Jurypräsident der Berlinale:Wim Wenders über Filme: "Es muss einen irgendwie umhauen"
von Nadia Nasser und Sherin Al-Khannak
Einst erhielt er den Goldenen Ehrenbär, jetzt entscheidet er selbst mit über die Berlinale-Preisträger - Jurypräsident Wim Wenders über Kino und was ein Siegerfilm mitbringen muss.
Wim Wenders übernimmt die Leitung der internationalen Berlinale‑Jury. Der Filmemacher blickt auf sechs Jahrzehnte Schaffen zurück und prägt die Filmwelt mit Werken wie "Paris, Texas" und "Pina".
17.02.2026 | 3:46 minIm dunklen Anzug, mit schwarzer Brille kommt Wim Wenders zum Interview in ein Hotel am Berlinale-Palast. Direkt hier hat der deutsche Star-Regisseur vor 40 Jahren Szenen für seinen berühmten Film "Der Himmel über Berlin" gedreht. Der vierfach Oscar-nominierte Regisseur, Autor und Fotograf zählt zu den großen Stimmen des internationalen Kinos.
Jury-Präsident Wim Wenders bei der Eröffnung der Berlinale 2026.
Quelle: APSeit sechs Jahrzehnten bereichert er die Filmwelt. Zu den bekanntesten Werken gehören "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" (1972), "Paris, Texas" (1984) und "Der Himmel über Berlin" (1987). Auch seine Dokumentationen wurden weltweit gefeiert, etwa über die Musiker des Buena Vista Social Clubs oder den Künstler Anselm Kiefer.
Im Dezember 2025 wurde Regisseur Wim Wenders zum Präsidenten der Jury bei der Berlinale 2026.
12.12.2025 | 1:11 minZuletzt erhielt sein Film "Perfect Days" über einen Toilettenreiniger 2024 eine Oscar-Nominierung. Wenders, der auch Mitbegründer der Deutschen und der Europäischen Filmakademie ist, hat auf der Berlinale schon zahlreiche Filme vorgestellt. Nun entscheidet der 80-Jährige als Präsident der Jury mit, welche der 22 Wettbewerbsfilme den Goldenen und die Silbernen Bären bekommen.
ZDFheute: Was schätzen Sie an der Berlinale?
Wim Wenders: Es ist halt Zuhause und sonst fährt man zum Festival und auf einmal kommen alle her und das ist schon ein anderes Gefühl.
Die Berlinale ist das publikumsstärkste Filmfestival der Welt. Es tummeln sich Stars aus aller Welt in der Hauptstadt.
16.02.2026 | 1:30 minZDFheute: Wie war es für Sie, als Sie gefragt worden sind, ob Sie Berlinale-Jurypräsident werden wollen?
Wim Wenders: Ich habe auch nicht gedacht, dass mir mal diese Ehre zuteilwerden würde, Jurypräsident zu werden. Und jetzt habe ich nichts anderes zu tun.
Ich gucke nur Filme und habe nichts anderes. Und mache sozusagen Ferien auf der Berlinale.
Er ist der Präsident der Internationalen Jury der Berlinale 2026: "Wim Wenders zählt zu den einflussreichsten Stimmen des internationalen Kinos", sagt Intendantin Tricia Tuttle.
11.12.2025 | 1:11 minZDFheute: Was muss denn ein Gewinnerfilm für Sie mitbringen?
Wim Wenders: Es muss einen irgendwie umhauen.
Man muss schon beim Sehen das Gefühl haben, dass viele Menschen das sehen möchten.
So ein Preis gibt dem Film ja auch Aufmerksamkeit und dann will man schon, dass das ein Film ist, von dem man eigentlich seinen Freunden erzählen würde, 'den muss ich jetzt angucken gehen'. Und auf den hoffen wir.
ZDFheute: Was fasziniert Sie bis heute am Filmemachen?
Wim Wenders: Es gibt ja kein Rentenalter für Filmemacher. Ich habe eigentlich immer gearbeitet und ich mag es auch am liebsten, muss ich sagen. (…) Einige sind erst zu voller Form aufgelaufen, mit über 80 Jahren. Ich sehe das als einen Bonus, dass man immer noch Filme machen kann und ich freue mich auch auf den Nächsten.
Im Rahmen der "Cinema for Peace"-Gala bei der Berlinale sind zwei Filme über den Gaza-Krieg ausgezeichnet worden. Gastgeber der Veranstaltung war Aktivist und Musiker Bob Geldof.
17.02.2026 | 0:28 minZDFheute: Viele Ihrer Filme bedeuten Menschen sehr viel. Was bedeutet Ihnen das?
Wim Wenders: Das ist eine tolle Sache. Ich sage es den Filmen auch immer weiter. Für mich sind die eigentlich so wie ihre eigenen Personen. Ich meine, sie sind natürlich keine Menschen, aber sie gehören sich selbst. Und die stehen auch für sich selbst. Und wenn "Der Himmel über Berlin" oder "Paris, Texas" oder "Der amerikanische Freund" im Leben von jemandem eine wichtige Rolle gespielt hat, dann freue ich mich eigentlich für die Filme, als ob sie tatsächlich meine Kinder wären. Sind sie auch ein bisschen.
Ich bin ja ansonsten kinderlos, aber dafür habe ich eine ganze Menge Filme gemacht.
Hollywood in Berlin: Baywatch-Star Pamela Anderson zeigt sich in "Rosebush Pruning“ in neuer Rolle, und vielleicht war schon der nächste Bond-Darsteller dabei.
14.02.2026 | 1:35 minZDFheute: Sie haben selbst einen Goldenen Bären für Ihr Lebenswerk erhalten. Jetzt dürfen Sie die Bären mit ihren Kolleg:innen in der Jury verleihen. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?
Wim Wenders: Der Bär ist eine schöne Statue. Der hat was Kräftiges, was Uriges. Ich mag den und da sucht man natürlich jetzt auch bärenstarke Filme.
Das Interview führte Nadia Nasser.
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Nadia Nasser, Berlin