Sicherheitsexperte: Ergebnisse in Ukraine nur mit Druck auf Putin

Interview

Sicherheitsexperte zum Kreml-Kurs:Lange: "Putins Krieg funktioniert nicht"

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Putin will vielleicht sprechen, aber vor allen Dingen weiter in der Ukraine angreifen, sagt Sicherheitsexperte Nico Lange. Ergebnisse gebe es nur durch Druck auf Russland.

SGS-Lange-Gökdemir

Sehen Sie hier das Interview mit Sicherheitsexperte Nico Lange in voller Länge.

04.02.2026 | 4:00 min

Russische Raketen und Drohnenangriffe auf die Ukraine kurz bevor Vertreter Kiews und Moskaus am Mittwoch unter US-Vermittlung in Abu Dhabi über Wege zu einem Kriegsende sprechen wollen.

Bomben und Diplomatie - ist das Putins Weg zu einem Diktat-Frieden? Und was ist von den USA zu erwarten? Darauf hat Sicherheitsexperte Nico Lange Antworten.

Sehen Sie oben im Video das Interview in voller Länge oder lesen Sie es unten in Auszügen.

Im Interview mit dem ZDF heute journal update betont Lange, dass ...

... Putin vor allem weiter angreifen will

"Putin will vielleicht sprechen, aber vor allen Dingen weiter angreifen", erklärt der Sicherheitsexperte. Russlands Präsident Wladimir Putin lasse keinen Zweifel daran, "dass es ihm darum geht, die Ukraine zu unterwerfen und Europa umzugestalten".

Das sei aus seiner Sicht ein weiterer Hinweis darauf, dass Gespräche nicht mit gutem Willen Putins verwechselt werden dürften, da dieser nicht vorhanden sei.

Wenn man Ergebnisse will, dann muss man Druck auf Putin ausüben.

Nico Lange, Sicherheitsexperte

UAE president meets US, Russian and Ukrainian delegations in Abu Dhabi

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... man besser nicht auf einen Kurswechsel Trumps setzen sollte

Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert nach den jüngsten russischen Angriffen von den USA Konsequenzen gegen Russland. Doch Lange bezweifelt, dass US-Präsident Donald Trump für solche Forderungen ein offenes Ohr habe.

Trump mag es nicht, wenn er schlecht da steht ...

Nico Lange, Sicherheitsexperte

"... und ich glaube, er steht schlecht da, weil er gelobt hat, dass Putin angeblich die Ukraine nicht mehr beschießt, aber das ist jetzt eindeutig ganz anders gewesen", bilanziert Lange und warnt davor, auf einen grundlegenden Kurswechsel Trumps zu setzen.

Darauf zu hoffen, "dass Trump irgendwann mal böse auf Putin wird", sei zu wenig, um die Situation zu lösen. Stattdessen sieht er Europa in der Pflicht, auch wenn die Europäer nicht an den Gesprächen beteiligt seien. Sie müssten sich fragen, wie sie selbst für Frieden in Europa sorgen könnten.

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... Putin unter Druck gesetzt werden müsse

Lange zufolge ginge es darum, Putin gezielt unter Druck zu setzen, und zwar so:

  • sogenannte Schattenflotte müsse gestoppt
  • kein indisches Öl mehr gekauft
  • und generell nicht mehr Putins Kriegskasse gefüllt werden.

Europa müsse sich durch Stärke in die Gespräche hineinbringen und klar benennen, wie die Ukraine unterstützt und Putin künftig von weiteren militärischen Aktivitäten abgehalten werden solle.

Schaltgespräch mit Henner Hebestreit

Selenskyi werde sich nach den russischen Luftangriffen sicher nicht so weit provozieren lassen, den Gesprächen in Abu Dhabi fernzubleiben, so ZDF-Reporter Henner Hebestreit.

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... Putins Krieg nicht funktioniert

Nicht nur die Ukraine steht unter Druck, auch Russland leidet zunehmend wirtschaftlich. Die Einnahmen aus dem Verkauf von Erdöl und Erdgas sind auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren gesunken, zudem will Indien den Kauf von russischem Öl einstellen.

Sicherheitsexperte Lange wertet diese Entwicklung als Zeichen dafür, dass Moskaus Kurs nicht aufgeht.

Putins Krieg funktioniert nicht, Putins Wirtschaft funktioniert nicht, seine Finanzen funktionieren nicht.

Nico Lange, Sicherheitsexperte

Unter Putin habe das Land "überhaupt keine positive Zukunft". Zugleich warnt er davor, sich von der Außenwirkung des Kremls täuschen zu lassen. Putin schaffe es, "uns mit seiner Brutalität Angst zu machen" und stärker zu erscheinen, als er tatsächlich sei.

Nach seiner Einschätzung werde der russische Präsident sein Handeln ändern müssen, wenn der finanzielle und wirtschaftliche Druck weiter wachse. Entscheidend sei dabei nicht allein das Vorgehen der USA. Es gehe auch darum, ob Europa bereit sei, "Putin endlich den Geldhahn zuzudrehen".

Mit Blick auf das Treffen in Abu Dhabi am Mittwoch erwartet Lange nicht viel. "Die großen politischen Durchbrüche, die wird es da nicht geben."

Das Interview führte ZDF-Moderatorin Nazan Gökdemir, zusammengefasst hat es Katharina Schuster.

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Über dieses Thema berichtete das ZDF heute journal update am 04.02.2026 ab 00:20 Uhr.

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