicht für möglich gehalten" habe. So wie in der Regierungserklärung des Kanzlers deutlich wird, wird auch bei Jens Spahn erkennbar, dass aus der unbedingten Amerika-Freundlichkeit der vergangenen Jahre eine erkaltete Liebe geworden zu sein scheint.

Theo-Koll

Theo Koll fordert eine klare Reaktion nach dem Auftreten der USA in Davos. Er sagt: "Nostalgie ist keine Strategie".

23.01.2026 | 5:03 min

Immer wieder Debatten um Spahn

Schon vor zwei Wochen hatte Spahn mit einer Interview-Äußerung eine ähnliche Diskussion um seine Person entfacht. In einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung hatte er gesagt:

Wenn man die Lage Grönlands auf dem Globus anschaut, sind die von den USA gestellten Fragen übrigens nachvollziehbar.

Jens Spahn (CDU), Unionsfraktionschef

Es gehe schließlich darum, Grönland vor dem Einfluss Russlands zu bewahren. Das rief auch SPD-Politiker als Kritiker auf den Plan. Der SPD-Außenpolitiker Adis Ahmetovic unterstellte dem Unionsfraktionschef auf der falschen Seite zu stehen:

Wer zwischen den Zeilen liest, erkennt bei Spahn durchaus Sympathien für den Kurs von Donald Trump.

Adis Ahmetovic, SPD-Außenpolitiker

Unionsfraktionschef Jens Spahn im Berlin-direkt-Interview

Jens Spahn lobt einen besonnenen Kurs des Kanzlers im Umgang mit Donald Trump. Der Unionsfraktionschef im ZDF-Interview.

25.01.2026 | 5:48 min

Spahn verteidigt sich im ZDF

Am Montag vor zehn Tagen reagierte Spahn auf Fragen des ZDF klar und deutlich:

Was nicht akzeptabel ist, ist nicht akzeptabel.

Jens Spahn (CDU), Unionsfraktionschef

Gemeint waren die Drohungen des US-Präsidenten gegenüber den europäischen Ländern. Man müsse mit der Trump-Regierung "in Zollfragen deutlich reden", aber man solle jetzt nicht eskalieren. "Wir brauchen einander", so Spahn, "in Sicherheits- und Geheimdienstfragen, bei der Wirtschaft". Das klang nicht unbedingt danach, als würde der CDU-Mann Spahn heimlich mit der US-Regierung kungeln.

Studiogespräch zwischen der Moderatorin Marietta Slomka und der Konfliktforscherin Nicole Deitelhoff.

Trump stellt die internationalen Beziehungen auf den Kopf. Kann Europa im Schatten von Großmächten überleben? Konfliktforscherin Nicole Deitelhoff ordnet ein.

25.01.2026 | 6:04 min

Gemeinsame Antwort auf veränderte Sicherheitslage

Jens Spahn verteidigte schon vor zehn Tagen seine Wortwahl. Statt moralischer Empörung über Trump brauche es eine nüchterne Analyse und eine "besonnene Antwort". Veränderten Sicherheitsbedingungen rund um Grönland müsse man begegnen, so Spahn:

Wir haben gemeinsam ein Interesse daran, dass Grönland gesichert wird.

Jens Spahn (CDU), Unionsfraktionschef

Aber auch beim Unionsfraktionschef bemerken Beobachter eine gewisse Ernüchterung beim Blick auf die USA. Erst die geradezu europafeindliche Rede Trumps in Davos, jetzt die tödliche Gewalt in Minneapolis. Selbst die größten Amerika-Fans in der Union geraten derzeit in einen tiefen Zwiespalt zu den USA.

Mathis Feldhoff berichtet aus dem ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin.

Über dieses Thema berichteten verschiedene Sendungen, etwa das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 19.01.2026 ab 05:30 Uhr sowie Berlin direkt am 15.01.2026 ab 19:10 Uhr.

Mehr zu den USA und Europa

  1. Donald Trump vor der Presse auf der Jahrestagung 2026 des Weltwirtschaftsforums in Davos-Klosters, Schweiz, am 22.01.2026.
    Interview

    Europa zwischen den Großmächten:Konfliktforscherin Deitelhoff: "Es wird unangenehmer"

    mit Video6:04

  2. US Soldaten auf einer Militärbasis in Rumänien (Archivbild)

  3. Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA)
    Interview

    Außenhandelsexperte zu Trumps Zöllen:"Kurzzeitige Entwarnung, aber kein dauerhaftes Aufatmen"

    mit Video2:36

  4. Merz und Trump

    WM-Boykott?:Wie sich unser Bild von den USA wandelt

    von Sven Rieken
    mit Video4:18