Berlinale 2026: Dokumentarfilm berichtet über Russen im Exil

Dokumentarfilm bei der Berlinale:Wie leben junge Menschen aus Russland im Exil?

Reporterin Stefanie Hayn in Berlin

von Stefanie Hayn, Berlin

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Sie wollen sich dem Regime nicht beugen und verlassen Russland. Der Dokumentarfilm "Ein russischer Winter" begleitet junge Russinnen und Russen, die ins Exil gegangen sind.

"A Russian Winter" auf der Berlinale

Der ukrainische Dokumentarfilm "A Russian Winter" porträtiert junge russische Kriegsgegner, gefangen zwischen der Verweigerung des Regimes und einem Leben ohne Heimat - im Exil.

17.02.2026 | 1:29 min

Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022 stehen viele junge Russinnen und Russen vor einer schweren Entscheidung. Sich politisch zu äußern, kann schnell im Gefängnis enden. Jungen Männern droht die Einberufung. Für viele von ihnen ist Exil die einzige Wahl. Eine schwere Entscheidung, die manche Hals über Kopf treffen, oder treffen müssen.

Plötzlich spüren sie: Da können sie nicht mehr leben.

Patric Chiha, Filmemacher

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17.02.2026 | 3:08 min

Dokumentarfilm zeigt Leben im Exil

"Dem Regime wollen sie sich nicht unterwerfen. Sie lassen wirklich ihr Leben los und die Möglichkeit, Geld zu verdienen. Oder Liebesgeschichten", so Filmemacher Patric Chiha. Genaue Zahlen, wie viele Russinnen und Russen nach Kriegsbeginn 2022 ihre Heimat verlassen haben, gibt es nicht. Regisseur Patric Chiha hat eine Gruppe junger Leute begleitet für seinen Dokumentarfilm "Un Hiver Russe", zu Deutsch "Ein russischer Winter".

Die meisten hat er relativ kurz nach ihrer Flucht in Istanbul getroffen, denn in die Türkei können sie mit ihren russischen Pässen leicht einreisen. Margarita, Yuri und ihre Freunde gehen ins Exil und hängen fest. Es gibt kein Zurück und es gibt auch keinen Ort, an dem sie sich angekommen fühlen. Die Zeit vergeht und nichts passiert.

Es ist eine permanente Gegenwart, was irgendwie auch die Hölle ist. Es gibt gerade keine Zukunft.

Patric Chiha, Filmemacher

Der Film begleitet sie beim Warten, denn das bestimmt ihr Leben.

Ich renne, ich stoppe, ich renne, ich stoppe. Ich warte auf viele Dinge. Endlos.

Margarita Subatova, Protagonistin in "Un Hiver russe"

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28.01.2026 | 6:32 min

Kreativität im Krieg kaum möglich

Margarita ist das Zentrum des Films. Über sie hat der Regisseur all die anderen Protagonisten kennengelernt. Die meisten aus eher kreativen Berufen. Es sind Künstler, Musiker, ein Journalist, erklärt der Filmemacher. Doch im Krieg scheint ihnen Kreativität kaum möglich.

Verrückt ist, dass seit Kriegsbeginn niemand in Russland auch nur ein Wort geschrieben hat.

Yuri Nosenko, Protagonist in "Un Hiver Russe"

Was sie jetzt eint, ist der Traum, neu anfangen zu können. Paris ist für sie eine Traumstadt, doch ein Visum ist nicht leicht zu bekommen. Der Dokumentarfilm lässt seinen Heldinnen und Helden Zeit. Zeit zum Nachdenken auch darüber, welche Ängste sie eigentlich umtreiben.

Da wurde ein Moment unseres Lebens erfasst. Es ist, als hättest du ein Foto davon.

Yuri Nosenko, Protagonist in "Un Hiver Russe"

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Film feiert auf der Berlinale seine Premiere

Auf der Berlinale erlebt der Film seine Premiere. Es ist eine französische Produktion von einem österreichischen Filmemacher, der in Frankreich lebt, gedreht zu großen Teilen in Istanbul mit jungen Russinnen und Russen als Hauptpersonen. Inzwischen haben alle ein Visum bekommen und leben in Paris. Sie sind zur Premiere nach Berlin gekommen.

Für mich zeigt der Film die zwei Gefühle, die für mich wichtig waren. Unsicherheit und Freundschaft.

Margarita Subatova

Ohne Freundschaft, da sind sich alle einig, wäre diese Zeit kaum zu überstehen gewesen. Die Freunde wären in der Fremde zu einem Ersatz für die Familien geworden.

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Quelle: dpa

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Über dieses Thema berichtete die Sendung heute in Europa am 17.02.2026 um 16 Uhr.

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