Friedensverhandlungen in Genf:Selenskyj: Jedes Abkommen erfordert ein Referendum
In Genf ringen Ukraine und Russland weiter um ein Kriegsende - die Verhandlungen stocken. Selenskyj betont: Für ein Friedensabkommen brauche es die Zustimmung der Bevölkerung.
Die Ukraine und Russland beenden ihr erstes Genfer Gespräch zu militärischen und politischen Fragen ohne Einigung. Parallel nähern sich die USA und Iran bei ihren Atomgesprächen zumindest etwas an.
18.02.2026 | 2:00 minDie Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland über ein Ende des vierjährigen Krieges scheinen auf der Stelle zu treten. Der erste von zwei Verhandlungstagen in Genf endete am Dienstagabend ohne greifbare Ergebnisse.
Dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zufolge hat seine Regierung aber mit der Regierung in Washington vereinbart, dass jedes Abkommen der Zustimmung der ukrainischen Bevölkerung per Referendum bedarf.
Russland und die Ukraine haben in Genf weitere Gespräche über ein Ende des Krieges begonnen. Ergebnisse gab es nach dem ersten Tag nicht.
17.02.2026 | 2:42 minSelenskyj: Ukrainier könnten Einfrieren des Konflikts zustimmen
Laut Selenskyj könnten die Ukrainer einem Einfrieren des Konflikts entlang der aktuellen Frontlinie in einer Volksbefragung womöglich zustimmen.
Ich denke, dass die Menschen das in einem Referendum akzeptieren würden. Das ist meine Meinung.
Ukrainischer Präsident Selenskyj über ein Referendum zur Frontlinie
Ein solcher Volksentscheid könnte parallel zu Präsidentschaftswahlen abgehalten werden.
Die reguläre Amtszeit des ukrainischen Präsidenten lief bereits 2024 ab. Das seit dem russischen Einmarsch geltende Kriegsrecht verbietet in der aktuellen Fassung Wahlen. Russlands Regierung spricht Selenskyj die demokratische Legitimität ab und dringt auf Neuwahlen in der Ukraine. Es gibt Befürchtungen, dass Moskau versuchen dürfte, durch Manipulation der Wahl eine dem Kreml genehme Marionettenregierung an die Macht zu bringen.
Quelle: dpa
Während die Ukraine große Gebiets-Rückgewinne feiern kann, wird von den Friedensverhandlungen in Genf nicht viel erwartet.
17.02.2026 | 3:18 minSelenskyj lehnt Gebietsabtritt weiter ab
Einen von Russland geforderten Abzug der ukrainischen Truppen aus den noch von ihnen gehaltenen Teilen der östlichen Gebiete Luhansk und Donezk lehnt Selenskyj weiter ab.
Emotional werden die Menschen das niemals verzeihen. Niemals.
Wolodymyr Selenskyj, ukrainischer Präsident
Seine Landsleute würden nicht verstehen, warum sie zusätzliche Gebiete abgeben sollen, sagte der Staatschef bei "Axios".
Selenskyj will die strittigen Gebietsfragen bevorzugt bei einem direkten Gipfeltreffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin lösen. Der Kreml lehnt einen solchen Gipfel zwar nicht direkt ab, sprach aber mehrfach davon, dass ein derartiges Treffen entsprechend vorbereitet werden müsse - und lässt kein Interesse an konkreten Vorbereitungen erkennen.
Mit der Entsendung Medinskis will Russland womöglich die Ukrainer verunsichern, sagt ZDF-Korrespondent Armin Coerper.
17.02.2026 | 2:41 minBeobachter: Friedensgespräche in der "Sackgasse"
In seiner abendlichen Videobotschaft sprach Selenskyj Russland weiterhin jede echte Verhandlungsbereitschaft ab - die neuerlichen Luftangriffe auf ukrainische Städte belegten dies. Bezogen auf den russischen Verhandlungsführer Wladimir Medinski sagte er:
Fantasieplaudereien zu historischen Themen haben für sie (die Russen) größere Bedeutung.
Wolodymyr Selenskyj, ukrainischer Präsident
Dem aus der Zentralukraine stammenden russischen Ex-Kulturminister Medinski wird nachgesagt, in vorherigen Verhandlungsrunden längere historische Vorträge zur Geschichte der Ukraine aus russischer Sicht gehalten zu haben.
Der als politischer Beobachter des US-Nachrichtenportals "Axios" gewöhnlich gut informierte Journalist Barak Ravid schrieb unter Berufung auf eigene Quellen bei X, die Verhandlungen zum politischen Teil der Friedensgespräche seien in einer "Sackgasse". Ursache dafür seien Medinskis Positionen. Selenskyj hatte Ravid kurz zuvor ein Interview gegeben.
"Es ist schwer, irgendeine Bewegung zu erkennen", sagt ZDF-Korrespondent Armin Coerper über die Verhandlungen in Genf.
18.02.2026 | 2:49 minVerhandlungen überraschend mit europäischen Vertretern
Die Gespräche finden über zwei Tage unter Vermittlung des US-Sondergesandten Steve Witkoff statt. Russische Staatsmedien beschrieben die Atmosphäre am ersten Tag unter Berufung auf Verhandlungskreise als "sehr angespannt".
Ohne vorherige Ankündigung waren diesmal laut Presseberichten auch Vertreter der europäischen Bündnispartner der Ukraine in die Gespräche einbezogen. Der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umjerow bestätigte gesonderte Treffen mit Vertretern der USA, Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens und der gastgebenden Schweiz. "Wir haben die Bilanz der heutigen Gesprächsrunde besprochen und die weiteren Schritte abgestimmt", schrieb Umjerow bei Telegram.
Es ist wichtig, eine gemeinsame Sicht und eine Koordination des Vorgehens zwischen der Ukraine, den USA und Europa zu wahren.
Rustem Umjerow, ukrainischer Delegierter in Genf
Man wisse, dass alle gemeinsam Verantwortung für das Ergebnis tragen.
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