Vier Jahre Ukraine-Krieg:Eigendorf: "Menschen erfrieren in ihren Wohnungen"
von Felix Rappsilber
Die Entschlossenheit der Ukrainer sei trotz ihrer "katastrophalen Situation" immer noch da, sagt Katrin Eigendorf. Paul Ronzheimer warnt vor einem Blackout in Kiew.
Sehen Sie hier die Sendung "Markus Lanz" vom 19. Februar 2026 in voller Länge.
19.02.2026 | 75:29 min"Es sind minus zehn Grad. (...) In der Stadt Kiew sind nach neusten Angaben immer noch 1.100 Häuser komplett ohne Heizung." - Katrin Eigendorf berichtete am Donnerstagabend bei "Markus Lanz" über den Alltag der ukrainischen Zivilbevölkerung.
Zugeschaltet aus Kiew sagte die Internationale Sonderkorrespondentin des ZDF: "Die Menschen haben gar keine Wärme. In vielen Häusern gibt es Strom nur über wenige Stunden."
Die Menschen sind hier eigentlich in ganz, ganz vielen Häusern von der Versorgung abgeschnitten.
Katrin Eigendorf, ZDF-Korrespondentin
Sie würden versuchen, sich von einem Tag auf den anderen "immer wieder durch zu retten": "[Die Ukrainer] bauen in ihren Wohnungen teilweise Zelte auf. Sie (...) nehmen einen zentralen Raum, den sie versuchen, so gut wie möglich abzudichten und schlafen in Zelten."
Nächte in der U-Bahn, Drohnen und Raketen über Kiew: Russlands Angriffe treffen Energieversorgung und Gesundheit – Stress, welcher immer mehr Ukrainer krank macht.
07.02.2026 | 2:12 minBesonders alten Menschen macht die Situation zu schaffen
Für alte Menschen sei das eine "Katastrophe". Gerade in ukrainischen Großstädten wie Kiew und Charkiw gebe es viele Hochhäuser: "Wenn die Lifte nicht mehr fahren, stecken sie dort einfach fest. Wenn sie dann niemand versorgt, dann erfrieren Menschen einfach in ihren Wohnungen."
Eigendorf erlebe Ukrainer, die "gar nicht mehr wissen, wie es überhaupt weitergehen soll". Hinzu komme "maximale Verunsicherung" über die Verhandlungen in Genf. Die Korrespondentin sagte:
Ich habe die Ukraine in den vier Jahren des Krieges noch nie in einer so katastrophalen Situation wie jetzt erlebt.
Katrin Eigendorf, ZDF-Korrespondentin
Nach den Gesprächen zwischen der Ukraine und Russland in Genf zeigt sich der ukrainische Präsident Selenskyj unzufrieden. Die Ergebnisse des Treffens in Genf seien nicht ausreichend.
19.02.2026 | 0:21 minDennoch sei die Zivilgesellschaft die "Stärke der Ukraine": "Dieses Talent der Ukrainer, in einer schlimmen Situation zusammenzustehen, das zeigt sich bis heute."
Das hätten die "Russen auf eine Art und Weise unterschätzt, die ihnen wirklich Riesen-Probleme bereitet". Denn die "Entschlossenheit der Ukrainer" sei "immer noch da".
Trotz Kriegsleiden bleiben die Kiewer unbeugsam. "Die Bereitschaft, den Russen Gebiete zu geben, die sie nicht selbst erobert haben, ist sehr niedrig ausgeprägt", berichtet ZDF-Reporter Henner Hebestreit.
17.02.2026 | 2:49 minMüssen die Menschen aus Kiew fliehen?
Kriegsreporter Paul Ronzheimer bestätigte diesen Lagebericht. Vitali Klitschko, Kiews Bürgermeister, kämpfe seit Wochen und Monaten darum, die Energie-, Wärme- und Wasserversorgung immer wieder zu reparieren.
Noch vor einem Jahr habe man es hinbekommen, dass die "gesamte Stadt nach einem Angriff relativ schnell wieder funktioniert hat". Inzwischen sei das ganz anders:
Das sagen sie noch nicht öffentlich, weil das Panik auslösen würde, aber ich höre, dass manche mittlerweile ein Szenario denken, dass Kiew (...) dauerhaft ohne Strom, ohne Wasser und ohne Heizung sein könnte.
Paul Ronzheimer, Kriegsreporter
In der Ukraine ist es zu massiven Stromausfällen gekommen. Auch in der Hauptstadt Kiew erleben sie damit, was die Menschen in den Frontgebieten schon lange mitmachen.
31.01.2026 | 2:33 minDas würde eine "Riesen-Fluchtwelle" bedeuten: "Die Frage ist nur: Wohin sollen die Menschen noch?" Kiew sei die gesamte Zeit immer noch eine "Art Ruhepol" gewesen, "auch für die Leute, die von der Front kamen".
Das habe sich nun "radikal verändert": "Die Frage wird sein: Schafft es Putin - wir wissen, dass er es geschafft hat, mehr ballistische Raketen neben den Drohnen zu produzieren -, damit die Stadt wirklich platt zu machen?"
Immer mehr junge Ukrainer fliehen vor dem Kriegsdienst. Für die Armee stellt das ein großes Problem dar. Für die Männer ist es eine Frage von Leben und Tod.
13.01.2026 | 2:11 minMascolo: Ukrainer bilden deutsche Soldaten aus
Im Ukraine-Krieg werden von beiden Seiten immer neue Waffensysteme eingesetzt. Autor Georg Mascolo sagte, dass ukrainische Soldaten jahrelang zur Ausbildung nach Deutschland gekommen seien:
Jetzt gibt es ein Abkommen mit der ukrainischen Armee, dass ukrainische Soldaten nach Deutschland kommen, um deutsche Einheiten auszubilden.
Georg Mascolo, Autor
Das sei "notwendig", weil man nicht nur etwas über die ukrainische Technologie, sondern auch über die ukrainische Kriegsführung lernen könne.
Der Film des oscarprämierten ukrainischen Dokumentarfilmers Mstyslav Tschernov zeigt den Alltag der Soldaten an vorderster Front - auch mit Bodycam-Aufnahmen. Nah und schonungslos.
19.02.2026 | 2:57 minLaut Wolfgang Schmidt, Ex-Kanzleramtschef unter Olaf Scholz, sei dieses Abkommen geschlossen worden, um "sehr schnell dafür zu sorgen, dass diese Kenntnisse (...) in die Nato-Armeen überführt werden". Der SPD-Politiker sagte:
Wir müssen das schnell studieren, auch damit die Dinge, die wir liefern, angepasst werden.
Wolfgang Schmidt, SPD-Politiker
Ronzheimer wandte sich an Schmidt: Es sei "unglaublich fahrlässig" gewesen, dass die Ampel-Regierung "so spät" Waffen an die Ukraine geliefert habe.
Der Ex-Kanzleramtschef räumte ein: "Das ist aus heutiger Sicht natürlich ein schwerer, schwerer Fehler. (...) Ich sage nur: Das war ein Traditionsbestand der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik - keine Waffen in Kriegs- und Krisengebiete."
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